Bullerbü in der Hochhaussiedlung
In wenigen Minuten gelangt man von der Hamburger Innenstadt mit der S-Bahn auf Europas größte Flussinsel. Industrie- und Hafenbauten ziehen vorüber, dann kommt der Bahnhof in Wilhelmsburg, einem Stadtteil, dem für die nächsten Jahre ein sehr starkes Wachstum vorausgesagt wird. Im Bus nach Kirchdorf-Süd wird es zuerst immer kleinstädtischer, dann grasen Kühe auf ausladenden Weiden, schließlich taucht hinter hohen Bäumen eine Hochhaussiedlung auf.
Westlich davon das alte Kirchdorf, eine fast dörfliche Idylle mit Kleingartenverein, der jahrhundertealten Kreuzkirche, einem Schulgebäude von 1692 und einem schlossartigen Amtshaus. Das glatte Gegenteil im neuen Kirchdorf auf der anderen Seite der Otto-Brenner-Straße: vierzehnstöckige Hochhäuser aus den Siebzigerjahren fassen einen zentralen Platz mit Flachbaumoschee, Apotheke, Café und ein paar kleinen Läden ein.
Es ist einer der heißesten Tage des Jahres, Anwohner sitzen im Schatten der hohen eingewachsenen Bäume, die Bürgersteige sind leer. Die Siedlung, umringt von sozialen und kulturellen Einrichtungen wie dem Kinderbauernhof, einem Bauspielplatz, dem Mädchentreff und dem Freizeithaus, wirkt in sich geschlossen, erstaunlich grün. Kaum zu glauben: Mehr als 6000 Menschen leben hier auf weniger als einem halben Quadratkilometer.
Lächelnde Gesichter, unaufgeregte Pädagogen
Die „Schule An der Burgweide“, erbaut für die Kinder der Hochhaussiedlung, wurde dieser Tage 50 Jahre alt. Die unterschiedlich hohen Flachdachgebäude liegen auf der Nordseite der Siedlung zwischen einem Jugendzentrum, einem Trailerpark für Geflüchtete und einem hinter Baumreihen verborgenen Autobahnrastplatz. Von der A 1, die sich vor dem Dreieck Norderelbe gerne staut, hört man erstaunlicherweise kaum etwas.
Die gelb, orange und rot angestrichenen, zum Teil mit Wellblech verblendeten Gebäudeteile der Burgweide-Schule, die als Logo eine Burg mit offenen Toren trägt, ist von kleinen Entwässerungsgräben und Bäumen fast komplett eingefasst – eine abgeschottete Insel auf der Elbinsel, die an diesem sonnigen Tag Assoziationen zu einem Campingplatz oder einer Kurklinik weckt, was auch an der entspannten Atmosphäre liegen mag, die auf dem dezentral organisierten Gelände spürbar ist. Auf dem vorderen Schulhof ist gerade eine übermütige Wasserschlacht im Gange, unaufgeregte Lehrkräfte auf den Gehwegen, man sieht viele lächelnde Gesichter. Auch hier wirkt alles wie eingewachsen.
Knapp einzügig und kurz vor der Schließung
Im bescheidenen Schulleitungszimmer sitzen Regine Seemann, seit 1998 an „der Burgweide“, seit 2003 Rektorin, und Daniela Quidas-Heer, die für Förderkoordination und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Hinter den Zahlen, die beide zum Beginn des Gesprächs zusammentragen, verbirgt sich eine ungewöhnliche Erfolgsgeschichte.
Zum Ende des Schuljahrs 2024/25 werden an der Burgweide-Schule rund 400 Schüler mit 30 verschiedenen Erstsprachen unterrichtet, etwa 60 Prozent haben einen Migrationshintergrund, viele Familien kommen aus der Türkei, Albanien, arabischen und afrikanischen Ländern, auch Sinti und Roma sind stark vertreten. Etwa 20 Prozent der Schüler haben einen sonderpädagogischen Förderbedarf, auffällig, dass die Zahl autistischer Kinder in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Personell ist die Schule mit 90 Stammlehrkräften – mehr als die Hälfte in Vollzeit –, darunter 25 Sonderpädagogen, sehr gut ausgestattet, wie Regine Seemann sagt, etwa zwei Dutzend Honorarkräfte kommen hinzu. Viele sind seit Jahren und Jahrzehnten hier, Wechsel sind selten an der Burgweide-Schule, ein Drittel des Kollegiums ist männlich.
