Kreditkartenbetrug ist weder Seltenheit noch Kavaliersdelikt. Aktuell gehen die Landeszentralstelle Cybercrime (LZC) der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz und das Bundeskriminalamt (BKA) gegen die missbräuchliche Verwendung der Kreditkartendaten von vier Millionen Verbrauchern vor. Um selbst nicht Opfer von Betrügern zu werden, muss man sich zu schützen wissen. Dabei helfen wir weiter.
Das Wichtigste in Kürze:
- Es gibt viele perfide Maschen, um an Kreditkartendaten von Verbrauchern zu gelangen, sowohl online als auch offline.
- Betrüger zielen meist nicht auf die physische Karte ab, sondern benötigen nur die zugehörigen Informationen – also die Kartennummer, das Ablaufdatum und die Prüfnummer.
- Verbraucher können sich aber schützen. Wichtig ist, wachsam zu bleiben und ungewöhnliche Aktivitäten sofort zu hinterfragen.
Was ist Kreditkartenbetrug?
Von Kreditkartenbetrug spricht man, wenn Zahlungen ohne Zustimmung des Karteninhabers durchgeführt werden. Dafür müssen Betrüger die Karte nicht physisch besitzen – häufig reichen die Kartennummer, das Ablaufdatum und die Prüfnummer. Das Problem: Der Schaden entsteht oft schleichend und wird zu spät bemerkt.
Welche Formen von Kreditkartenbetrug gibt es?
Beim Kreditkartenbetrug muss man zwischen mehreren Formen unterscheiden. Betrugsmaschen passieren nicht nur online, sondern auch offline.
Online-Betrugsmaschen
Gängige Online-Betrugsmaschen sind:
- Phishing oder Social Engineering: Beim Phishing oder Social Engineering geben sich Betrüger als Bank, Zahlungsdienstleister oder Händler aus und versuchen, persönliche Informationen von Kunden zu entlocken. Das geschieht per E-Mail, SMS oder Anruf. Meist täuschen die Personen Dringlichkeit vor, um ihre Opfer in Panik zu versetzen und leichtsinnig zu machen.
- Fake Online-Shops: Eine besonders perfide Masche ist, wenn Betrüger die Websites von seriösen Händlern imitieren und Kunden so dazu bewegen, auf der vermeintlich echten Seite zu bestellen. Beim Zahlungsvorgang greifen sie dann das Geld und alle Daten ab. Die Ware erhalten die Kunden nicht.
- Datenlecks bei Händlern: Auch Online-Händler können gehackt werden. Dabei klauen die Betrüger die persönlichen Daten der Kunden und verkaufen sie weiter. Hiergegen sind Verbraucher machtlos. Die Verantwortung liegt beim Händler.
- Versand von Malware: Wer auf unseriöse Links von Websites oder in E-Mails klickt, riskiert die Installation von schädlicher Software (Malware) auf dem eigenen Rechner. Häufig passiert das im Hintergrund, sodass es die Opfer nicht merken. Die Software der Hacker liest alle Eingaben auf dem Gerät mit und fängt so Informationen ab.
Offline-Betrugsmaschen
Gängige Offline-Betrugsmaschen sind:
- Skimming: Beim Skimming manipulieren Betrüger Geldautomaten und Terminals, indem sie zum Beispiel eigene Ziffernblöcke über die echten Zahlungsfelder stecken. Wenn jemand die Tastatur nutzt, können die Kartendaten heimlich ausgelesen werden.
- Kartenverlust oder Diebstahl: Durch das kontaktlose Bezahlen (bis zu einem bestimmten Betrag meist ohne PIN) können Betrüger mit gestohlenen oder verlorenen Kreditkarten Einkäufe tätigen. Auch Unterschriften lassen sich fälschen. Schließlich werden diese in Geschäften selten mit dem Ausweis abgeglichen.
Kreditkartenbetrug: Erste Warnzeichen
Kreditkartenbetrug fällt nicht immer sofort auf, sondern erst, wenn Betrüger schon viel Geld abgreifen konnten. Erste Warnzeichen sind unbekannte Abbuchungen auf der Abrechnung, unerklärliche Zahlungen aus anderen Ländern oder bei fremden Händlern sowie Push-Benachrichtigungen oder TAN-Abfragen ohne eigene Zahlung.
Wenn die Karte plötzlich und ohne ersichtlichen Grund abgelehnt wird, kann ebenfalls ein Betrug dahinterstecken. In so einem Fall ist der Kartenherausgeber auf ungewöhnliches Verhalten aufmerksam geworden und hat die Karte zur Sicherheit von selbst gesperrt. Besser ist allerdings, wenn Kunden es früher merken.
