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Notgroschen: So viel Reserve brauchen Sie wirklich Test: Notgroschen So Viel Reserve Aufmacher Finanzen Foto: Benjamas / Adobe Stock

Notgroschen: So viel Reserve brauchen Sie wirklich

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Arbeitslosigkeit, eine Trennung oder eine teure Reparatur können das Budget plötzlich belasten. Ein Notgroschen gibt in dieser Situation Sicherheit: Wer eine Reserve hat, muss keinen Kredit aufnehmen und keine langfristige Geldanlage vorzeitig auflösen. Der Ratgeber erklärt, wie viel Reserve sinnvoll ist und wo sie am besten liegt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Drei bis sechs Nettomonatsgehälter als grobe Orientierung: Finanzexpertin Stefanie Kühn rät im aktuellen Umfeld eher zum oberen Ende. Je unsicherer das Einkommen und je mehr Personen davon abhängen, desto größer sollte der Puffer sein.
  • Den eigenen Bedarf berechnen: Wie hoch der Notgroschen sein sollte, zeigen die unvermeidbaren Monatsausgaben für Miete, Lebensmittel, Energie, Versicherungen, Mobilität und Kreditraten.
  • Sicher und kurzfristig verfügbar: Der Notgroschen gehört ganz oder größtenteils auf ein separates Tagesgeldkonto.

Was ein Notgroschen ist

Ein Notgroschen ist eine Geldreserve für unvorhergesehene, dringende Ausgaben. Das Geld soll nicht möglichst viel Rendite bringen, sondern im Ernstfall schnell verfügbar sein. So lassen sich finanzielle Lücken überbrücken, ohne einen Kredit aufzunehmen oder langfristige Anlagen vorzeitig zu verkaufen.

Er ist kein Geld für geplante Anschaffungen wie Urlaub, neue Möbel oder ein neues Smartphone, sondern ausschließlich für Notfälle gedacht – wobei jeder für sich definieren sollte, was ein Notfall ist.

Typische Fälle, in denen ein Notgroschen hilft:

  • unerwartete Arbeitslosigkeit oder Einkommensausfall
  • große Reparaturen am Auto oder an Haushaltsgeräten, bei Eigentümern auch an der Heizung
  • teure Zahnbehandlungen, die die Versicherung nicht oder nur teilweise trägt
  • Kosten für einen kurzfristigen Umzug
  • eine Trennung oder Scheidung, wenn ein Haushalt plötzlich mit weniger Einkommen auskommen muss
  • Selbstbeteiligung bei Versicherungsfällen

Warum ein Notgroschen wichtig ist

Ein Notgroschen gibt finanzielle Sicherheit und Handlungsfähigkeit. Wer eine Reserve hat, kann freier entscheiden: Man muss nicht sofort einen schlechten Job annehmen, nur weil am Monatsende das Geld fehlt, oder eine teure Reparatur aufschieben. Gerade Haushalte mit niedrigem Einkommen profitieren von einer solchen Absicherung, weil sie unerwartete Ausgaben sonst kaum abfedern können.

Wer keine Reserve hat, muss eine unerwartete Ausgabe womöglich über den Dispo finanzieren. Im Schnitt verlangen Banken dafür laut einer Verivox-Auswertung rund elf Prozent Zinsen im Jahr (Stand: März 2026). Bleibt das Konto ein Jahr lang mit 3.000 Euro im Minus, fallen rund 340 Euro Zinsen an. Aus dem Notgroschen bezahlt, verursacht dieselbe Reparatur keine zusätzlichen Kreditkosten.

Wie hoch sollte der Notgroschen sein?

Es gibt keine pauschale Summe, die für alle passt. Entscheidend ist neben dem eigenen Sicherheitsbedürfnis, was man im Ernstfall für Miete, Strom, Lebensmittel, Versicherungen und laufende Verträge benötigt.

