Wem gehört die Straße?
Von LEONIE FEUERBACH7. August 2020 · Soll Frankfurts nördliches Mainufer für Autos gesperrt bleiben? Ein Unternehmensberater streitet darüber mit einem Ortsvorsteher. Ihre Fehde zeigt, warum die Verkehrswende so schleppend vorangeht.
Oliver Strank sitzt auf der Bühne im Haus am Dom, braungebrannt, glattrasiert, eng geschnittener Anzug, und legt schon bei der Eröffnung Pathos in die Stimme: Es sei ein lang gehegter, tiefer Wunsch der Frankfurter, ein autofreies Mainufer zu haben. Ein neues Lebensgefühl habe sich dort eingestellt, es gebe Platz und Luft zum Atmen. „Man sieht am Mainkai viele leuchtende Kinderaugen, und für die Kinder brauchen wir ja diese Verkehrswende“, sagt er. Im Publikum schnaubt jemand verächtlich.
Mit dem einundvierzigjährigen Rechtsanwalt sitzt Herbert Schmoll auf dem Podium, ein 68 Jahre alter Unternehmensberater mit vollem grauem Haar. In seiner Stimme liegt Empörung: „Die Sperrung der Ost-West-Achse am Main hat Chaos im Rest der Stadt verursacht. Es kann nicht sein, dass nur eine Straße profitiert und der Rest der Stadt leidet.“ Die Gäste beim Bürgerforum „Gesperrter Mainkai – viel Lärm um die neue Ruhe“ der „Frankfurter Neuen Presse“ lachen teils höhnisch oder schütteln heftig den Kopf, ein Radaktivist mit weißem Lockenschopf ruft jedes Mal „Öffnung!“, wenn von der Sperrung der Straße die Rede ist – schließlich sei sie jetzt für Fußgänger und Radler offen. Die Fronten sind verhärtet in Frankfurt.
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