Eine Versicherung für den Todesfall und gleichzeitig sparen? Das Versprechen der Kapitallebensversicherung ist verlockend. Tatsächlich lohnen sich neue Verträge nicht: Sie sind unflexibel und teuer.
Das Wichtigste in Kürze
- Risikoschutz und Geldanlage: Eine Kapitallebensversicherung ist eine Kombination aus Todesfallschutz und Geldanlage.
- Nicht zu empfehlen: Einen Neuabschluss empfehlen wir nicht. Die Verträge sind unflexibel und die garantierte Verzinsung zu gering.
- Nicht vorschnell kündigen: Wer bereits einen Vertrag hat, sollte ihn nicht vorschnell kündigen – alte Policen haben häufig noch hohe Garantiezinsen.
Was ist eine Kapitallebensversicherung?
Eine Kapitallebensversicherung kombiniert einen langfristigen Sparvertrag mit einem Todesfallschutz. Am Ende der Laufzeit erhalten Sie Ihre eingezahlten Beiträge inklusive der Zinsen und Überschüsse. Sterben Sie vor Ablauf des Vertrags, zahlt die Lebensversicherung Ihren Angehörigen eine vereinbarte Todesfallsumme aus.
Kapitallebensversicherungen waren lange Zeit ein beliebtes Anlageprodukt der Deutschen. In Zeiten hoher Zinsen war die Rendite für eine sichere Geldanlage durchaus ansehnlich. Zudem war bei älteren Verträgen die Auszahlung der Versicherungssumme in vielen Fällen steuerfrei.
Verzinst wird nur der Sparanteil
Von den Beiträgen fließt zunächst ein Teil in die laufenden Kosten der Lebensversicherung. In den ersten Jahren tilgen die Beiträge zudem die Provision, die der Makler oder Vertreter beim Vertragsabschluss erhalten hat. Ein weiterer Teil der Beiträge dient dem Todesfallschutz. Nur der übrige Teil – der Sparanteil – fließt in das Sicherungsvermögen des Versicherers und wird verzinst.
Niedriger
Garantiezins von 1,0 %
In den Achtziger- und Neunzigerjahren haben die Gesellschaften einen Garantiezins von 3,5 oder 4 Prozent auf den Sparanteil versprochen. Mit den fallenden Marktzinsen ist aber auch der Garantiezins gesunken. Im Jahr 2022 erreichte der Garantiezins mit 0,25 Prozent einen vorläufigen Tiefpunkt, seit 2025 versprechen die Versicherer einen Zins von 1 Prozent.
Zu diesem garantierten Zins kommen Überschüsse, mit denen der Versicherer seine Kunden an den laufenden Gewinnen beteiligt. Die Höhe der Überschussbeteiligung setzen die Versicherer jedes Jahr neu fest. Für 2026 geht die Ratingagentur Assekurata im Schnitt von einer Verzinsung von rund 2,6 Prozent aus. Am Ende der Laufzeit schüttet die Gesellschaft außerdem einen Schlussüberschuss aus. Er ist aber ebenso wie die jährliche Überschussbeteiligung nicht garantiert.
Häufig nur die Hälfte des Ertrags steuerpflichtig
Für Verträge ab 2005 entfällt die steuerfreie Auszahlung. Allerdings ist unter bestimmten Voraussetzungen nur die Hälfte des Ertrags steuerpflichtig (Halbeinkünfteverfahren): Dafür muss der Vertrag seit mindestens 12 Jahren laufen und Sie müssen bei Auszahlung mindestens 60 Jahre alt sein (bei Verträgen ab 2012: 62 Jahre). Zudem muss bei einer Police ab dem 1. April 2009 die Todesfallsumme mindestens so hoch sein wie 50 Prozent der Beiträge.
Mehr dazu in unserem Ratgeber zur Auszahlung einer Lebensversicherung.
Lohnt sich der Abschluss einer Kapitallebensversicherung?
