
Geschmackssache : Ein Leben ohne Butter ist der Tod

Die Liebe hat den Bretonen Frédéric Morel nach Münster verschlagen, und die Liebe ist die große Schwungfeder seiner Küche. Deswegen kann sein Restaurant gar nicht anders als „Cœur d’Artichaut“ heißen.
In Frankreich geht nicht nur die Liebe, sondern auch die Sprache sprichwörtlich durch den Magen. Nicht in seiner Haut, sondern auf dem Teller fühlt man sich im Mutterland der Grande Cuisine wohl, nicht um seine Angelegenheiten, sondern seine Zwiebeln kümmert man sich, keine Perlen, sondern Konfitüre wirft man vor die Säue und Butter in den Spinat, wenn etwas besonders gut gelingen soll. Nägel, keinesfalls Pfifferlinge, sind den Franzosen nichts wert, und wenn sich ein Mensch schnell verliebt, wenn er voller Begeisterungsfähigkeit und Leidenschaft steckt, ist er ein Artischockenherz – das der englische Volksglaube übrigens verdächtigt, zum Tod durch Ersticken zu führen. Frédéric Morel fühlt sich als „Cœur d’artichaut“ und hat deswegen nicht nur sein Restaurant im Herzen von Münster so genannt, sondern sich auch den Unterarm mit lauter Liebesdingen tätowieren lassen: mit Speisefischen, Meeresfrüchten und allerlei anderen Delikatessen, umrahmt von seinem Lebensmotto „Le beurre c’est la vie“. Bei den Franzosen geht wirklich alles durch den Magen.
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