Regine Seemann, freundlich zurückhaltend, fast druckreif sprechend, erinnert sich an die frühen Jahre in Kirchdorf-Süd. Es sei eine schwierige Zeit gewesen: Während die Schule, die früher „Grundschule Karl-Arnold-Ring 13“ hieß, von Anbeginn offene, individuelle Lernkonzepte vertrat, stießen diese bei den Eltern in der Siedlung zum Teil auf Unverständnis. Die Schule hatte einen schlechten Ruf, der sich hartnäckig hielt.
Über die Siedlung hinaus war es nicht besser, hier galt die Burgweide, eine der ersten integrativen Regelschulen Hamburgs, als eine „für die Doofen“, da schickten die Landwirte ihre Kinder nicht hin. Vor etwa zehn Jahren war die Grundschule nur noch knapp einzügig und stand kurz vor der Schließung.
Von der Inselflucht zu multiprofessionellen Teams
Die Burgweide war nicht die einzige Schule im Stadtteil Wilhelmsburg, die mit schwierigen Rahmenbedingungen zu kämpfen hatte und sich gegenüber dem nördlichen Hamburg zurückgesetzt fühlte. Zwar war von der Schulbehörde um das Jahr 2008 eine Bildungsoffensive für die Elbinseln ausgerufen worden, doch die Maßnahmen verpufften aus Sicht der Schulleiter. Im Jahr 2012, die Internationale Bauausstellung (IBA) stand auf der Elbinsel vor dem Abschluss, die Internationale Gartenschau (IGS) vor der Tür, schickten sie der obersten Schulbehörde einen geharnischten Brief, den sogenannten „Deichbruch-Brief“, in dem sie unter anderem beklagten, dass viele Kinder auf der Insel in ihrer Entwicklung bis zu zwei Jahre hinter dem Schnitt aller Hamburger Grundschüler lägen. Es gebe eine „Kumulation von Problemlagen“, die zu einer Überlastung der Lehrkräfte geführt habe. Bei den weiterführenden Schulen sei eine regelrechte „Inselflucht“ der Schüler zu beobachten.
Gefordert wurde eine „regionale/lokale Bildungspolitik“ mit größeren „Entscheidungsfreiräumen“, Ressourcen sollten sich, so die Schulleiter, nach sozialen Indikatoren richten. Im Unterricht seien „Doppelbesetzungen“ von Lehrern und Sozialpädagogen nötig.
Nachdem das Schreiben auch an die Presse durchgestochen worden war, reagierte die Schulbehörde zupackend und rief die – inzwischen im Startchancenprogramm aufgegangene – Initiative „23+“ für Schulen in „herausfordernder sozialer Lage“ ins Leben. Deren personelle Ausstattung wurde stark verbessert, multiprofessionelle Teams wurden auf den Weg gebracht und durch gezielte Beratungs- und Fortbildungsangebote ergänzt.
Für die unverdrossen innovationsbereite Burgweide-Schule begann ein Aufschwung – der sich allerdings auch einer Reihe von außerschulischen Anstößen verdankte.
Plötzlich war die Burgweide der „Place to be“
Seit 1993 war man in Kirchdorf-Süd Inklusionsschule, seit 2007 schon Ganztagsschule, 2011 hatte man als eine von nur vier Hamburger Bildungseinrichtungen an dem Schulversuch „Längeres Gemeinsames Lernen“ teilgenommen, der in jahrgangsübergreifenden Unterricht von der Vorschule bis zur sechsten Klasse überging. Die Wertschätzung der Anwohner angesichts solcher Experimentierfreude hielt sich in Grenzen.
