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FAZ Storytelling

Das können Sie sich schenken

Das Getümmel des Weihnachtsgeschäfts ist längst in vollem Gange, die Lage erscheint unübersichtlicher denn je. Eine erste kleine Auswahl technischer Geschenke ist hier ohne Anspruch auf Vollständigkeit versammelt.



Aufnahmegerät für Bessersprecher

Foto Hersteller

Ein Diktiergerät für 600 Euro? Da muss man schon etwas zu sagen haben, lautet der erste Einwand. Aber wenn man das DPM 8000 von Philips einige Zeit in der Hand gehalten hat, erkennt man sofort: Es lohnt sich. Design, Anmutung und Verarbeitungsqualität überzeugen. Auch die inneren Werte stimmen: Beim Display setzt Philips auf clevere Licht- und Bewegungssensoren, die eine automatische Dimmung in Gang setzen. Der Clou: Das Gerät ist sofort wieder betriebsbereit, sobald man es anfasst oder bewegt. Im Ruhemodus hält nach Angaben von Philips der Lithium-Ionen-Akku rund ein halbes Jahr durch. Wer kontinuierlich diktiert oder aufnimmt, darf mit Laufzeiten von bis zu 24 Stunden rechnen.

Die Bewegungssensoren setzt Philips auch für ein zweites Extra ein: Legt man das Diktiergerät auf den Tisch, ändert sich einstellbar und automatisch die Charakteristik und Empfindlichkeit der eingebauten Mikrofone, sie nehmen dann über 360 Grad aus jeder Richtung auf. So lässt sich das Gerät zwischendurch ablegen, um beispielsweise während des Diktats beidhändig in Unterlagen zu blättern. Ferner kann man Konferenzen aufzeichnen, denn Philips bietet außer dem Diktierformat DSS auch MP3 und unkomprimiertes PCM an. So ist das DPM 8000 ein überaus feines Gerät für Technikverliebte, die jedes einzelne Detail zu schätzen wissen. misp.

Exklusive Ansichtssache

Nein, dieser schlichte Fotografica-Pen von SC. Lucht & Probst ist keineswegs einer dieser Stifte, in die eine billige Digitalkamera eingebaut ist und die lächerlicherweise vorgeben, Spionagewerkzeuge aus dem Labor von Q und Konsorten zu sein. Stattdessen handelt es sich bei dem dezent eleganten Stück um einen in Deutschland in Handarbeit und mit einer Auflage von 500 Exemplaren hergestellten, 275 Euro kostenden Drehkugelschreiber.

Foto Stephan Lucht

Foto Stephan Lucht

In Haptik, Material und Form wurde er an historische Kameras angelehnt gestaltet. So hat der Schaft oberhalb der Spitze aus mattem Magnesium eine Oberfläche, die an die Vulkanit-"Belederung" antiquarischer Kameras erinnert. Der Clip hat einen Schwung ähnlich einem Filmtransport- und Spannhebel und trägt ein kleines Kamera-Piktogramm. Und der Drehgriff sieht einem Rückspulknopf einer älteren Leica mit seiner Diamantierung zum Verwechseln ähnlich. Den Knopf kann man abziehen, um durch ihn hindurchguckend hinter einer 2-Millimeter-Linse einen Stanhope zu entdecken. Mitte des 19. Jahrhunderts hat René Dagron diese "Bijoux photo-microscopiques" (Mikrofotoschmuck) erfunden: Quadratmillimeter kleine Durchlicht-Bilder hinter einem modifizierten Stanhope-Objektiv dienten als Verzierung von Souvenirringen, aber auch von Violinbogen. Im Fotografica-Pen sind es französische Städtemotive aus den fünfziger Jahren, 23 verschiedene Motive und, wie der Anbieter sagt, die 500 letzten Stanhope-Bilder überhaupt. Daher auch die Limitierung auf diese Zahl.

