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Oh Tannenholz : Wie vier Kölner Designer Möbel aus Weißtannen entwerfen

  • -Aktualisiert am

Weißtannen sind härter als Fichte oder Kiefer und ihr Holz ist heller. (Archivbild) Bild: dpa

Was passiert, wenn sich vier junge Designer vornehmen, Möbel ausschließlich aus „blondem“ Tannenholz zu entwerfen?

          2 Min.

          Wie entsteht gutes Design? Durch Beschränkung. Zu viel Freiheit ist oft gar nicht hilfreich. Meistens entwickeln sich originelle Ideen und innovative Konzepte, wenn Gestalter mit unabänderlichen Bedingungen konfrontiert sind. Notfalls können sie sich die Bedingungen für ein Projekt auch selbst diktieren. Möbel ausschließlich aus Holz zu entwerfen beispielsweise. Genauer: ausschließlich aus dem Holz der Weißtanne.

          Konzipiert und produziert ausschließlich mit einer Gruppe von Handwerkern im Bregenzerwald, mit deren Wissen, Techniken und Maschinen. Dieses kleine bilaterale Designabenteuer haben vier Kölner gewagt, die Ergebnisse waren unter dem Titel „Generation Köln trifft Werkraum Bregenzerwald“ während der Kölner Möbelmesse zu sehen.

          Karoline Fesser, Tim Kerp, Thomas Schnur und Klemens Grund zeigten in einer Galerie Tische, Stühle, Bänke, ein Regal, einen Paravent und andere Objekte aus dem unbehandelten Holz des alpinen Nadelbaums. Weißtanne ist härter als Fichte oder Kiefer und auch heller, Klemens Grund nennt die Farbe liebevoll „blond“.

          Aus Wasserbehältnissen: Beistelltisch Trog von Tim Kerp und der Tischlerei Meusburger. Bilderstrecke
          Oh Tannenholz : Möbel aus Weißtanne

          In den weißen Galerieräumen wirkten die Stücke angenehm einfach, klar und ungekünstelt. Doch man täusche sich nicht, der Teufel steckt hier wie so oft buchstäblich im Detail: etwa in der Verspannung, die Klemens Grunds Paravent zusammenhält. Oder in dem beschlagfreien Klappmechanismus von Thomas Schnurs Stuhl Klapp. Viel Entwicklungsarbeit in kurzer Zeit war nötig, um die Holzmöbel auf die Füße zu stellen. Doch mit den Handwerkern aus dem Werkraum Bregenzerwald, einem Zusammenschluss ambitionierter örtlicher Betriebe, hatten sie kompetente und manchmal auch unbequeme Partner, die sich auch auf ungewöhnliche Lösungen einließen.

          Regionale Handwerkstraditionen erforscht

          Während mehrerer Reisen nach Österreich erforschten die vier Designer regionale Handwerks- und Möbeltraditionen - das hat sich in manchen der Objekte offensichtlich niedergeschlagen. Etwa in Tim Kerps Beistelltisch, der die Form und Konstruktion örtlicher Käseformen zum Vorbild hat. Thomas Schnurs lange Bank wiederum ist ein aufs Minimum reduzierter Wiedergänger der Sitzgelegenheiten, die im Bregenzerwald vor den alten Bauernhäusern stehen. Karoline Fesser dagegen brachte ihre Idee schon mit: ein typisches Produkt aus dem Rheinland, die Stadtbank aus Metall, die in ein wohnliches Möbel aus Weißtanne zu übersetzen war.

          Eine selbstgestellte Aufgabe, aus der schließlich eine ganze Kollektion mit Tisch, Loungechair und einem Schrank erwuchs, die alle die charakteristische Rundung der Lehne wiederholen. Und mit der Ausstellung ist das Designabenteuer noch längst nicht vorbei: Auf Bestellung fertigen die beteiligten Handwerksbetriebe einige der Möbel einzeln oder in Kleinserien an, die Verkaufspreise werden gerade kalkuliert. Weißtannenholz ist reichlich vorhanden, und so ein regional produziertes Stück guten Designs ist allemal nachhaltiger und langlebiger als ein xbeliebiges Teil aus einem Onlineshop.

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