FAZ+ (abopflichtiger Inhalt);Soziologin über Familienformen :
„Der erste ‚Samenspender’ war der Heilige Geist“

Von
Julia Bähr
,
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Auch Jesus, Maria und Josef bildeten eine Patchworkfamilie.
Auch Jesus, Maria und Josef bildeten eine Patchworkfamilie.Picture Alliance

Vater, Mutter, Kind – die Vorstellung der klassischen Kleinfamilie ist in vielen Köpfen noch immer als Ideal verankert. Aber ist sie wirklich traditionell? Die Soziologin Doris Mathilde Lucke gibt Antworten.

Frau Lucke, heute gibt es viele verschiedene Formen von Familien. Was ist mit der Idealvorstellung der Kernfamilie?

Aus Ihrer Frage höre ich die Annahme heraus, dass die Kernfamilie eine Art Blaupause sei: Vater, Mutter, Kind. Auf dem Feld der Familie gibt es ganz viele Irrtümer, die sich hartnäckig halten. Dass die Kernfamilie eine Urinstitution ist, ist so ein Irrtum. Die bürgerliche Familie ist historisch betrachtet erst relativ spät entstanden. Das lag daran, dass Männer ein Interesse daran entwickelt haben, zwei Dinge zu vererben: ihr Vermögen und ihren Namen. So kam überhaupt erst der Vater in die Familie. Zuvor hatte man gar keine Vorstellung davon, wo die Kinder überhaupt herkommen – so lange wie neun Monate hat man damals nicht voraus- gedacht. Da waren Männer eher Gäste, die kamen und gingen. Die ursprüngliche Form ist eigentlich: Mutter, Kind.

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