Kolumne Geschmackssache : Steillagenschätze mit Sirenengesang

Das Mittelrheintal hat sich vom Lieblings- zum Stiefkind des deutschen Weinbaus entwickelt – ein Abstieg, dem sich ein Mann mit aller Macht entgegenstellt.
Käme der trinklustige Bonvivant Heinrich Heine heute an den Mittelrhein, wäre er noch viel trauriger als vor 192 Jahren. Und schuld daran wäre dieses Mal kein Märchen aus uralten Zeiten, kein Sirenengesang einer männermordenden Blondine, sondern ein Anblick, der jeden Weinliebhaber schmerzvoll ins Herz trifft: Zu beiden Seiten des Rheins sind seit Heines Zeiten Hunderte Hektar von Rebengärten verschwunden oder zu hässlichem Gestrüpp verkommen, schönste Steillagen, beste Südhänge, kostbarste Schieferparzellen, verloren aus Trägheit, Faulheit, Gleichgültigkeit, eine Tragödie mindestens ebenso groß wie das Schicksal der armen, grausamen Loreley.





