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Jeans-Trends : Gestern Skinny, morgen Schlag

  • -Aktualisiert am

Wie eng darf die Jeans denn sein? Bild: Frank Röth

Während Skinny Jeans früher Ausdruck eines Lebensgefühls waren und am schmalen Bein des Indie-Musikers für Individualität standen, sind sie heute nur noch eines – verdammt eng.

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          Jeden Morgen zwängten sich Männer und Frauen in ihre Skinny Jeans. Beim Anprobieren verzweifelten sie oft an der Zwei-Finger-Regel, die dem Träger mit jeder Fingerbreite ein schlechtes Körpergefühl vermitteln konnte. Zur Freude vieler und zur Trauer einiger sind die Zeiten dieser Selbstgeißelung seit diesem Jahr endgültig vorbei.

          Bevor die Jeans ein Ausdruck von körperlichen Maßstäben wurde, war die enge Hose aus robustem Baumwollstoff etwas anderes: der Ausdruck eines Indie-Lebensgefühls, das sich zum letzten Mal aufbäumte.

          „I just wanted to be one of the Strokes, now look at the mess you made me make“: Mit diesen Worten stieg Alex Turner, Frontsänger der Arctic Monkeys, 2018 mit seinem sechsten Studioalbum ein und meinte damit wohl mehr als nur die Musik. Vor zehn Jahren wurde einem ein anderes Lebensgefühl vor Augen geführt: Locken, Jeansjacke, Skinny Jeans, Band-T-Shirts und ein destruktiver Lebensstil – man wollte die Rock-Bewegung der siebziger Jahre imitieren, nur irgendwie anders.

          In der „Indie-Szene“ durften – im Gegensatz zu Punk oder Rock – auch die Braven Rebellen sein, ohne zu sehr von der Norm abzuweichen. Der Indie-Rock war ein Teil des Mainstreams, in dem jeder seiner Individualisierung nachgehen konnte, ohne dabei abseits stehen zu müssen.

          Johnny Borrell, früher Bassist der Libertines, trug seine Hosen vor 12 Jahren so eng wie nur möglich am schmalen Leib.
          Johnny Borrell, früher Bassist der Libertines, trug seine Hosen vor 12 Jahren so eng wie nur möglich am schmalen Leib. : Bild: dpa

          Die Jugend trug dazu Halstücher und Schmuck. Sie machte sich Dauerwellen oder färbte sich die Haare. Männer und Frauen trugen gleichermaßen die Skinny. Sie spielten mit Geschlechterrollen, Jahre bevor der Begriff der gender fluidity überhaupt aufkam.

          Indie-Rock-Bands wie Libertines, Bloc Party, Arctic Monkeys und The Kooks trugen maßgeblich dazu bei, dass die Skinny Jeans eine Renaissance erlebte. Die Jeans wurde durch sie ein guter Kompromiss für Menschen, die so sein wollten wie die Musiker, aber das Rampenlicht vermieden.

          Doch was, wenn die Hose nicht passt? Dann sendet sie eine negative Botschaft an den Träger: Die Skinny Jeans kann nämlich nicht nur befreiend sein, sondern auch deprimierend. Ihre Aussage: „So wie dein Körper zur Zeit ist, ist er nicht akzeptabel.“ Das fördert zusätzlich Unsicherheiten, denn die Jeans räumt nicht nur Geschlechterrollen aus dem Weg, sondern schließt auch aus, was nicht passt.

          Das haben die Indie-Ikonen bemerkt. Heute tragen sie Schlaghosen, Hawaii- oder Vintagehemden aus den Siebzigern – und die Rebellion, die sie verkörperten, wurde so dünn wie der Abstand zwischen Skinny Jeans und den zwei Fingern zwischen Hosenbund und Bauch.

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