Doch dann kamen im Zuge der Neubauinitiativen rund um die IBA immer mehr bildungsnahe Familien nach Wilhelmsburg, und diese fanden die fortschrittlichen pädagogischen Konzepte der Burgweide gerade gut. Vielen war sogar der Inklusionsaspekt wichtig, sagt Regine Seemann. Die Schülerzahlen nahmen zu, ein Sog entstand, der, so erklärt sie es, auch auf die Familien aus den Hochhäusern abfärbte. 2018 gelangte die Burgweide unter die letzten 20 beim Deutschen Schulpreis, ein Jahr später gewann sie den Jakob-Muth-Preis für inklusive Schulen.
Plötzlich war die Burgweide-Schule der „Place to be“, sagt Regine Seemann, der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund fiel von etwa 80 auf 60 Prozent. Die Schülerzahl stieg allein in den letzten sechs Jahren um 150, zum Teil nehmen Eltern für ihre Kinder lange Schulwege in Kauf, sie kommen aus Rothenburgsort, Harburg oder Finkenwerder. Im nächsten Schuljahr kann die Burgweide, die auf der Shortlist für den Deutschen Schulpreis 2025 steht, erstmals nicht alle Interessierten aufnehmen.
Die Heterogenität in den Klassen wurde gezielt vergrößert
Das Schwierigste sei gewesen, sich in der Zwischenzeit nicht entmutigen zu lassen, sagt Regine Seemann. Mut verlangte wohl vor allem die Entscheidung, die ohnehin durch Inklusion und einen hohen Migrantenanteil vorhandene Heterogenität gezielt durch einen jahrgangsübergreifenden Unterricht für die Stufen 1 bis 3 und 4 bis 6 weiter zu steigern – wobei dieses Konzept erst durch den Zuzug bildungsnaher Familien, wie Regine Seemann sagt, seine größte Profitabilität erreichen konnte.
In den Lerngruppen der Burgweide-Schule ist ein Sonderpädagoge inzwischen Teil der Klassenleitung, unterrichtet wird oft in Dreier- und sogar Viererteams, unter Mithilfe von Erziehern.
Ihr sei klar gewesen, dass man die für jahrgangsübergreifenden Unterricht und Inklusion schädliche Tendenz, sich mit Mitschülern zu vergleichen, nur dadurch verhindern konnte, dass man größtmögliche Heterogenität erzeugte, sagt Regine Seemann. Ein günstiger Nebeneffekt: Als Schule hat man unter diesen Voraussetzungen dann fast keine andere Möglichkeit mehr, als jeden einzelnen Schüler individuell zu fördern. Wobei dieses Konzept nur aufgehe, so die Schulleiterin, wenn man auf Lehrkräfte zurückgreifen könne, die in das System passen. Vorteilhaft in Hamburg kam hinzu, dass die Klassengrößen an Schulen in sozial fordernden Lagen auf 19 Schüler begrenzt sind. Zudem ist der Ganztag in Hamburg bereits an allen öffentlichen Schulen umgesetzt.
Ein neuer Aufkleber auf der Lernlandkarte
Der Übergang zum jahrgangsübergreifenden Unterricht sei herausfordernd gewesen, sagt Regine Seemann, bringe jetzt aber fast nur Vorteile. Kinder, die noch nicht so gut Deutsch sprechen, hätten durch ältere Mitschüler aus den Stufen 2 und 3 von Anfang an Sprachvorbilder in ihrer nächsten Umgebung. Die Größeren werden darüber hinaus als Mentoren eingesetzt, was gerade in der Eingewöhnungsphase zu einem erheblichen Stressabbau bei den Kleineren führe, sagt Daniela Quidas-Heer.
Klassenwiederholungen bleiben den Kindern erspart, am Leitfaden einer individuellen „Lernlandkarte“, die in späteren Jahren durch einen „Organizer“ abgelöst wird, machen sie Bildungsfortschritte in ihrem eigenen Tempo. Ist eine angestrebte Verbesserung erreicht und geprüft worden, darf das Kind einen Aufkleber auf der Lernlandkarte hinterlassen – diese kann mit der Zeit mehrere Meter lang werden. „Das ist eine enorme Motivation für die Kinder“, sagt Daniela Quidas-Heer.
