Egal, ob regelmäßig, unregelmäßig, stark oder schwach – die Periode empfindet wohl fast niemand als sonderlich angenehm. Während bereits eine gewöhnliche Monatsblutung oft mit unangenehmen Krämpfen verbunden ist, können die Beschwerden in Kombination mit Erkrankungen, wie Endometriose, beinahe unerträglich werden. Von Schmerztabletten und Globuli über Mönchspfeffer und Kräutertees hin zu Quarkumschlägen und Wärmeflasche: Betroffene greifen zu allerlei Maßnahmen, um diese Zeit im Monat erträglicher zu gestalten.
Nun verspricht ein weiteres Produkt die langersehnte Erlösung und Minderung der Periodenschmerzen: das Menstruationsschmerz-Pad TT 250. Es handelt sich hier um ein TENS-Gerät, das speziell für den Einsatz am Unterbauch bei Menstruationsbeschwerden genutzt werden soll. Wir haben das Medisana TT 250 getestet und beurteilen, ob die Elektroden tatsächlich für Linderung bei Periodenschmerzen sorgen.
Menstruationsschmerz-Pad im Test
Es ist ein Versprechen, das beinahe zu gut klingt, um wahr zu sein: sofortige Erleichterung der Periodenschmerzen nur dank eines kleinen Geräts. Um das Menstruationsschmerz-Pad zu testen, mussten wir erst einmal auf eines warten: die Menstruation. Jede Testperson hat unterschiedliche Erfahrungen mit ihrer Periode – von leichten Krämpfen und einer kurzen Dauer hin zu einer Endometriose-Erkrankung in Verbindung mit starken Krämpfen über mehrere Tage und Kreislaufproblemen.
Das Menstruationsschmerz-Pad wird von den drei Testpersonen während der Periode in einem Zeitraum von drei bis fünf Tagen genutzt, wenn die Krämpfe am deutlichsten spürbar sind. Wir halten uns dabei streng an die Vorgaben aus der mitgelieferten Gebrauchsanleitung und testen uns durch die Funktionen. Das Gerät wird sowohl im Büro-Alltag als auch zu Hause getestet.
Medisana TT 250
Wir hoffen darauf, dass das Medisana TT 250 tatsächlich hält, was es verspricht, und die langersehnte Linderung starker Menstruationsschmerzen bieten kann. Doch bevor wir das herausfinden können, betrachten wir erst einmal das Gerät selbst genau. Es handelt sich dabei um ein zertifiziertes Medizinprodukt, welches mithilfe von Strom zur Muskelentspannung beitragen soll. Im Lieferumfang sind zwei Elektroden-Pads für den Bauch, zwei kleinere Elektroden mit Verkabelung für den Rücken und eine Fernbedienung enthalten. Alle Komponenten machen einen qualitativ hochwertigen Eindruck. Die Fernbedienung lässt sich magnetisch an dem Pad für den Bauch befestigen, zudem gibt es aber auch einen Gürtelclip.
Die Rücken-Elektroden werden mit einem Kabel an der Fernbedienung befestigt. Das Ganze funktioniert ansonsten kabellos, mit wiederaufladbarem Akku, und die Elektroden sind selbstklebend und wiederverwendbar. Sowohl die Pads als auch die Fernbedienung sind dabei eher flach gestaltet und der Hersteller verspricht damit eine diskrete Nutzung, da das Gerät unter Kleidung nicht erkennbar wäre. Hier waren wir bereits vor der ersten Testrunde etwas skeptisch.
Besonders bei Geräten, bei denen Strom im Spiel ist, sollte man die Anleitung nicht nur überfliegen, sondern genau studieren. Und genau das tun wir. Schnell treffen wir auf eine Vielzahl an Hinweisen, unter welchen Umständen das Gerät nicht verwendet werden sollte – eine wichtige Information, da es bei falscher Verwendung zu Komplikationen kommen könnte. Wir stellen also sicher, dass der korrekten Verwendung nichts im Wege steht, und widmen uns der Bedienung. Schnell wird klar, dass die Anleitung nicht viele Hinweise dazu gibt, an welchen Stellen die Elektroden befestigt werden sollten. Wir hätten uns an dieser Stelle mehr Hilfestellung gewünscht. Wir finden nur Aussagen, wo die Elektroden keinesfalls verwendet werden sollten, wie am Kopf, aber keine Angabe, wo sie denn nun genau hingehören. Immerhin ist dem Hersteller dieses Manko bewusst und er bessert nach, indem zusätzlich ein Quickstart-Guide zur Verfügung gestellt wird.
