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Hermann Weinbuch : „Eric Frenzel hat den Mut zur Veränderung“

  • -Aktualisiert am

Bundestrainer Hermann Weinbuch: „Der Eric ist ein ganz Großer.“ Bild: dpa

Der Bundestrainer der Nordischen Kombinierer spricht vor dem ersten Start von Eric Frenzel bei der WM in Falun an diesem Freitag über seinen besten Athleten, dessen Favoritenrolle und soziale Kompetenz.

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          Mal angenommen, Sie hätten die Möglichkeit, sich den perfekten Kombinierer zusammen zu basteln: Wie viel Eric Frenzel würde da drin stecken?

          Von der mentalen Seite wäre da ziemlich viel Frenzel drin. Er hat die letzten Jahre bewiesen, dass er gut mit Druck umgehen kann. Er ist immer in der Lage, sich im Wettkampf zu steigern und dabei auch noch Spaß zu haben.

          Hat er gelernt, mit dem Druck umzugehen, oder konnte er das schon immer?

          Er konnte das schon immer, das macht sein Naturell aus. Er ist sehr bodenständig, kommt aus einem guten Umfeld,ruht sehr in seiner Mitte. Deshalb haut den nichts so schnell um.

          Und er scheint im Wettkampf immer genau zu wissen, was er zu tun hat.

          Das ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Er macht auch Fehler, die man von außen vielleicht nicht so erkennt. Er muss sich schon viel erarbeiten. Es ist nicht so, dass ihm alles zufliegt. Er hat in dieser Saison taktisch dazu gelernt, was ihm in den Jahren zuvor vielleicht noch ein bisschen gefehlt hat. Das hat ihn noch stärker und für die Konkurrenz vor allem unberechenbarer gemacht. Aber es gibt schon ein paar Dinge, die den perfekten Kombinierer ausmachen, die Eric nicht hat.

          Welche denn?

          Bundestrainer der Nordischen Kombinierer: Hermann Weinbuch
          Bundestrainer der Nordischen Kombinierer: Hermann Weinbuch : Bild: dpa

          Er hat schwer zu kämpfen mit seiner Beweglichkeit. Er hat relativ lange Beine und einen kurzen Oberkörper, da ist es sehr schwierig, beim Springen die optimale Anfahrtshocke zu finden. Da muss er unheimlich viel investieren, um die hinzubekommen. Das ist bei ihm oft der Knackpunkt, ob sein Sprung funktioniert oder nicht. Das ist eine kleine Schwäche.

          Deswegen macht Frenzel auch eine spezielle Gymnastik, um beweglich zu bleiben.

          Ja. Er muss täglich hart daran arbeiten. Wenn er da nachlassen würde, wären im Springen gleich zehn, fünfzehn Meter verloren.

          Wobei Frenzel ja ein richtig guter Springer ist. Hätte der nicht auch das Zeug zum Spezialspringer?

          Ganz ohne Zweifel. Bei uns Kombinierern bilden sich durch das Langlauftraining viele Muskeln aus, die für die Anfahrtshocke oft hinderlich sind. Wenn er nur Spezialsprungtraining machen würde, wäre es viel einfacher, diese Hocke hinzubekommen. Der hätte schon Potenzial als reiner Springer.

          Er hält ja mit 148,5 Metern immer noch den Schanzenrekord in Kuusamo.

          Keine Ahnung. Aber er hat immer mal wieder Schanzenrekorde aufgestellt.

          Haben Sie mal die Befürchtung gehabt, ihn an die Spezialspringer zu verlieren? Die stehen ja viel mehr im Blickpunkt.

          Nein, nein, die Gefahr besteht nicht. Der Eric ist ein Vollblut-Kombinierer, für den nichts anderes in Frage kommt. Der liebt es, sich im Kampf Mann gegen Mann in der Loipe auszupowern.

          Wenn einer so gut ist wie Frenzel, wird ja ganz schnell zum Leader, zur Führungsfigur gemacht. Aber taugt er auch vom Charakter her für diese Rolle?

          Ja, schon. Er kümmert sich auch um die Mannschaft. Aber er ist eher ein stiller Leader. Keiner, der sich hinstellt und sagt, wo es langgeht, sondern seine Führungsrolle zeigt sich eher in kleinen Dingen.

          Zum Beispiel?

          Wir haben kürzlich einen neuen Wachs-Truck bekommen, in dem nur eines gefehlt hat: Eine Kaffeemaschine für die Techniker. Und der Eric registriert so etwas und spendiert dann auch eine Kaffeemaschine. Das ist ein Zeichen für soziale Kompetenz.

          Wie ist Frenzel als Athlet? Ist er aufnahmebereit für Neues, ist er kritikfähig?

          Ja. Er ist sehr gut zu handlen. Er ist offen für neue Sachen, und er ist auch belastbar, wenn es um die Umsetzung geht. Viele halten ja gerne an dem fest, was funktioniert hat, weil sie Angst haben, etwas zu verlieren. Eric hat diesen Mut zur Veränderung.

          Es ist ja durchaus eine Veränderung, wenn der Olympiasieger von Sotschi in der nächsten Saison sein Trainingsprogramm reduziert. Was steckt dahinter?

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