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Bamberg-Trainer Roijakkers : Was ist die neue Identität?

  • -Aktualisiert am

Johan Roijakkers ist der fünfte Trainer, der Bamberg wieder auf Erfolgskurs bringen will. Bild: dpa

Mehr als zehn Jahre lang galt Bamberg als Topadresse im deutschen Basketball. Doch seit der Trennung vom letzten Meistertrainer Andrea Tinchieri fehlt es an Konstanz. Johan Roijakkers ist der fünfte Kandidat, der die Wende bringen soll.

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          Mehr als ein Jahrzehnt lang war Bamberg die Topadresse im deutschen Basketball. Zwischen 2005 und 2017 gewannen die Oberfranken neun Meisterschaften. Seit der Trennung vom letzten Meistertrainer Andrea Trinchieri im Februar 2018 scheiterten mit Luca Banchi, Ainars Bagatskis, Federico Perego und Roel Moors vier Coaches an der Herausforderung, das Team wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Neuanfang und Paradigmenwechsel – diese Begriffe fielen permanent.

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          Der Niederländer Johan Roijakkers ist seit Saisonbeginn der fünfte Kandidat für diese Aufgabe. Der Anspruch lautet aber nicht mehr, um Titel mitzuspielen. Das (finanzielle) Wettrennen um die Spitze mit den Euroleague-Teams aus München und Berlin hat man bewusst aufgegeben. Brose Bamberg ist bescheidener geworden, möchte aber zumindest ins Halbfinale einziehen. Nach knapp einem Drittel der Saison scheint aber auch dieses Ziel bei fünf Siegen und sieben Niederlagen ambitioniert.

          Mit Christian Sengfelder ist nur ein einziger Stammspieler der Vorsaison geblieben. Der neue Coach hat bereits früh darauf hingewiesen, dass weniger Geld zur Verfügung steht als in der Vergangenheit. Trotz dieser Umstände gibt es seit dem Jahreswechsel viel Unruhe. Vor dem Derby gegen Bayreuth am 30. Dezember sagte Roijakkers noch, dass er mit den ersten Monaten zufrieden sei. Außer Norense Odiase hätten sich alle Spieler weiterentwickelt. Nach der schwachen Vorstellung und der Niederlage war der 40-Jährige aber deutlich angefressen.

          Danach wiederholte sich das Muster im Heimspiel gegen Oldenburg. Abermals verspielten die Bamberger eine deutliche Führung und unterlagen. Zwar bewertete der Coach die Leistung deutlicher besser als gegen Bayreuth, aber sagte: „Leider fehlt uns gegen Topmannschaften wie Oldenburg am Ende etwas Qualität und Quantität.“ Da sich die Niedersachsen ebenfalls Richtung Halbfinale orientieren und damit ein Kontrahent auf Augenhöhe sein sollten, war diese eine bemerkenswerte Einschätzung.

          Harsche Kritik

          Aber ein weitaus größeres Echo löste Roijakkers’ harsche Kritik an seinem Flügelspieler Kenny Ogbe aus, den er gegen Oldenburg komplett auf der Bank ließ. Der Neuzugang aus Berlin habe keine Lust und keine Körperspannung, so der Trainer, der dann nachlegte: „Einen Spieler, der so unglaublich schlecht ist, kann ich nicht gebrauchen.“ In der darauffolgenden Begegnung in Ulm startete Ogbe dann überraschend und lieferte eine gute Partie. Dazu gewannen die Bamberger, was für etwas Ruhe sorgte – bis man zwei Tage später Schlusslicht Vechta den ersten Saisonerfolg gestattete. Bislang fehlt es an Konstanz, womöglich auch, weil es keine erkennbare Hierarchie im Team gibt.

          David Kravish, der bislang beste Akteur, spielt auf der Centerposition und ist schon deshalb nur bedingt als Leader geeignet. Andere Kandidaten sind noch relativ jung (Bennet Hundt, Devon Hall) oder extrem introvertiert wie Dominic Lockhart. Der als startender Spielmacher vorgesehene Tyler Larson hat nur zwei Spiele bestritten. Es war angedacht, dass er im Januar zurückkehren könnte. Anfang letzter Woche wurde jedoch bekannt, dass er sich nach seiner Achillessehnenverletzung auch einer Kniearthroskopie unterziehen muss und wahrscheinlich bis März ausfallen wird.

          International noch ungeschlagen

          Im internationalen Wettbewerb sind die Oberfranken noch ungeschlagen und haben bereits als Gruppensieger die nächste Runde erreicht. Auch wenn die Champions League nur als drittklassig gilt, wurden hier alle Aufgaben erledigt. In der Bundesliga hingegen könnte das Team sich noch verbessern. Die Mannschaft wirft zwar gute Quoten, aber leistet sich zu viele Ballverluste. Die Spielanlage ist gefällig, aber eine wirkliche Identität noch nicht erkennbar. Bamberg hat keine Leader. Es ist unklar, durch wessen Hände der Ball in Krisensituationen gehen soll.

          Am Mittwoch wurde Alex Ruoff als Neuzugang auf den Außenpositionen bekanntgegeben. Der Kreativspieler war unter Roijakkers ein absoluter Leistungsträger in Göttingen. Mit seinen 34 Jahren und einer beachtlichen Verletzungshistorie ist seine Nachverpflichtung durchaus ein Risiko, zumal er Larson nicht positionsgetreu ersetzen kann. Unter dem Korb debütierte mit Shevon Thompson am Dienstag in der Champions League schon ein Nachfolger für den enttäuschenden Odiase. An diesem Samstag (20.15 Uhr/MagentaSport) müssen die Bamberger beim Tabellenführer in Ludwigsburg antreten, wo die Gefahr droht, weiter an Boden zu verlieren.

          Der Autor war zweimal Trainer des Jahres.

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