Lensbaby macht dir die Holga

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Nichts für Linienpaarzähler, Artefaktejäger und immer in die Ecke schielende Randschärfe-Fetischisten ist diese Optik. Der Composer Pro MIL mit Tilt Transformer von Lensbaby ist aber auch kein "Flaschenboden" und keine "Matschlinse", um mal nur zwei saloppe Begriffe für schlechte Foto-Objektive zu gebrauchen. Die zahlreichen Lensbaby-Modelle sind ernstzunehmende Kreativwerkzeuge für alle, die gern mit ungewöhnlichen Perspektiven, vor allem aber mit Schärfe und Unschärfe in ihren Bildern spielen. Den abgebildeten Composer Pro gibt es nun auch für das Micro-Four-Thirds-Bajonett (Olympus Pen und OM-D, Panasonic Lumix G) sowie für Sony NEX und Samsung NX. Tubus, Drehgelenk und die Mechanik fürs manuelle Scharfstellen sind aus Metall gefertigt. Mit schön weichem Gang lassen sich Neigung und Fokus verstellen, um die Lage des "Sweet Spot" genau zu bestimmen. Dass manche Kameras rechnerisch ähnliche Unschärfeeffekte ins Bild zaubern können, tut nichts zur Sache: Der Composer kann es viel, viel besser. Etwas Vorsicht mit Blick auf den Preis: Wie bei vielen fotografischen Spezialitäten variieren die erheblich. Mit rund 190 Euro besonders günstig war der Lensbaby-Shop im Internet. py.

Buntes fürs Handgelenk

Wie lange hat das gedauert, bis die Pebble Smartwatch auch nach Deutschland durfte? Es waren fast zwei Jahre, weil der deutsche Zoll in einer weltweit einzigartigen Posse aufgrund angeblich fehlender Warnhinweise in der Bedienungsanleitung den Import verhinderte. Nun ist die bunte und intelligente Uhr in deutschen Landen angekommen, und sie hat den meisten anderen Rivalen eins voraus: Sie arbeitet mit fast allen Smartphone-Betriebssystemen zusammen; man ist also nicht an ein Telefon gebunden wie bei den schicken Modellen von Samsung und demnächst auch von Apple.

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Neben dem hier gezeigten Basismodell im Plastikgehäuse gibt es eine jüngere und teurere Pebble Steel mit Edelstahleinfassung. Beide verwenden eine E-Paper-Anzeige, wie sie auch die E-Book-Lesegeräte nutzen. Der Vorteil: Ihr Akku hält bis zu eine Woche durch, und wegen des Verzichts auf einen Touchscreen sind die beiden Modelle schlanker und leichter als ihre Smartwatch-Brüder. Die Pebble informiert mit Vibration über Nachrichten, eingehende Anrufe, Termine, Facebook-Meldungen, Twitter und Wetterwarnungen. Telefonieren kann man mit ihr nicht, aber das geht mit den Android-Modellen ebenfalls nicht. Wer sich dennoch für Android und beispielsweise für die schicke Motorola 360 oder LG G Watch R entscheidet, sollte wissen, dass der Akku jeden Abend geladen werden muss. Diese Modelle können dann allerdings auch den Fitness-Tracker am Handgelenk ersetzen, denn sie zählen Schritte oder protokollieren einzelne sportliche Aktivtitäten. Die klugen Uhren sollen das nächste große Ding werden, und im neuen Jahr darf man sich auf Dutzende weiterer Modelle freuen. Die günstige Pebble (von 130 Euro an) ist ein Einstieg ohne Reue. misp.

Analog-digitaler Schlüsselanhänger

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Es soll ja Menschen, natürlich Männer, geben, die es fertigbringen, ihr Handy nicht einzustecken, wenn sie daheim aufbrechen. Aber sogar solch Kopflose denken an ihre Schlüssel. Umgekehrt: Wer sein Smartphone einsteckt, hat auch seine Daten dabei. Aber wer wieder mal bloß seine Schlüssel eingesteckt hat? Der kann seine Daten am Schlüsselbund dabei haben - in Gestalt des noch nicht einmal sechs Zentimeter kleinen Schweizer Taschenmessers Victorinox @work (etwa 40 Euro). Das hat zwar weder Kapselheber noch Korkenzieher, aber zur 33-Milimeter-Klinge, dem 3-Millimeter-Flachschlitz-Schraubendreher samt Nagelfeile sowie Schere, Pinzette und Kugelschreiber einen USB-Stick mit 32 Gigabyte Kapazität. Gut, es ist nur USB 2.0 (Schreibgeschwindigkeit bis 23 MB/s, Lesegeschwindigkeit bis 30 MB/s), aber dank des Schlüsselrings kann man seine Daten bei sich statt in der Cloud haben. Wenn man selbst in die Wolken aufbricht und am Flughafen das Messerchen abgenommen bekommt, sind die Daten weg? Nein, das Victorinox geht hopps, der Stick ist - auch beim Arbeiten praktisch - abnehmbar. py.

