Soziologin über Familienformen : „Der erste ‚Samenspender’ war der Heilige Geist“

Vater, Mutter, Kind – die Vorstellung der klassischen Kleinfamilie ist in vielen Köpfen noch immer als Ideal verankert. Aber ist sie wirklich traditionell? Die Soziologin Doris Mathilde Lucke gibt Antworten.
Aus Ihrer Frage höre ich die Annahme heraus, dass die Kernfamilie eine Art Blaupause sei: Vater, Mutter, Kind. Auf dem Feld der Familie gibt es ganz viele Irrtümer, die sich hartnäckig halten. Dass die Kernfamilie eine Urinstitution ist, ist so ein Irrtum. Die bürgerliche Familie ist historisch betrachtet erst relativ spät entstanden. Das lag daran, dass Männer ein Interesse daran entwickelt haben, zwei Dinge zu vererben: ihr Vermögen und ihren Namen. So kam überhaupt erst der Vater in die Familie. Zuvor hatte man gar keine Vorstellung davon, wo die Kinder überhaupt herkommen – so lange wie neun Monate hat man damals nicht voraus- gedacht. Da waren Männer eher Gäste, die kamen und gingen. Die ursprüngliche Form ist eigentlich: Mutter, Kind.
Zugang zu allen FAZ+ Beiträgen (Originalpreis: 13,80 €) jetzt nur 0,99 €
Zugang zu allen FAZ+ Beiträgen (Originalpreis: 13,80 €) jetzt nur 0,99 €
- Mit einem Klick online kündbar