Während die Hauptfächer Deutsch, Mathe und Englisch in sogenannten „Lernbüro“-Einheiten vermittelt werden, herrscht in den Nebenfächern Projektunterricht vor. Für besonders begabte Kinder gibt es eine spezielle Förderung, die sich „Burgweide-Campus“ nennt und zum Beispiel aus einer „digitalen Drehtür“ besteht, die etwa Zugang zu Onlinevorlesungen für Kinder schafft. Noten gibt es nicht an der Burgweide, auf dem Zeugnis wird mit differenzierten Kompetenzskalen gearbeitet.
Aus dem Entwicklungsstand eines Kindes folgt die gezielte Vorschulförderung
Auch an der Burgweide können die Schüler schon nach der vierten Klasse auf eine weiterführende Schule gehen, 90 Prozent aber bleiben bis zur sechsten, wobei die Zahl der Gymnasialempfehlungen zu diesem Zeitpunkt um die Hälfte höher liegt als nach der vierten Klasse. Im aktuellen Abgangsjahrgang der Burgweide haben diese Empfehlung zwanzig Prozent der Schüler erhalten, die Tendenz sei steigend, sagt Regine Seemann. Auch an den Stadtteilschulen, in denen man in Hamburg ebenfalls Abitur machen kann, erlangten viele die Allgemeine Hochschulreife. In Zeiten des „Deichbruch-Briefs“ sei die Zahl verschwindend gering gewesen.
Zentral für den Erfolg aller Schüler ist eine effiziente Sprachförderung. Auch dafür gibt es in Hamburg gute Voraussetzungen. So hat der Stadtstaat ein „Vorstellungsverfahren für Viereinhalbjährige“ entwickelt, bei dem zunächst der Sprachstand und das mathematische Grundverständnis abgefragt werden. Dabei wird auch sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt, es wird mit den Familien gesprochen, gegebenenfalls wird eine Wiedervorstellung vereinbart. Wurde Förderbedarf erkannt, wird ein mehrstündiger Kitaplatz (die Versorgung in Hamburg gilt als sehr gut) oder der Besuch einer Vorschule verpflichtend. Die Burgweide-Schule nimmt sich für dieses Verfahren pro Kind eine knappe Stunde Zeit. Das sei ein „totales Erfolgsmodell“, sagt Daniela Quidas-Heer, sie verstehe nicht, warum andere Bundesländer es nicht übernähmen.
Hinzu kommt in den späteren Jahrgangsstufen eine „additive Sprachförderung“, die an der Burgweide eher spielerisch in der „Mittagsfreizeit“ durchgeführt wird. Für Romanes sprechende Kinder kommt an zwei Tagen der Woche eine eigene Bildungsberaterin an die Burgweide, da bei ihnen oft das Phänomen einer „doppelten Halbsprachigkeit“ festzustellen ist. Auch zwei Flüchtlingsklassen gibt es an der Burgweide, in denen zum Teil erst noch die deutschen Schriftzeichen vermittelt werden müssen.
Wohnliche Spiel- und Lernlabore
Ein Rundgang durch die Schule macht das ganze Ausmaß von Bildungsangeboten an der Burgweide deutlich. Es gibt eine Forschungs- und eine Holzwerkstatt sowie eine Leseburg; ein weiträumiges Atelier mit Blick bis in die Hamburger Innenstadt ist den bildenden Künsten vorbehalten.
Im Rahmen des Programms „Jeki“ lernt jedes Schulkind ein Instrument, wobei die Harfe derzeit das beliebteste ist. Es gibt einen Schulhund, ein Programm zur Gewaltprävention, die Demokratieförderung nimmt einen hohen Stellenwert ein – das entsprechende Vermittlungskonzept ist für einen weiteren Schulpreis nominiert worden. Eltern werden mit Hospitationsangeboten und einer Beratungsstelle an die Schule gebunden.
