Eine Scheune für alle
Von JUDITH LEMBKE (Text) und DANIEL PILAR (Fotos)18. Juni 2021 · In einer Patchworkfamilie ist immer Bewegung. Eine Familie aus Hannover hat ein Holzhaus gebaut, das sich dem Wandel anpasst.
Everloh ist nur wenige Kilometer hinter der hannoverschen Stadtgrenze
und trotzdem kein Vorort, sondern ein Dorf. Vielleicht hat das mit dem
Benther Berg zu tun, der entschieden die Grenze zwischen Stadt und Land
zieht. Vielleicht liegt es an den alten Fachwerkhöfen oder dem weiten
Blick über die Felder, hinter denen sich nur der Wald erhebt. Bestimmt
liegt es an der Kindergruppe, die dem Besucher auf Rollern, Fahr- und
Laufrädern entgegensaust und sich so frei auf Straße, Feld und im Wald
bewegt, wie es nur auf dem Land möglich ist.
Ihr
inoffizielles Hauptquartier hat die Rollerbande im Garten der
Wohnscheune bezogen. Inmitten neuer Fachwerkhäuser steht das Holzhaus
mit einer Selbstverständlichkeit, als habe es schon immer dort gestanden
und früher als Lager für die umliegenden Häuser gedient, bis es zum
Wohnhaus einer Patchworkfamilie wurde.
Dass die Nachbarskinder hier spielen, ist kein Zufall. Im Garten hinter dem Haus lockt ein großer Sandberg, ein Überbleibsel der Baustelle, die Kinder zum Buddeln. Und anstatt eines eingezäunten Vorgartens wie bei den Nachbarn hebt ein gepflasterter Platz vor dem Haus die Grenze zwischen Grundstück und Straße auf.
Der Vorplatz sagt viel darüber aus, woher die Bewohner des Hauses kommen und wie sie sich das Leben auf dem Land vorstellen. „Ich hatte zuerst Sorge, dass ich das quirlige Stadtleben vermisse. Mit dem Platz wollten wir einen halböffentlichen Treffpunkt fürs Dorf schaffen“, sagt Anna Laging. Bis zum Umzug nach Everloh vor drei Jahren hatten sie und Jonas Kimpflinger in einer Altbauwohnung in Hannover Linden gewohnt, einem Viertel mit vielen Kneipen und Geschäften.
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