Es gibt aber noch mehr Warnsignale:
- Mehrere kleine Abbuchungen: Manche Betrüger buchen Testbeträge ab oder versuchen, mit kleinen Summen möglichst lange unentdeckt zu bleiben.
- Wiederkehrende Zahlungen: Achten Sie darauf, ob regelmäßig Beträge abgebucht werden, ohne dass Sie ein Abo abgeschlossen haben.
- Unseriöse Websites: Websites ohne »https://«-Kürzel sind nicht sicher. Wenn das »s« in der URL fehlt, sollten Sie stutzig werden.
- Auffällige Uhrzeiten: Abbuchungen mitten in der Nacht oder zu anderen auffälligen Uhrzeiten können ein Warnsignal sein, dem Sie nachgehen sollten.
Kreditkartenbetrug vermeiden: 5 Tipps
Verbraucher sind Kreditkartenbetrug aber nicht schutzlos ausgeliefert. Wer sorgsam mit seinen Daten umgeht und wachsam bleibt, reduziert das Risiko deutlich. Wir haben fünf konkrete Tipps:
Tipp 1: Abrechnung regelmäßig prüfen
Kreditkarten rechnen meist einmal am Ende eines Monats ab. Bis dahin sollten Sie aber nicht warten, um alle Ausgaben zu überprüfen. Besser ist es, mindestens einmal die Woche ins Konto zu schauen.
Tipp 2: Sicherheitsmechanismen aktivieren
Push-Benachrichtigungen, Zwei-Faktor-Authentifizierungen (2FA), FaceID oder Fingerabdruck – mittlerweile gibt es viele Sicherheitsmaßnahmen, die Sie zusätzlich aktivieren können, teils sogar müssen. Wenn jemand versucht, eine Zahlung über Ihre Kreditkarte zu tätigen, bekommen Sie es sofort mit.
Tipp 3: Daten privat halten
Geben Sie Ihre Kartendaten niemals per E-Mail oder Telefon an Fremde weiter. Wenn Sie jemand unter Zeitdruck setzen möchte, steckt in der Regel ein Betrug dahinter. Seriöse Anbieter fragen zum einen niemals nach Ihren Daten, zum anderen vermeiden sie Angstmacherei.
Tipp 4: Limits niedrig halten
Sie können die Höhe Ihres Kreditkartenlimits in der Regel online selbst einstellen. Wer selten hohe Beträge ausgibt, kann dieses Limit bewusst niedrig halten. Im Fall der Fälle können Betrüger nur einen begrenzten Betrag stehlen.
Tipp 5: Online-Shops und Automaten überprüfen
Achten Sie bei Online-Shops auf die richtige URL und ein seriöses Impressum, ehe Sie eine Bestellung aufgeben. Auch bei Geldautomaten sollten Sie genauer hinsehen. Sind das Zahlungsfeld und der Kartenschlitz dicker oder wackeliger als gewöhnlich? Sitzt etwas schief oder fühlt sich die Tastatur komisch an? Das alles können Anzeichen für Manipulation sein. Automaten ohne Kameraüberwachung oder an schlecht einsehbaren Orten können auch häufiger verändert werden.
Was tun bei Kreditkartenbetrug?
Bei Kreditkartenbetrug ist schnelles Handeln gefragt. Verbraucher sollten ihre Karte sofort sperren lassen. Das geht entweder online, in der App oder telefonisch. Die zentrale Sperrnummer +49 116 116 ist jederzeit erreichbar. Anschließend sollten Sie unberechtigte Umsätze dokumentieren und schriftlich reklamieren. Eine Anzeige bei der Polizei ist ebenfalls sinnvoll.
Wer haftet bei Kreditkartenbetrug?
In der Theorie haftet die jeweilige Bank bei Kreditkartenbetrug. Nur bei grober Fahrlässigkeit bleibt der Kunde auf dem Verlust sitzen. Wie der SWR jedoch berichtete, haben Verbraucher häufig kaum eine Chance auf Rückerstattung der gestohlenen Beträge. Viele Banken verweigern die Rückzahlung und berufen sich darauf, dass die betroffene Person selbst schuld sei. In so einem Fall führt meist kein Weg an rechtlicher Beratung vorbei.
Fazit: Darum ist Eigeninitiative gefragt
Kreditkarten haben mittlerweile gute Sicherheitsmechanismen – schließlich müssen sie gegen alle möglichen Betrugsmaschen gewappnet sein. Allerdings kommt es am Ende immer auf das Verhalten des Verbrauchers an. Betrug entsteht da, wo Warnsignale ignoriert und Sicherheitsfunktionen nicht genutzt werden. Daher ist Eigeninitiative ein Muss. Wer wachsam bleibt, regelmäßig seine Ausgaben kontrolliert und auf Schutzmechanismen setzt, ist relativ sicher.














