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Um 8% dürfte das Bruttoinlandsprodukt Hessens im gesamten Jahr 2020 sinken, so prognostiziert es die Landesbank Helaba. Im Juni war sie noch von einem Verlust von rund fünf Prozent ausgegangen. Prozent

Eine Krise, die jeden völlig anders trifft

Von FALK HEUNEMANN

28. August 2020 · Seit fast einem halben Jahr kämpft die Wirtschaft mit den Folgen von Corona. Die Daten zeigen, wie die Wirtschaft leidet und wie sich das Virus auf das Alltagsleben ausgewirkt hat.

Der Chef des Bad Vilbeler Pharmaherstellers Stada berichtet von steigenden Umsätzen. Die Karstadt-Mitarbeiterin aus Frankfurt aber sagt, sie verliere nach 27 Jahren ihre Stelle. Die Inhaberin eines Fernreisenbüros fragt sich, ob sie je wieder Flüge nach Asien vermitteln kann. Im Luftfrachtbereich des Flughafens wiederum staunen die Mitarbeiter über volle Hallen. Der Handtaschenhersteller Picard meldet nach 92 Jahren Insolvenz an. Opel schickt Tausende in die Kurzarbeit und verkündet einen Gewinn. Der Samson-Chef ist erschüttert über Mitarbeiter in Norditalien, die Angehörige verloren haben. Die Lehrerin hingegen schwärmt vom Homeoffice. Eine Vermieterin aus dem Taunus sagt, sie spüre kein Corona.

Wie fühlt sich die Krise an? Spätestens nachdem am 28. Februar der erste Corona-Fall in Rhein-Main entdeckt wurde, fehlt diese Frage in keinem Gespräch. Doch jedes Mal gibt es eine andere Antwort. Denn für jeden ist die Krise anders. Auch die ökonomischen Daten ergeben kein einheitliches Bild. In ganz Deutschland ist das Bruttoinlandsprodukt im ersten Halbjahr um mehr als elf Prozent gesunken; so stark wie selbst in der Finanzkrise 2008/09 nicht. Doch das sagt wenig darüber aus, wie groß das Ausmaß der Krise wirklich ist. Konkreter wirkt der Arbeitsmarkt, dort aber ist von einem großen Wirtschaftseinbruch wenig zu spüren. 51.100 mehr Arbeitslose als noch vor einem Jahr gibt es in Hessen, die Arbeitslosenquote bleibt unter sechs Prozent. Damit ist Hessen zwar wieder deutlich von der Vollbeschäftigung entfernt – was zuvor in vielen Kreisen faktisch erreicht war. Aber ebenso weit entfernt ist Hessen auch von einer Massenarbeitslosigkeit wie in den achtziger Jahren oder Zuständen wie in den Vereinigten Staaten, wo sich allein im April 22 Millionen Amerikaner arbeitssuchend meldeten. Und auch die Zahl der Firmeninsolvenzen erscheint auf den ersten Blick wenig dramatisch: Im Mai waren es in Hessen nur zehn Prozent mehr als 2019.

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