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Dramatik im Dressurreiten : Aus den Flammen gerettet

  • -Aktualisiert am

Ein Team: Sönke Rothenberger reitet auf seinem Pferd Cosmo bei der WM 2018. Bild: dpa

Die Erinnerungen sind noch nicht passé: Sönke Rothenberger hat seinen Wallach Cosmo erst vor wenigen Monaten vor dem Feuertod bewahrt. Die dramatische Nacht veränderte alles.

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          Es ist erst gut ein Vierteljahr her, als der Dressurreiter Sönke Rothenberger dachte: Das will ich nicht mehr. Nicht einschlafen können mit dem Gedanken, seinen Pferden könnte in der Nacht etwas passieren. Bedrückt wegfahren, weil er nicht immer zuhause bleiben und 24 Stunden am Tag auf seine Tiere aufpassen kann. „Ich wollte die Verantwortung als Bezugsperson nicht mehr haben“, sagte der 24 Jahre alte Student aus Bad Homburg. Am Donnerstagnachmittag saß er an einer Kaffeebar, in Balve im Sauerland, hinter den Hecken, wo an diesem Wochenende die deutschen Meisterschaften im Dressur- und Springreiten abgehalten werden, und blinzelte verdächtig in die Sonne. Er war in Gedanken wieder bei dem schweren Feuer, das Ende Februar das Anwesen der Familie in Bad Homburg heimsuchte, und fühlte wieder einen Anflug der Panik von damals, als seine Schwester ihn alarmierte. Als er glaubte, er könne den Brand löschen und alle 25 Pferde retten. Als er den Stall betrat und schon noch einem Meter wusste, dass das nicht möglich war.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Natürlich entschied Rothenberger sich trotz seiner Zweifel wieder für die Pferde. „Sie geben einem so viel zurück.“ In Balve wollte er nach einem erfolgreichen Auftritt in Hagen im April endgültig den alten Faden wieder aufnehmen und seine beiden deutschen Meistertitel von 2018 verteidigen – aus einer Zeit, als zuhause noch alles stand und Stall und Reithalle nicht in übelriechenden Trümmern lagen, aber das ist ihm nicht vergönnt. Am Nachmittag hatte er seinen Wallach Cosmo noch trainiert, am frühen Abend zeigten sich bei dem Pferd plötzlich Kolik-Symptome. Auf Anraten des Mannschafts-Tierarztes wurde es in die Tierklinik Telgte gebracht. Rothenberger musste unverrichteter Dinge abreisen. Aber inzwischen geht es dem Wallach wieder besser.

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