Start einer atomwaffenfähigen ballistischen Rakete vom Typ Trident II von einem britischen U-Boot.Foto: dpa, Lockheed Martin
Lehren aus der Nuklearstrategie

Die Bombe teilt man nicht

Nikolas Busse
20. März 2024 · Die Nuklearstrategie lehrt, dass sich Habenichtse wie Deutschland nie ganz sicher fühlen können. Dass uns Großbritannien und Frankreich einen neuen Schutzschirm bieten könnten, ist nicht gesagt.

Das heutige Bild von Atomwaffen ist immer noch stark von Hiroshima und Nagasaki geprägt. Die Zerstörung der beiden japanischen Großstädte am Ende des Zweiten Weltkriegs hat in der breiten Öffentlichkeit die Vorstellung verankert, dass Atomwaffen primär auf zivile Ziele gerichtet seien und dort Abertausende Opfer hervorrufen würden. Der russische Präsident Wladimir Putin hat versucht, diese Ängste direkt anzusprechen, als er 2022 in einer Rede zur Annexion der eroberten Gebiete in der Ukraine an die beiden Städte erinnerte. Immer wieder versucht er, den Westen mit nuklearen Drohgebärden von einem Eingreifen in den Krieg abzuhalten.

Ein 1960 vom US-amerikanischen Verteidigungsministerium freigegebenes Foto zeigt die Atombombe „Little Boy“. Foto: AP

Der Abwurf der beiden US-Atombomben Little Boy und Fat Man im August 1945 blieb allerdings eine Ausnahme in der bald achtzigjährigen Geschichte dieser Waffen. Es gab bis heute keinen weiteren Einsatz von Atombomben. Vor allem im Kalten Krieg änderte sich ihre Rolle: Sie wurden immer weniger als Waffen gesehen, die man tatsächlich in einem Krieg einsetzen könnte. Stattdessen wurden sie zu einem Grundpfeiler der Abschreckung. Sie sollten einen potentiellen Gegner von einem Angriff abhalten.

Das lag an der historischen Entwicklung, die den Amerikanern den Vorteil nahm, dass sie die einzige Atommacht waren. Weder Japan noch irgendein anderes Land konnte 1945 nukleare Vergeltung üben oder androhen, weil nur die Vereinigten Staaten erfolgreich Kernwaffen entwickelt hatten. Damals sah man den Angriff auf Hiroshima und Nagasaki als Fortsetzung des Luftkrieges, mit dem die Alliierten schon in Europa ihren Gegner zermürbt hatten. Der Abwurf von zwei Bomben mit einer bis dahin nie gesehenen Zerstörungskraft erreichte so viel wie zuvor der Einsatz großer konventioneller Bomberflotten über deutschen Städten. Aus militärischer Sicht waren die neuen Waffen ein effizientes Mittel, um Japan zur Kapitulation zu bringen und den Zweiten Weltkrieg schneller zu beenden. Präsident Harry S. Truman rechtfertigte den Einsatz später damit, dass eine Invasion Japans vermieden werden konnte, die eine halbe Million amerikanische Soldaten das Leben gekostet hätte.

Eine Luftaufnahme von Hiroshima, Japan, kurz nach dem Abwurf der Atombombe „Little Boy“ am 6. August 1945.Foto: picture alliance/United Archives
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