Jedes Gebäude auf dem Schulgelände trägt den Namen eines Kontinents, die einzelnen Lerngruppen heißen Cotopaxi, Alligatoren, Amazonas oder Alpaka. Zahlreiche Piktogramme hängen an den Eingangstüren, um auch Kindern mit speziellem Förderbedarf die Orientierung zu ermöglichen.
Im Unterricht, den wir zu sehen bekommen, werden mit Vorliebe Kreise gebildet. Zahlreiche Bücher und Materialien stehen in Regalen bereit, es gibt überall Rückzugsflächen. Die Klassenräume wirken wie bunte, wohnliche Spiel- und Lernlabore. Die Vorschulklassen grenzen ebenerdig an einen kleinen Garten, jeden Freitag gehen sie auf Exkursion.
Pädagogische Speerspitze einer wehrhaften Insel
Im Schülerrestaurant wird mittags etappenweise eine frisch zubereitete Mahlzeit in Bio-Qualität serviert, wobei auf Schweinefleisch verzichtet wird. An einem Kiosk, das von Schülern bewirtschaftet wird, werden in den Pausen selbst zubereitete Snacks für wenig Geld angeboten.
Wie schafft man es, bei dieser Angebotsfülle nicht den Überblick zu verlieren? Regine Seemann, die in ihrer Freizeit Regionalkrimis schreibt, fünf sind bereits erschienen, sagt, es gebe noch Lücken im System. So fehle „eine komplette Turnhallenfläche“, und barrierefrei sei die Burgweide-Schule auch nicht, dazu müsste es Fahrstühle geben. Obwohl die Burgweide eine Schwerpunktschule für Inklusion ist, lässt sich ihre Ausstattung nicht mit reinen Förderschulen vergleichen.
Daniela Quidas-Heer ist wichtig hervorzuheben, dass „das hier kein Bullerbü“ sei, am Vortag etwa sei von Unbekannten eine Scheibe auf dem Schulgelände eingeschlagen worden. Nach ihrem Verständnis sei man eher ein gallisches Dorf. Wilhelmsburg sei eine „Insel der Bürgerbeteiligung mit tollem Zusammenhalt“, sie setzt hinzu: „Und wir sind die pädagogische Speerspitze.“
In diesem Punkt ist Regine Seemann leicht anderer Ansicht: „Für mich ist das hier nicht nur ein Lernort, sondern auch ein Lebensraum. Ich finde schon, dass das hier eine Oase des Friedens ist.“
Ausgesprochen schwer fällt es den beiden Pädagoginnen, Kinder mit Förderbedarf, die bei den Schulabschlüssen noch immer benachteiligt seien, nach sechs Jahren in die Ungewissheit ziehen zu lassen. Auch aus diesem Grund planen sie eine Erweiterung der Schule auf 13 Jahre, die erwartbaren Widerstände schrecken sie nicht ab. Um das Schulgelände zu vergrößern und Platz für eine Turnhalle sowie weitere Lerngruppen zu schaffen, haben sie zunächst die alte Hausmeisterwohnung, dann das angrenzende Grundstück im Auge, auf dem sich zur Zeit noch das in Auflösung befindliche Geflüchtetencamp befindet. Eine Supermarktkette hat bereits Interesse angemeldet. Doch die Burgweide-Schule hat andere Pläne. Sobald die letzten Trailer verschwunden sein werden, sollen in einer Aktion Kinderschuhe über den Zaun geworfen werden. So machen die Burgweide und ihre Schüler ihren Anspruch auf das frei werdende Grundstück geltend.
In der Serie „Schulbesuch“ wird in den kommenden Monaten in jedem Bundesland eine Lehranstalt beschrieben, die versucht, bildungspolitische Probleme zu lösen. Zusätzlich werden jeweils Bildungsindikatoren zu den einzelnen Ländern versammelt, zweite Folge – Hamburg:
Das prägt Schulen in Hamburg
Der Bildungsföderalismus erzeugt mögliche Vergleichsdaten in Hülle und Fülle. Wir haben hier einige mit Aussagekraft zum Thema „Schulen in Hamburg“ zusammengetragen.
Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung
Senatorin: Ksenija Bekeris (SPD) seit Januar 2024
Staatsrätinnen: Katharina von Fintel (Schule/Berufsbildung) und Michaela Peponis (Frühkindliche Bildung, Familie, Jugend)
Details zum Schulgesetz
Schulen im Detail
(Angaben: Schulbehörde Hamburg)
Es gibt 90 Startchancen-Schulen in Hamburg, davon sind 57 Grundschulen. Für das Jahr 2024 lagen die Mittel bei einer Millionen Euro. Für das Jahr 2025 sind Mittelabforderungen von vier Millionen Euro gegenüber dem Bund angekündigt; Bewilligungen unsererseits gegenüber den Schulen liegen bei rund einer Millionen Euro.
Ja, festgestellt in einem Vorstellungsverfahren mit 4,5 Jahren.
BiSS-Lesetraining, Leseband, Leseförderung
Kein behördliches Verbot, aber von vielen Grundschulen in Eigenverantwortung so geregelt.
Nein
Hamburg hat als einziges Bundesland ein „Lehrerarbeitszeitmodell“, bei dem die Anzahl der Unterrichtstunden je nach Unterrichtsfach, Stufe und Schulform variiert.
Mit Stand 05/2025 hatten wir an den allgemeinbildenden Schulen 2.321 Sonderpädagogen, davon 359 an den Bildungsabteilungen der ReBBZ (Beschulung von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf „Lernen und Sprache“). Zudem waren 1.493 Erzieherinnen und Erzieher sow 862 Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen an den Schulen tätig (Schulsozialarbeit, Ganztagsangebote, Beratungsangebote). (Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung Hamburg)
30 Stunden pro Schuljahr an allgemeinbildenden Schulen, 45 Stunden an Berufsbildenden Schulen
nach IQB-Bildungstrend 2022: 95 Prozent (alle staatlichen Schulen sind seit 2012 Ganztagsschulen)
Hamburg saniert seine Schulgebäude konsequent und mit hohem Mitteleinsatz (rund 400 Mio. Euro p.a.) seit 2010 mit Gründung eines eigenständigen Landesbetriebs SBH/Schulbau Hamburg. Der durchschnittliche Gebäudezustand hat sich um eine ganze Note von 3,53 (2013) auf 2,47 (2023) verbessert.
Förderprogramme/landesspezifische Projekte:
MINT/Digitalisierung, KI/ Förderung der Abschlüsse, PriMa-Mathezirkel, bilinguale und inmersive Schulzweige, Jedem Kind ein Instrument (JeKi), Religionsunterricht für alle (RufA, konfessionsübergreifend), Schwerpunktschulen für sonderpädagogische Förderbedarfe (Inklusion), Beratungsstelle Gewaltprävention, Beratungsstelle besondere Begabungen, regelhafte Lernentwicklungsgespräche (LEG), Berufs- und Studienorientierung als Fach.
Besondere Schulfächer/Programme
(Angaben: Schulbehörde Hamburg)
Ja, ab Schuljahr 2025/26.
Nein. Stattdessen gibt es „Religionsunterricht für alle“, der von allen Religionsgemeinschaften gemeinsam getragen wird.
Ja, in großer Zahl und vielen Sprachen.
Nicht als eigenständiges Fach, aber als fächerübergreifende Aufgabe.
Ja, vielfältige Programme. Eigene „Beratungsstelle Gewaltprävention“.
Ja, Projekt „Personalgesundheit“ für ganzheitliches Gesundheitsmanagement
Kompetenzzentren
Landesinstitut für Qualifizierung und Qualitätsentwicklung in Schulen (LI)
Institut für Bildungsmonitoring und Qualitätsentwicklung (IfBQ)
Hamburger Institut für Berufliche Bildung (HIBB)