Es muss nicht immer GoPro sein

Wer zur Brille Fielmann sagt und Tempo zum Taschentuch, der hält GoPro womöglich auch für einen Gattungsnamen. Inzwischen gibt es ja Action-Cams wie Sand am Meer, so viele, dass sich der amerikanische Marktführer gezwungen sah, dem 4k-Topmodell GoPro Hero 4 eine Billigvariante folgen zu lassen, die einfach bloß Hero heißt. Etliche Wettbewerber haben das Kästchen von GoPro getreulich kopiert, andere haben sich bei dem "Taschenlampe-oder-Kamcorder?"-Design von Sony angelehnt.

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Nicht so Ricoh: Die in den Farben Orangemetallic und Schwarz zu habende WG-M1 sieht auf den ersten Blick wie eine klingonische Rettungskapsel aus. Ohne zusätzliches Gehäuse ist die 190-Gramm-Cam bis zehn Meter Tiefe wasserdicht. Stürze bis aus zwei Meter Höhe und 10 Grad Celsius minus sind erlaubt. Sie hat W-Lan-Modul und HDMI-Anschluss. Das Objektiv entspricht einer 17-mm-Kleinbildbrennweite; der Bildwinkel lässt sich verringern. Ihr 1/2,3-Zoll-Sensor liefert 14 Megapixel große Bilder und Full-HD-Video (1920 × 1080 bei 30 B/s) mit Zeitlupe und -raffer. Das Bedienkonzept - seitlich große Tasten, oben ein 1,5-Zoll-Monitor. Es gibt viele Befestigungsvarianten. Und mit rund 220 Euro stimmt auch der Preis. py.

Schönheiten für die Jackentasche

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Welches Smartphone zum Fest darf es sein? Wer der Mehrheit folgt, nimmt natürlich das iPhone 6 oder seinen größeren Bruder 6 Plus. Mit beiden Geräten macht man nichts verkehrt. Das 6 Plus passt zwar nicht mehr in die Hosentasche, überzeugt aber mit seiner verblüffend langen Akkulaufzeit nicht nur den Vieltelefonierer, sondern auch die Always-on-Generation. Ist eher die Geschmacksrichtung Google gefragt, sollte man einen Blick auf das Nexus 6 werfen, das sich derzeit allerdings nur vorbestellen lässt. Die ersten Testurteile fallen gut aus. Verfügbar, günstig und uneingeschränkt empfehlenswert sind zwei Modelle des chinesischen Herstellers Huawei: Das Ascend Mate 7 spielt ebenfalls in der 6-Zoll-Liga der besonders großen Geräte, das Ascend P7 bleibt bei 5 Zoll im gewohnten Rahmen. Beide arbeiten mit dem Google-Betriebssystem, das nur dezent verändert wurde und von der Optik her manche Anleihe bei Apple macht. Beide bringen eine sehr ordentliche Kamera mit und sind bestens verarbeitet. Der Star des Jahres ist indes der Blackberry Passport, rechts im Bild. Das Smartphone mit quadratischem Bildschirm richtet sich an Kenner und Könner, welche die Stärken des kanadischen Herstellers zu schätzen wissen: Sicherheit und Offenheit sind hier kein Gegensatz, und der Passport ist Innovation pur: etwa mit der Doppeltastatur aus Hard- und Software, wobei die untere Fläche zugleich ein Touchpad ist. Von den alten Blackberry-Tugenden wurde der Hub übernommen, der alles in allen Konten und Netzen auf einen Blick zeigt. Nur lässt sich der Passport nicht einhändig bedienen. Wer darauf wert legt, darf sich den 17. Dezember vormerken. Dann wird der kleinere Blackberry Classic in Frankfurt offiziell vorgestellt. misp.

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Quelle: F.A.Z.

Veröffentlicht: 15.12.2014 09:07 Uhr