Als Orientierung nennt die unabhängige Honorarberaterin Stefanie Kühn gegenüber Kaufkompass drei bis sechs Nettomonatsgehälter, die man als Reserve vorhalten sollte. Die Verbraucherzentrale gibt mit zwei bis drei Nettomonatsgehältern eine etwas niedrigere Faustregel an.

So berechnet man die passende Reserve

Statt mit Nettogehältern lässt sich der Notgroschen noch genauer über die notwendigen Monatsausgaben berechnen: Man addiert Wohnen, Energie, Lebensmittel, Versicherungen, Mobilität und Kreditraten und multipliziert die Summe mit der Zahl der Monate, die man überbrücken will (meist drei bis sechs). Bei 2.000 Euro monatlichem Bedarf und vier Monaten sind das 8.000 Euro. Je unsicherer das Einkommen und je mehr Personen davon abhängen, desto größer sollte der Puffer sein.

Wie weit man innerhalb der empfohlenen Spanne geht, hängt vom eigenen Sicherheitsbedürfnis ab. Im aktuellen Umfeld rät Kühn eher zu sechs Nettomonatsgehältern als Reserve: »Die Umbrüche durch künstliche Intelligenz und die schlecht laufende Wirtschaft stellen doch vieles in Frage.« Vor allem eine möglicherweise längere Jobsuche bei einem Wechsel spricht ihrer Ansicht nach in der aktuellen Lage dafür.

Was gilt für Angestellte und Beamte?

Wer fest angestellt ist, hat in der Regel ein planbares Einkommen und bei einem Jobverlust unter den gesetzlichen Voraussetzungen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Für Angestellte mit sicherem, unbefristetem Job kann daher das untere Ende der empfohlenen Spanne reichen, also drei Monate. Anders sieht es bei einem befristeten Vertrag, in einer Branche im Wandel oder bei hohen Fixkosten aus: Dann ist ein größerer Notgroschen sinnvoll. Aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheit und möglicherweise längerer Jobsuchen rät Kühn derzeit eher zu sechs Monaten.

Für Beamte hält Kühn wegen der hohen Arbeitsplatzsicherheit hingegen drei Monatsgehälter weiterhin für ausreichend.

Was gilt für Familien?

Auch für Familien gelten laut Kühn drei bis sechs Nettomonatsgehälter, eher sechs. Besonders wichtig ist ein größeres Polster, wenn der Haushalt von nur einem Einkommen abhängt. »Familien, besonders mit nur einem Verdienst, sollten besonders auf eine gute Notfallreserve achten, denn hier ist auch durch die Kinder ein möglicherweise schwer kalkulierbarer Bedarf vorhanden«, sagt Kühn. Bei zwei Verdienern fällt der Verlust eines Einkommens hingegen meist etwas weniger stark ins Gewicht. Für die individuelle Berechnung kann man sich besonders bei zwei Einkommen auch an den notwendigen Haushaltsausgaben orientieren.

In Partnerschaften braucht jeder seine eigene Reserve

Ein gemeinsamer Notgroschen deckt gemeinsame Notfälle ab, etwa eine kaputte Waschmaschine oder eine unerwartete Rechnung. Er ersetzt aber keinen persönlichen Puffer, über den jeder allein verfügen kann.

Bei einem Gemeinschaftskonto als Oder-Konto kann grundsätzlich jeder Inhaber allein auf das gesamte Guthaben zugreifen, zunächst auch nach einer Trennung. Deshalb sollte jeder Partner zusätzlich einen Betrag auf einem eigenen Konto halten. Die Reserve sollte ausreichen, um kurzfristig etwa eine Kaution, eine vorübergehende Unterkunft und die ersten laufenden Ausgaben zu bezahlen. Besonders wichtig ist das für den Partner mit geringerem oder keinem eigenen Einkommen.

Was gilt für Selbstständige und Freiberufler?

