https://www.faz.net/-gtl-9uvzl

Ski alpin in Lienz : Rebensburg und die Crux mit dem Steckenpferd

  • -Aktualisiert am

„Ein bisschen rumgemurkst“: Viktoria Rebensburg in Lienz Bild: dpa

Viktoria Rebensburg kommt im Riesenslalom derzeit nicht wie gewünscht voran. Lienz verlässt sie mit dem schlechtesten Ergebnis in diesem Winter. Ihren Fokus will sie dennoch nicht verschieben.

          3 Min.

          Der Arbeitstag war schon gelaufen, da hatte Viktoria Rebensburg gerade einmal die Hälfte ihres Jobs erledigt. Der zweite Teil gelang ihr dann etwas besser, weshalb sie am Ende sogar ein bisschen lächeln konnte. Aber mit einem guten Gefühl verließ die Skirennläuferin vom SC Kreuth den Ort Lienz nach dem für sie letzten Weltcup-Rennen des Jahres nicht. „Vergessen und weitermachen“ war ihre Devise nach Platz 14 beim Riesenslalom in den Osttiroler Dolomiten, ihrem schlechtesten Ergebnis in diesem Winter.

          3,38 Sekunden Rückstand auf Siegerin Mikaela Shiffrin aus den Vereinigten Staaten, die am Sonntag später auch noch den Slalom auf dem Schlossberg gewann, das ist weit entfernt von den Vorstellungen Viktoria Rebensburgs, die diesmal sogar im Schatten der Slalom-Kolleginnen aus der Slalom-Mannschaft stand. Beim zweiten Sieg von Mikaela Shiffrin am Schlossberg innerhalb von 24 Stunden überzeugten die deutschen Torläuferinnen Christina Ackermann als Fünfte, Lena Dürr als Sechste und Marlene Schmotz als Elfte. Außerdem waren noch Marina Wallner (20.) und Jessica Hilziger (21.) im zweiten Durchgang dabei und rundeten das gute Mannschaftsergebnis ab.

          Viktoria Rebensburgs Anspruch ist es, im Riesenslalom stets auf dem Siegerpodest zu stehen, und das ist ihr in diesem Winter noch nicht einmal gelungen. Zwar hatte die Formkurve zuletzt nach oben gezeigt, aber die Vorstellung in Lienz passte zu Viktoria Rebensburgs bisherigen Saison-Auftritten in ihrer Lieblingsdisziplin. Nach den Rängen 13 in Sölden und sieben in Killington verpasste sie in Courchevel als Vierte knapp das Podium. Das gute Gefühl im Riesenslalom schien zurück zu sein – „super“ sei es anschließend im Training gelaufen, sagte die Oberbayerin. Das Rennen in Lienz war nun wieder ein Rückschlag; nicht unerklärlich, sie kenne die Gründe, behauptete Viktoria Rebensburg. Im ersten Durchgang wurde sie an einer Welle ausgehoben und blieb nur mit Mühe im Kurs, „dann war der Speed weg und der Rhythmus“, sagte die deutsche Skirennläuferin. Im zweiten Lauf habe sie im Mittelteil „ein bisschen rumgemurkst“.

          Die Olympiasiegerin von 2010 ist es nicht gewohnt, in ihrer Paradedisziplin im zweiten Durchgang so früh an den Start gehen zu müssen wie am Samstag – als Neunzehnte des ersten Laufes war sie weit vor den Favoritinnen an der Reihe, packte unten im Ziel bereits ihre Sachen und zog Bilanz, als die Besten noch oben standen. „Heute haben ein paar Kleinigkeiten nicht gepasst“, sagte Viktoria Rebensburg, „aber ich weiß trotzdem, dass ich es draufhabe.“ Aber mit nun 30 Jahren eben nicht mehr mit der Selbstverständlichkeit früherer Zeiten, wie auch Cheftrainer Jürgen Graller erkennt.

