„Die Politik moderiert uns weg“
Der Saale-Holzland-Kreis liegt weit im Osten Deutschlands. In Crossen an der Elster macht er nicht den Eindruck einer abgelegenen Gegend. Die Autobahnen 4 und 9 sind nicht fern, nach Gera sind es zwanzig, nach Jena vierzig Minuten, auch einen eigenen Bahnhof hat die Gemeinde. Ländlich ist es hier, gerade werden die Äpfel der Streuobstwiesen mit Anhängern zur örtlichen Mosterei gegenüber der Kirche St. Michael gefahren. In einem Informationskasten in der Ortsmitte wird die Aktion „Crossen sucht die Super-Sülze“ bekannt gegeben. Der Ort wirkt gut in Schuss, auch wenn es im „Weißen Roß“ derzeit nur noch Hotelbetrieb gibt, der Gasthof ist geschlossen.
An der Hauptstraße sticht das frisch renovierte und verputzte Klubhaus Crossen hervor, Vereine nutzen es, es gibt Angebote für Jugendliche. Die etwas außerhalb gelegene Grundschule hingegen fällt aus dem Rahmen. Hier dominiert der bräunliche Zementputz, der so viele repräsentative Gebäude in Ostdeutschland prägte. In Crossen blättert er stellenweise schon ab.
Mangelverwaltung über Jahre hinweg
Die 1953 erbaute Schule – Natursteinsockel, sparsame Gesimse, klare Fensterfronten – steht als selten gewordenes Beispiel früher DDR-Architektur ebenso unter Denkmalschutz wie das Schloss in Crossen, in welchem bis in die Neunziger hinein ein Lehrerseminar untergebracht war. Nach zahlreichen Besitzerwechseln wirkt letzteres heute von außen etwas verfallen, im Inneren birgt es einen wahren Schatz: ein Saalgebäude, geschmückt mit der beeindruckendsten barocken Illusionsmalerei Thüringens. Es gehört seit einigen Jahren wieder der Gemeinde, die dringend einen Betreiber sucht.