Der Neuabschluss einer Kapitallebensversicherung lohnt sich nicht mehr. Mit einer garantierten Verzinsung von einem Prozent auf den Sparanteil machen Versicherte nach Abzug der Inflation real einen Verlust. Der Bund der Versicherten hat für Verträge mit einer Laufzeit von 30 Jahren und einem monatlichen Beitrag von 100 Euro eine garantierte Jahresrendite von -1,28 bis -0,19 Prozent ermittelt (Stand: Januar 2026). Zwar können Versicherte auf zusätzliche Überschüsse hoffen – garantiert sind die aber nicht.
Zudem sind die Verträge unflexibel und die Gewinnbeteiligung nicht transparent. Da Policen seit 2005 keine steuerfreie Auszahlung des Kapitals mehr bieten, hat die Kapitallebensversicherung ihr wichtigstes Argument verloren.
Kaum noch Angebote auf dem Markt
Wir raten daher davon ab, eine Kapitallebensversicherung neu abzuschließen. Kaum eine Gesellschaft bietet solche Verträge zudem noch an. Weil die Versicherer für die garantierten Leistungen mittlerweile Rücklagen bilden müssen, ist das Geschäft für sie unattraktiv geworden.
Die Gesellschaften bewerben stattdessen private Rentenversicherungen, die am Ende der Ansparphase eine lebenslange Rente zahlen. Die Verzinsung von klassischen Rentenverträgen ist wie bei der Kapitallebensversicherung gering. Bei fondsgebundenen Policen wird der Sparanteil in Aktienfonds angelegt, die Kosten sind allerdings hoch.
Todesfallschutz und Geldanlage trennen
Wir empfehlen, den Todesfallschutz von der Geldanlage zu trennen. Möchten Sie Ihre Angehörigen für den Todesfall absichern, ist eine Risikolebensversicherung sinnvoll. Sparen für die Altersvorsorge können Sie außerhalb einer Lebensversicherung.
Dazu können Sie etwa über einen Online-Broker in Indexfonds (ETFs) investieren, mit denen Sie langfristig von der Wertentwicklung eines Aktienindex wie dem MSCI World profitieren. Je nach Risikoneigung legen Sie einen Teil Ihres Ersparten in Tagesgeld an, das Abschwünge an den Börsen abfedert. Möchten Sie sich für eine längere Zeit einen festen Zinssatz sichern, bietet sich Festgeld an.
Was macht man mit einem alten Vertrag?
Haben Sie einen bestehenden Vertrag, lohnt sich ein genauer Blick darauf, ob er sich noch rechnet. Bei einer Police, die vor 2005 abgeschlossen wurde, erhalten Sie die Auszahlung der Versicherungssumme unter bestimmten Voraussetzungen steuerfrei. Zudem gab es für alte Verträge häufig hohe Garantiezinsen, die es heute für sichere Anlagen nicht mehr gibt.
Sind Ihnen die Kosten zu hoch, können Sie die Beiträge häufig reduzieren oder den Vertrag beitragsfrei stellen.
Möglichst nicht kündigen
Kündigen sollten Sie eine Police nur im Ausnahmefall: Sie machen häufig einen Verlust, da der Versicherer lediglich einen Rückkaufswert zahlt. Wie hoch der Wert ausfällt, können Sie in der jährlichen Standmitteilung Ihrer Versicherung nachschauen. Allenfalls in den ersten fünf Vertragsjahren kann eine Kündigung sinnvoll sein, bevor der Versicherer die gesamte Provision abgezogen hat.
Statt einer Kündigung kann der Verkauf einer Police auf dem Zweitmarkt vorteilhafter sein. Sie erhalten unter Umständen eine Summe, die über dem Rückkaufswert liegt. Die Anbieter nehmen meist Kredite auf, um die Auszahlungen zu finanzieren. Seit die Kreditzinsen gestiegen sind, kaufen daher deutlich weniger Firmen Verträge auf. In jedem Fall sollte der Anbieter keine Gebühren verlangen und den Kaufpreis auf einen Schlag auszahlen.
Möglich ist auch eine Beleihung: Sie nehmen dabei einen Kredit auf, für den die Kapitallebensversicherung als Sicherheit dient. Sie können damit einen finanziellen Engpass überbrücken, ohne ihre Versicherung zu verlieren.














