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83. Weltcup-Sieg : Shiffrin schreibt Ski-Geschichte

In der Rekordspur: Mikaela Shiffrin Bild: AFP

Mikaela Shiffrin zeigt trotz Nervosität zwei perfekte Fahrten und gewinnt ihr 83. Weltcup-Rennen: Rekord-Vorgängerin Lindsey Vonn ist ihr nur noch in einer Kategorie voraus.

          2 Min.

          Der Feiertag mit Krönung fiel auf einen Dienstag. Um 14.24 Uhr Ortszeit am Kronplatz in Südtirol war Mikaela Pauline Shiffrin am Ziel – einmal mehr als Schnellste eines Weltcup-Rennens und diesmal definitiv als die „Größte“ der bisherigen alpinen Ski-Geschichte. Shiffrin gewann den Riesenslalom in den Dolomiten überlegen nach zwei Laufbestzeiten in 2:00,61 Minuten vor Lara Gut-Behrami aus der Schweiz (+0,45 Sekunden) sowie der Italienerin Federica Brignone, die schon satte 1,43 Sekunden Rückstand aufwies, und sicherte sich damit ihren 83. Weltcup-Sieg.

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Mit gerade mal 27 Jahren löste die Amerikanerin Shiffrin damit ihre einstige Teamkollegin Lindsey Vonn als Rekord-Weltcupsiegerin ab, die für ihre 82 Erfolge im Weltcup aber immerhin 395 Rennen benötigte – während Shiffrin gerade mal 238 Starts hinter sich hat. Sie siegte somit in gut einem Drittel aller Rennen, an denen sie teilnahm – ihre Gewinnquote von 34,8 Prozent erscheint noch unfassbarer als die pure Zahl der Siege.

          Trotz ihrer Überlegenheit schien es der Seriensiegerin aus Colorado fast ein bisschen peinlich zu sein, als ihr im Anschluss an ihre Rekordfahrt eine goldene Krone aufs Haupt gesetzt wurde. Die 27-Jährige zupfte sich ihre blonden Haare zurecht und lächelte auf einer Weise, die irgendwo zwischen Unglaube und Verlegenheit angesiedelt schien. „Es fällt mir schwer, Worte zu finden“, meinte die sonst sehr eloquente Sportlerin hinterher. Der ganze Renntag sei schon „stressig“ gewesen, sie selbst „nervös“. Und sie habe auch ein bisschen Angst vor diesem Tag gehabt, „weil ich fürchtete, dass meine Gefühle verrückt spielen würden“. Sicherheitshalber verbarg sie ihre Augen deshalb hinter einer dicken, wenn auch goldfarbenen Sonnenbrille.

          Die Tragweite ihres Erfolgs scheint noch größer, wenn man bedankt, dass sie vor einem Jahr bei den Olympischen Spielen von Peking noch als große Verliererin dastand. In sechs Wettbewerben war sie gestartet, konnte aber keine einzige Medaille mit nach Hause nehmen – und war in ihren Spezialdisziplinen Slalom und Riesenslalom sogar jeweils nach wenigen Toren ausgeschieden.

          Olympiasiegerin war sie immerhin schon zweimal: im Slalom 2014 sowie im Riesenslalom 2018. Noch frappierender ist ihre Goldbilanz bei Weltmeisterschaften, die sie im Slalom von 2013 bis 2019 viermal in Serie gewann. Auch in Super-G (2019) und Kombination (2021) darf Shiffrin sich schon Weltmeisterin nennen. Den Gesamt-Weltcup gewann sie viermal, den Slalom-Weltcup gar sechsmal. Und ihre Einzelerfolge verteilen sich über sechs Disziplinen: außer im Slalom (51 mal) und Riesenslalom (18) stand sie auch in Abfahrt (3), Super-G (5),  Parallelrennen (5) und Kombination (1) ganz oben auf dem Treppchen.

          Und ihre Erfolgsbilanz wäre womöglich noch größer, wäre sie nicht nach dem tragischen Unfalltod ihres Vaters für eine ganze Weile aus dem Weltcup ausgestiegen – sie hatte in ihrer Trauer sogar überlegt, ganz aufzuhören.

          Vom Gegenteil überzeugte sie letztlich ihr Freund Aleksander Aamodt Kilde, selbst ein ausgewiesener Meister des Skifachs und gerade erst am Wochenende als Sieger des Hahnenkamm-Rennens in Kitzbühel obenauf. Kilde brachte ihr nicht nur den Spaß am Skifahren, sondern auch die Freude am Leben überhaupt zurück. Nun lobte er seine Freundin aus der Ferne als „brillante Athletin“.

          Die Queen des Skisports: Mikaela I.
          Die Queen des Skisports: Mikaela I. : Bild: dpa

          Die trat zur Siegerehrung am Kronplatz mit zwei geflochtenen Zöpfchen an – als Reminiszenz an ihre Siegpremiere. Die hatte sie am 20. Dezember 2012 im schwedischen Are gefeiert, mit gerade mal 17 Jahren und als Wunderkind angekündigt. Diesen Status hat sie längst überwunden – und mehr Wunderfahrten als alle anderen Skiläuferinnen in ihrer Karriere vorgeführt.

          Lindsey Vonn sah den Verlust ihres Rekords übrigens schon lange kommen. Sie adelte Mikaela Shiffrin jüngst im Interview mit der F.A.Z. sportlich fair als „beste Skiläuferin, die jemals gelebt hat“. Dass auch sie selbst aber noch gut auf dem Ski steht, bewies die 38-Jährige jüngst am Rande der Abfahrt in Kitzbühel, wo sie als erste Frau die Streif herunter raste – und das sogar nachts bei Flutlicht. In Sachen Show liegt Vonn also noch knapp vor Shiffrin.

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