Ihnen empfiehlt Stefanie Kühn ein höheres Polster, weil das Einkommen schwanken kann. Zusätzlich zur privaten rät sie Selbstständigen zu einer betrieblichen Reserve. Sie sollte im Idealfall so hoch sein, dass das Unternehmen ein Jahr lang auch ohne nennenswerte Einkünfte weiterbestehen kann. »Das ist natürlich manchmal schwierig, wirklich in diesem Umfang zurückzulegen, aber wann immer es möglich ist, rate ich dazu.«

Wie hoch die zusätzliche betriebliche Reserve ausfällt, hängt vor allem von den laufenden Betriebsausgaben, der Auftragslage und den Zahlungsfristen der Kunden ab. Bei Solo-Selbstständigen mit geringen laufenden Kosten kann der nötige Betrag deutlich kleiner sein als bei Unternehmen mit Personal, Geschäftsräumen oder hohen vertraglichen Verpflichtungen.

Wichtig: Die Rücklage für die Steuer ist nicht der Notgroschen. Er muss zusätzlich zu den Steuerrücklagen bestehen, sonst ist er im Ernstfall nur auf dem Papier vorhanden.

Damit sind es drei getrennte Töpfe:

  • der private Notgroschen
  • die betriebliche Reserve
  • die Rücklage für die Steuer

Was gilt für Wohneigentümer?

Wer ein Haus oder eine Wohnung besitzt, sollte neben dem persönlichen Notgroschen eine separate Rücklage für Reparaturen bilden. Bei Eigentumswohnungen deckt die Erhaltungsrücklage nur das Gemeinschaftseigentum ab. Für Reparaturen in der eigenen Wohnung und mögliche Sonderumlagen braucht man zusätzlich eigenes Geld.

Wo der Notgroschen liegen sollte – und wo nicht

Ein Notgroschen sollte drei Bedingungen erfüllen:

  • er muss jederzeit verfügbar sein,
  • das Geld darf keinem Kursrisiko unterliegen,
  • und es sollte vom Alltagskonto getrennt liegen.

Tagesgeldkonto

Die Verbraucherzentrale empfiehlt, den Notgroschen auf einem Tagesgeldkonto zu parken. Das Geld ist ohne Kündigungsfrist verfügbar und unterliegt keinen Kursschwankungen. Bis zu 100.000 Euro pro Person und Bank sind durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt.

Auch Kühn rät zu einem gut verzinsten Tagesgeldkonto: »Die Verzinsung sollte sich dabei daran orientieren, was man bei sicheren Banken, das heißt Banken aus sicheren Ländern, aktuell bekommt. Derzeit sind das gut zwei Prozent. Damit schafft man es zumindest, einen Teil der Inflation wieder hereinzuholen.« Solche Zinssätze sind allerdings variabel und können sich jederzeit ändern; zudem gleicht der Zins die Inflation oft nicht ganz aus. Für den Notgroschen sind Verfügbarkeit und Sicherheit aber ohnehin wichtiger als Rendite.

Da Auszahlungen über das Referenzkonto laufen, sollte man für die Überweisung in der Regel einen Werktag einplanen. Was man bei Tagesgeld noch beachten sollte, zeigt unser Ratgeber.

Einen kleinen Betrag für Ausgaben, die noch am selben Tag anfallen, kann man auf dem Girokonto halten. Dort gibt es aber meist keine oder nur eine sehr niedrige Verzinsung, zudem kann das Geld leichter für andere Zwecke ausgegeben werden. Der größere Teil des Notgroschens sollte deshalb gebündelt auf dem Tagesgeldkonto liegen.

Festgeld als Ergänzung zum Tagesgeld

Wer zusätzlich zum jederzeit verfügbaren Notgroschen eine größere Reserve hält, kann laut Kühn einen Teil davon in kurzfristigem Festgeld oder in einer Festgeldtreppe anlegen. Weil dabei regelmäßig Geld frei wird, kann der jederzeit verfügbare Teil auf dem Tagesgeldkonto dann unter Umständen etwas kleiner ausfallen. Wie viel dennoch sofort verfügbar bleiben sollte, hängt von der persönlichen Situation und den möglichen kurzfristigen Ausgaben ab.