Man muss sich mit der allgemeinen Aussage zufriedengeben, dass die Pads an der gewünschten Position befestigt werden, bevor dann das Gerät eingeschaltet und auf die gewünschte Stärke eingestellt wird. Die Bedienung des Geräts funktioniert über eine Fernbedienung, die am Pad befestigt wird, wobei vier Knöpfe zur Auswahl stehen: TENS-Funktion Ein/Aus, Wärme-Funktion Ein/Aus sowie ein Plus- und ein Minusschalter, um die Stufe auszuwählen. Für die Wärme-Funktion gibt es dabei nur eine Stufe, während man für die TENS-Funktion zwischen 20 Intensitätsstufen wählen kann.
Wir wollen es nun aber wissen und platzieren die Elektroden für die erste Anwendung. Während das Pad für den Bauch schnell an der gewünschten Stelle platziert ist und dort auch sehr gut hält, benötigen wir einen kurzen Moment länger, um die Rücken-Elektroden anzubringen. Das Kabel, das zur Fernbedienung führen sollte, hinderte uns anfänglich daran, eine angenehme Position zu finden. Wir platzieren die Elektroden an den Stellen, an denen wir Periodenschmerzen und die damit einhergehenden Rückenschmerzen am deutlichsten spüren. Sobald die Pads aber ihren Platz gefunden haben, bleiben sie auch schön an Ort und Stelle, ohne zu verrutschen und ohne sich abzulösen. Wir befestigen also auch die Fernbedienung am Bauch-Pad und legen los. Uns fällt direkt auf, dass das Versprechen, diskret zu sein, nicht wirklich eingehalten wird. Durch eine Jeanshose ist die Beule, die die Fernbedienung hinterlässt, deutlich erkennbar. Auch das Kabel, welches zu den hinteren Elektroden führt und sehr lang ist, muss erst einmal versteckt werden.
Das Pad ist nicht diskret und deutlich unter der Kleidung zu erkennen
Als wir uns durch die Intensitätsstufen durchprobieren wollen, vermissen wir eine informative Anzeige an der Fernbedienung. Sie verfügt zwar über ein Display, auf dem sind allerdings nur zwei Abbildungen erkennbar: ob die Wärme-Funktion aktiv ist und ob die TENS-Funktion aktiv ist. Auf welcher Stufe das Gerät allerdings aktuell eingestellt ist, bleibt ein Mysterium. Wir müssen also etwas herumprobieren und genau hinspüren, wie der Körper auf die Stufen reagiert. Das Medisana TT 250 hat eine automatische Anwendungsdauer von 30 Minuten und schaltet sich nach Ablauf der Zeit automatisch ab.
Schnell bemerken wir, dass die Wirkung bei den kleinen Elektroden am Rücken deutlich stärker ist als am Bauch-Pad. Bereits bei niedriger Stufe spüren wir hier deutlich den Strom, während wir vorn maximal ein leichtes Kribbeln wahrnehmen. Erst, wenn wir die Stufe etwas höher schalten, verändert sich das Kribbeln zu einem leichten Ziehen im Unterbauch. Der Rhythmus der Stromstöße verändert sich dabei im Laufe der Anwendungsdauer. Richtig angenehm ist das allerdings für keine der Testpersonen. Von der versprochenen Muskelentspannung bemerken wir nichts. Die Krämpfe der Periode werden durch die TENS-Funktion nicht leichter, sondern einfach nur von einem anderen unangenehmen Gefühl übertönt. Zudem drückt das Gerät im Sitzen etwas und verstärkt so das Unwohlsein eher. Einzig die Wärme-Funktion empfanden alle Testerinnen als äußerst angenehm.
Immerhin ist die Klebeleistung der Elektroden sehr gut, und sie lassen sich trotzdem schmerzlos wieder entfernen. Für die Reinigung reicht es dann, die Pads mit einem feuchten Tuch abzuwischen und trocknen zu lassen. Dann kann man das Gerät mitsamt den Elektroden wieder sicher verstauen und problemlos wiederverwenden.
