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Skirennfahrerin Lara Gut : „Die Leute vergessen, dass wir Menschen sind“

Man kann nicht immer ganz oben stehen: Lara Gut freut sich trotzdem über ihren zweiten Platz Anfang Januar in Altenmarkt Bild: AP

Lara Gut ist ihre eigene Chefin. Im Interview spricht die alpine Skifahrerin über guten Schlaf und späte Filme – und den Unterschied an Kritik an der Athletin Gut und dem Menschen Lara.

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          Freuen Sie sich immer noch darüber, jeden Tag Skifahren zu können?

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Ja. Ich fahre Ski aus Leidenschaft. Ich habe mit der Zeit gemerkt, dass es „das Skifahren“ gibt und das Berufs-Skifahren. Ich bin nur mit dem Skifahren aufgewachsen, nicht mit dem Beruf. Und das liebe ich immer noch.

          Und das Berufs-Skifahren?

          Da gibt es eher Momente, in denen ich sage: Es ist schwieriger, es fällt mir schwerer, da muss ich kämpfen. Aber das reine Skifahren ist pure Freude.

          Dann sind Sie eine glückliche Person. Herzlichen Glückwunsch. Aber was sind die Momente, in denen es im Beruf schwierig wird?

          Als Athlet arbeitet man praktisch 24 Stunden pro Tag. Auch die Entscheidung, wann man ins Bett geht, gehört zum Beruf. Man kann ja bis um 2 Uhr am Morgen Party machen, aber dann wird es schwierig. Man muss lernen, mit sich selbst strikt zu sein.

          Und auf der Piste?

          Wenn es nicht vorwärtsgeht, wenn die Kurve nicht stimmt, wenn man trotzdem jedes Wochenende gegen die Uhr fahren muss und es nicht geht, das ist nicht leicht. Aber auch das gehört zum Beruf.

          Gut unterwegs: Lara Gut beim Weltcup in Maribor
          Gut unterwegs: Lara Gut beim Weltcup in Maribor : Bild: dpa

          Der Skiweltcup ist ein Wanderzirkus, zieht den ganzen Winter durch die Skidörfer. Überall, wo Sie hinkommen, ist viel los. Denken Sie manchmal, ich gehe jetzt runter zu den Fans und trinke ein Bier mit?

          Nein, vielleicht passiert das eher bei den Herren, wenn sie in Kitzbühel oder ähnliche Orten sind. Ich bin eher ein Mensch, der ohne Party aufgewachsen ist. Ich bin ja schon mit 16 im Weltcup gefahren. Und mir ist viel wichtiger und es gefällt mir auch besser, ein gesundes Leben zu leben als keinen Schlaf in der Nacht zu haben. Aber es gibt im Winter manchmal spätabends tolle Filme im Fernsehen, die würde ich gerne sehen. Doch ich denke dann, mein Körper braucht Ruhe. Und ich lese extrem gerne, aber es ist nicht das Gleiche, sich mit einem Buch im Bett zu erholen oder zu schlafen. Bei mir ist oft die erste Priorität: Schlaf. Erst dann kommt alles andere.

          Und da Sie Ihre eigene Chefin sind, sind Sie auch für sich selbst verantwortlich.

          Ja, genau. Das ist auch eine Challenge. Meine Eltern haben mir schon als Kind beigebracht, dass ich die Möglichkeit habe, meine Entscheidungen selbst zu treffen. Niemand anderes wird sie für mich treffen. Und das ist auch im Sport so. Jeder Athlet ist für seine Leistung zuständig. Wenn ich entscheide, drei Kekse mehr zu essen, weiß ich, dass es schwieriger wird, im Kraftraum zu trainieren. Wenn ich dazu bereit bin, dann ist es okay. Aber ich muss immer wissen, wenn ich was entscheide, was dabei raus kommt.

          Aber es ist wahrscheinlich gar nicht so einfach, sich gegen alle Trainer und Berater durchzusetzen und zu sagen: Ich bin für mich verantwortlich. Ich weiß, was für mich am besten ist.

          Das lernt man in den schwierigen Zeiten. Als ich mich mit 18 verletzt hatte, habe ich gemerkt, ich muss mich entscheiden: Entweder ich mache die ganze Reha und ziehe das durch, bis mein Körper wieder fit ist. Oder eben nicht. Niemand anderes wird die Reha für mich machen. Die Entscheidungen zu treffen, heißt aber nicht, dass man ganz alleine ist. Ich habe das Glück, dass ich Leute um mich herum habe, die ich gewählt habe. Aber schlussendlich werden sie alle nicht meinen Job machen. Sie werden mir helfen, die Richtung zu finden. Aber auf dem Berg liegt es an mir, ob ich mein Bestes gebe oder nicht.

          Wenn Sie gewinnen, lieben Sie alle. Wenn Sie verlieren, werden Sie stark kritisiert. Wie gehen Sie damit um?

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