          Das liegt für ihn zum einen an der nun größeren Konkurrenz. Früher seien maximal sechs Läuferinnen für den Sieg in Frage gekommen, jetzt fast doppelt so viele. „Die jungen Wilden werden mittlerweile ganz schön frech“, findet der Österreicher. Athletinnen wie die Neuseeländerin Alice Robinson, Siegerin von Sölden, Mina Fürst Holtmann aus Norwegen, Zweite von Courchevel, oder die Italienerin Marta Bassino, Gewinnerin von Killington, haben aufgeschlossen zu den Etablierten, zu denen neben Viktoria Rebensburg und Mikaela Shiffrin die zweifache Weltmeisterin Tessa Worley aus Frankreich und Marta Bassinos Teamkollegin Federica Brignone gehören. Zum anderen verliere man etwas von der Unbekümmertheit, wenn man sich im Schlussabschnitt der Karriere befinde, weiß Graller. Man werde „weiser und ruhiger“, diese Routine helfe dann aber womöglich in den schnellen Disziplinen.

          Tatsächlich scheint Viktoria Rebensburg da im Moment gefestigter zu sein, vor allem im Super-G. Der Sieg in Lake Louise Anfang Dezember war ihr bisher einziger Podestplatz in diesem Winter. Der Cheftrainer sah sich bei ihrer Darbietung in Kanada bestätigt, dass der Super-G die ideale Disziplin für Viktoria Rebensburg sei. Er hat es sich zum Ziel gesetzt, aus einer der besten Riesenslalomfahrerinnen der Welt die beste Super-G-Athletin zu machen. Sie habe alle technischen Voraussetzungen dafür, findet Graller. Zudem fahre sie da „frei von der Leber weg“, weil sie nicht so viel erwarte wie bei „ihrem Steckenpferd“.

          Im Riesenslalom auf einem Topniveau zu bleiben, da ist sich der Trainer sicher, bedeute für Viktoria Rebensburg in Zukunft „brutal viel Arbeit“, wohl mehr als bisher. Viktoria Rebensburg verschwendet aber keinen Gedanken daran, den Fokus ganz Richtung Abfahrt und Super-G zu verschieben in den letzten Jahren ihrer Karriere. „Der Riesenslalom ist meine Basis, wenn die mal nicht mehr da ist, gibt es mich auch nicht mehr.“ Im Ski-Weltcup, meint sie.

          Baumann belegt Platz 13 bei Kombination in Bormio

          Der einzige deutsche Starter Romed Baumann hat bei der Kombination in Bormio den 13. Platz belegt. Nach Rang 14 im Super-G zeigte der aus Österreich nach Deutschland gewechselte Routinier am Sonntag einen soliden Slalom und hatte am Ende 3,97 Sekunden Rückstand auf Gewinner Alexis Pinturault aus Frankreich. Rang zwei ging etwas überraschend an den Norweger Aleksander Aamodt Kilde, der damit auch die Führung im Gesamtweltcup übernahm und nach dem letzten Weltcup des Jahres 20 Punkte Vorsprung auf Verfolger Dominik Paris hat. Dritter in der ersten Kombination des Winters wurde der Schweizer Loic Meillard. (dpa)

          Weitere Themen

          Herzklopfen ohne Happy End

          Deutsche Fechter bei Olympia : Herzklopfen ohne Happy End

          „Es wäre eine wahnsinnig tolle Geschichte gewesen“: Die deutschen Säbelfechter verpassen bei den Olympischen Spielen in Japan die Bronzemedaille knapp. Für Max Hartung beginnt nun ein neues Kapitel.

          Topmeldungen

          Podcast starten 22:30

          Podcast-Serie zur Wahl : Die FDP in der Stadt der Reichen und Schönen

          Düsseldorfer ringen mit dem Image ihrer Stadt zwischen Kö und Schickimicki. Dann auch noch bundesweite FDP-Hochburg? Auf der Suche nach Vorurteilen in einer liberalen Stadt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.