Fazit
Löst das Menstruationsschmerz-Pad von Medisana also nun tatsächlich die Krämpfe oder führt es nur zu in-TENS-iveren Schmerzen? Alle Testerinnen waren sich einig: Nein, danke. Egal, ob mit leichten oder sehr starken Krämpfen, für wirkliche Erleichterung oder Muskelentspannung sorgte das Pad bei niemandem. Eher im Gegenteil. Die TENS-Funktion wurde als eher unangenehm empfunden. Anstatt die Menstruationsschmerzen zu lindern, wurden sie nur mit einem leicht unangenehmen Zusammenziehen der Bauchmuskulatur begleitet oder übertönt. Die Nutzung des Pads macht die Schmerzen für uns nur anders, aber nicht weniger unangenehm.
Tatsächlich werden wir durch das ständige Kribbeln eher noch mehr auf die Schmerzen aufmerksam gemacht. Während wir ohne das Pad zumindest für eine Weile die Krämpfe ignorieren können, sorgt das stetige Ziehen und der Rhythmuswechsel der TENS-Funktion dafür, dass wir uns auf nichts anderes fokussieren können und den Schmerz nur noch bewusster wahrnehmen. Hierbei ist es dann ebenfalls nicht hilfreich, dass die Bedienung so wenig intuitiv ist und nicht angezeigt wird, auf welche Intensitätsstufe das Gerät aktuell eingestellt ist.
Obwohl das Gerät speziell für Endometriose angepriesen wird, mussten wir feststellen, dass die Nutzung des Menstruationsschmerz-Pads genau im Falle dieser Erkrankung am problematischsten ist. Wir haben im Verlauf der Periode neben den Bauchkrämpfen auch mit Kreislaufbeschwerden zu kämpfen. Durch die Nutzung der TENS-Funktion wurden diese leider verschlimmert, da wir uns von den vielen verschiedenen Impulsen »reizüberflutet« fühlten. Allgemein fühlte sich nach der 30-minütigen Anwendung der Unterbauch sehr strapaziert an.
Hinzu kommt, dass durch das Pad mitsamt der Fernbedienung ein Druck am Bauch entsteht. Besonders, wenn man es unter einer Jeanshose trägt oder man aufrecht sitzt, drückt das Gerät leicht in den Bauch, was erneut die Periodenschmerzen eher verschlimmert. Da das Gerät dann eben auch an der Hose drückt und zumindest für ein bequemes Aufrechtsitzen zu breit ist, ist es für uns auch nicht verwunderlich, dass es leider nicht – wie versprochen – diskret ist. Die Beule, die das Gerät entstehen lässt, ist unter sämtlichen Hosen deutlich erkennbar und kann nur durch einen Pulli oder ein Oversized-Oberteil verdeckt werden. Für den Büroalltag ist das Medisana TT 250 auf jeden Fall nicht geeignet. Wir können es uns maximal zu Hause auf der Couch mit einer lockeren Schlafhose vorstellen.
Einzig die Wärmefunktion wurde von allen Testpersonen stets positiv hervorgehoben. Die Wärme tut am Unterbauch sehr gut und ist bereits nach kurzer Zeit spürbar. Aber nur für diese lohnt sich die Anschaffung des Menstruationsschmerz-Pads nicht. Ansonsten kauft man nur ein ziemlich überteuertes elektrisches Wärmekissen.
Alle Infos zum Thema
Das Menstruationsschmerz-Pad versucht, Menstruationsschmerzen mit TENS zu lindern. Das ist die Abkürzung für „Transkutane Elektrische Nervenstimulation“, bei der Schmerzen gelindert werden sollen, indem durch Hautelektroden Stromimpulse in die Muskeln übertragen werden.
Wichtig ist hierbei die Pulsfrequenz, die die Impulse pro Sekunde in Hertz angibt. Bei hohen Frequenzen von 80 bis 150 Hertz soll die Signalweiterleitung ans Gehirn und somit die Schmerzwahrnehmung unterbrochen werden. Die Theorie ist, dass Nerven nur einen Reiz übertragen können: den Stromimpuls oder den Schmerz. Bei niedrigen Frequenzen in einem Bereich von zwei bis vier Hertz sollen im Gehirn Endorphine freigesetzt werden, die die Schmerzwahrnehmung ebenfalls verringern.
Obwohl der Einsatz von TENS-Geräten als ungefährlich gilt, gibt es Anwendungsfälle, in denen von TENS-Behandlungen abgeraten wird. Dazu gehören Personen mit Epilepsie oder einem Herzschrittmacher, Schwangere sowie Personen mit einer akuten Entzündung. Man sollte sich daher genau informieren, ob der Einsatz eines TENS-Geräts für einen selbst ungefährlich ist.




























