Schulden können erschlagend wirken, sind aber nicht das Ende der Welt. Wichtig ist, das Problem frühzeitig zu erkennen und sich professionelle Unterstützung zu holen.
Wichtige Information vorab
Häufig löst nicht nur eine Sache den Schuldenkreislauf aus. Meist ist es eine Kombination aus diesen Kategorien:
- Veränderte Lebenssituationen (beispielsweise Trennung)
- Arbeitslosigkeit und Einkommensverluste
- Unerwartete Ausgaben
- Ratenkäufe und Konsumschulden
- Hohe Lebenshaltungskosten und steigende Preise
Hinzu kommen Zinsen und Mahngebühren, die den Schuldenberg weiter wachsen lassen, wenn nicht früh genug gegengesteuert wird.
Welche Strategie eignet sich am besten zum Schuldenabbau?
»Viele Beratungen beginnen in absoluten Krisensituationen, bei denen Themen wie drohende Kündigung der Wohnung, Stromsperren oder gepfändete Girokonten im Vordergrund stehen«, erklärt uns Benedikt Walzel. Daher steht die Frage nach der richtigen Strategie erst einmal nicht im Zentrum der Beratung.
»Je nach Situation können im Laufe des Beratungsprozesses Ratenzahlungen, Vergleiche oder andere außergerichtliche Lösungen sinnvoll sein«, so der Experte. Bei dauerhafter Zahlungsunfähigkeit könne auch eine Verbraucherinsolvenz der angemessene Weg zu einem wirtschaftlichen Neuanfang sein. Welche Strategie dann gewählt wird, sei einzelfallabhängig.
Laut Benedikt Walzel in jedem Fall wichtig: schnell zur Schuldnerberatung. »Die Schuldenberatung betrachtet die Gesamtsituation und entwickelt gemeinsam mit der betroffenen Person eine individuelle Lösung. Auf www.meine-schulden.de finden Personen die nächste Schuldenberatungsstelle.«
Unterschied: Schneeball- und Lawinenmethode
Bei der Schneeballmethode werden zuerst die kleinen Schulden getilgt. Das fördert die Motivation und sorgt schneller für Erfolge.
Bei der Lawinenmethode hingegen konzentrieren sich Schuldner zuerst auf die höchsten Zinsen – also auf die teuersten Schulden. Das spart langfristig Zinsen, allerdings dauert es länger, bis die ersten Erfolge spürbar werden.
Entscheidend sei dann die individuelle finanzielle und persönliche Situation. »Die mathematisch günstigste Methode ist nicht automatisch die praktisch beste«, weiß Walzel. »Die Schuldenlawine kann beispielsweise Zinsen sparen. Für jemanden, der durch viele unterschiedliche Gläubiger und Forderungen stark belastet ist, kann es dagegen hilfreich sein, zunächst einzelne kleinere Forderungen zu erledigen und dadurch Komplexität zu reduzieren.«
Gibt es typische Fehler beim Schuldenabbau?
»Fehler sind aus Sicht der Schuldenberatung eine schwierige Kategorie, denn Personen kommen oft aus unterschiedlichen Gründen in die Verschuldung – zum Beispiel aufgrund von Trennung oder Arbeitslosigkeit«, weiß Benedikt Walzel. Viele Personen seien mit Schulden nachvollziehbarerweise überfordert, weil sie den Boden unter den Füßen verlören.
»Die Situation ist ihnen auch sehr oft unangenehm, weil finanzielle Probleme weiterhin Tabuthemen sind und zu gesellschaftlicher Ausgrenzung führen«, so Walzel. Dann würden zum Beispiel Briefe liegen gelassen, Forderungen nicht überprüft und Fristen versäumt. »Menschen verlieren bei vielen Gläubigern außerdem schnell den Überblick. Teilweise werden diejenigen zuerst bezahlt, die den größten Druck ausüben, obwohl andere Zahlungen für die eigene Existenz wesentlich wichtiger wären«, erklärt der Experte.
Was sind die größten Hürden beim Schuldenabbau?
»Wer über Jahre mit sehr wenig Geld auskommen muss, erlebt einen enormen finanziellen und psychischen Druck«, so Benedikt Walzel. Sehr viele Überschuldete fühlen sich vor Beratungsbeginn in einer Hoffnungslosigkeit gefangen, die nicht nur als stark belastend empfunden werde, sondern auch oft sehr lähmend wirke. Der Experte beschreibt die Lebensrealität von Hochverschuldeteten: »Warum soll ich Rechnungen aus dem Briefkasten holen, wenn ich sie ja doch nicht bezahlen kann?«
Schwierig seien außerdem:
- die lange Dauer des Schuldenabbaus
- die Vielzahl unterschiedlicher Forderungen und Schreiben
- die Angst vor Konsequenzen bei Nichtzahlung
- das Gefühl, trotz eigener Anstrengungen kaum Fortschritte zu machen.
»Auch die Furcht vor unerwarteten notwendigen Ausgaben belastet sehr«, fügt der Experte hinzu. Ein weiteres Problem, das er anspricht, ist die unzureichende personelle Ausstattung der Beratungsstellen.
»Gerade in Krisensituationen führen lange Wartezeiten oder Zugangsbeschränkungen für bestimmte Gruppen dazu, dass Betroffene erst spät oder gar keine Unterstützung in Anspruch nehmen können. Die Folgen können für die betroffenen Menschen existenziell sein und zugleich erhebliche gesellschaftliche Kosten verursachen.«
Teilhabe an der Gesellschaft wird ohne ausreichend finanzielle Mittel massiv erschwert.
Laut Walzel setzt sich die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung dafür ein, dass das Schuldnerberatungsdienstegesetz diese Herausforderungen berücksichtigt und zu einer Verbesserung der Beratungsstrukturen beiträgt. Das Gesetz befinde sich bereits seit längerer Zeit im Vermittlungsausschuss.
Fazit: Es braucht individuelle Unterstützung
Auslöser für Schulden gibt es viele – und jeder kann davon betroffen sein. Dennoch ist das Thema gesellschaftlich mit Scham behaftet.
Wer in den Schuldenkreislauf geraten ist, sollte sich frühestmöglich Hilfe holen. Die Beratung bei einer staatlich anerkannten und gemeinnützigen Schuldnerberatung ist kostenlos und meist der sinnvollste Weg, um die finanzielle Notlage in den Griff zu bekommen. Gemeinsam mit Experten lässt sich die passende Strategie für den Abbau der Schulden finden.