Ein Beispiel: 9.000 Euro werden auf drei Festgeldanlagen mit Laufzeiten von zwölf, 24 und 36 Monaten verteilt. Nach einem Jahr werden die ersten 3.000 Euro frei, nach zwei Jahren die nächsten, nach drei Jahren der Rest. Wird das Geld nicht gebraucht, kann man den fälligen Betrag erneut anlegen, sodass künftig jedes Jahr ein Teil verfügbar wird.

Wo der Notgroschen nicht hingehört

Ein Notgroschen ist keine Anlagestrategie und kein Vermögensaufbau. Er gehört deshalb nicht in Aktien, ETFs oder andere schwankungsanfällige Investments. Umgekehrt gilt: Der Notgroschen sollte stehen, bevor man mit dem Investieren beginnt. Er ist die Grundlage für jeden Vermögensaufbau.

Auch größere Bargeldbeträge zu Hause eignen sich nicht als Notgroschen. Bei einem Einbruch hängt die Erstattung von den Bedingungen der Hausratversicherung ab; für Bargeld gelten häufig besondere Entschädigungsgrenzen. Ohne Hausratsversicherung bekommt man gestohlenes Geld nicht erstattet.

Notgroschen aufbauen: So geht man vor

Den Notgroschen aufzubauen, ist meist ein Prozess über mehrere Monate. So kann man dabei vorgehen:

  1. Ziel festlegen: Eine Zielsumme bestimmen.
  2. Startbetrag festlegen: Wer noch keine Reserve hat, kann zunächst eine erste Stufe von 1.000 oder 2.000 Euro anpeilen.
  3. Regelmäßig einzahlen: Praktisch ist ein Dauerauftrag gleich nach dem Gehaltseingang. Schon 50 oder 100 Euro im Monat summieren sich über die Zeit.
  4. Extras nutzen: Steuerrückzahlungen, Bonuszahlungen oder Weihnachtsgeld können die Reserve schneller auffüllen.
  5. Nur im Notfall ausgeben: Der Notgroschen ist nicht für geplante Anschaffungen oder Impulskäufe gedacht. Wer ihn nutzt, sollte ihn danach wieder aufstocken.

Typische Fehler

Einige typische Fehler verringern die Sicherheit. Das sollte man vermeiden:

  • Gar nicht anfangen: Wichtiger als die Zielsumme ist der erste Dauerauftrag, der Rest wächst mit der Zeit.
  • Das Geld auf dem Girokonto lassen: Liegt der komplette Notgroschen neben dem Alltagsbudget, wird er leichter ausgegeben. Ein getrenntes Konto schützt davor.
  • Nach der Nutzung nicht wieder auffüllen: Wer die Reserve vergisst, wieder aufzustocken, steht beim nächsten Notfall ohne Puffer da.
  • Die Zielsumme nie überprüfen: Nach einem Umzug, Familienzuwachs, einem Jobwechsel oder dem Schritt in die Selbstständigkeit kann eine größere Reserve nötig sein. Deshalb sollte man den Betrag regelmäßig neu berechnen.

Fazit: Finanzielle Sicherheit beginnt mit einer Reserve

Faustregeln sind nur ein Ausgangspunkt. Wie groß der Notgroschen sein sollte, hängt von Arbeitsplatzsicherheit, Branche, Wohnsituation, familiären Verpflichtungen und dem eigenen Sicherheitsbedürfnis ab. Er sollte schnell verfügbar sein und eine finanzielle Krise so weit abfedern, dass eine kaputte Waschmaschine oder ein vorübergehender Einkommensausfall nicht gleich zur Schuldenfalle wird.

Wichtiger als die perfekte Zielsumme ist aber, überhaupt mit dem Aufbau anzufangen. Ein separates Konto, ein Dauerauftrag und ein realistischer Betrag genügen, um die Reserve Stück für Stück aufzubauen.

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