Die meisten Menschen in Deutschland setzen nur auf die Kfz-Haftpflichtversicherung. Insgesamt gab es laut Gesamtverband der Versicherer 2024 mehr als 71,1 Millionen abgeschlossene Policen. Mit großem Abstand folgten die Vollkasko mit 33,7 Millionen und die Teilkasko mit 21,8 Millionen Verträgen. Doch wie genau unterscheiden sich die Versicherungsarten – und wer sollte welche abschließen? Das erfahren Sie hier.
Das Wichtigste in Kürze:
- Die Kfz-Haftpflichtversicherung ist in Deutschland Pflicht. Sie deckt bei einem Unfall Personen-, Sach- und Vermögensschäden bei anderen ab.
- Schäden am eigenen Fahrzeug übernehmen nur die Teilkasko und die Vollkasko. Bei der Teilkasko ist der Versicherungsschutz jedoch begrenzt. Am meisten bietet die Vollkasko.
- Voll- und Teilkasko lohnen sich nicht für jedes Auto. Es kommt auf das Alter und den Zustand des Wagens an.
Was ist der Unterschied zwischen Teilkasko und Vollkasko?
Sowohl die Teilkasko als auch die Vollkasko bieten einen umfangreicheren Versicherungsschutz als die Kfz-Haftpflichtversicherung. Allerdings gibt es bei der Teilkasko Grenzen. Wer rundum abgesichert sein möchte, sollte auf die Vollkasko zurückgreifen. Die ist jedoch teurer.
Was zahlt die Teilkasko?
In der Teilkasko sind bei den meisten Versicherern folgende Aspekte versichert:
- Brand
- Kurzschluss
- Glasbruch
- Steinschlag
- Tierschäden
- Wildunfälle
- Schäden durch Naturgewalten
Quelle: Allianz. Stand: 14. Januar 2026.
Je nach Anbieter kann das leicht variieren. Die DEVK inkludiert zum Beispiel zudem grobe Fahrlässigkeit (außer bei Drogen oder Alkohol am Steuer). Ein ausführlicher Vergleich der Angebote ist daher unerlässlich.
Teilkasko der Haftpflicht?
Wer ein älteres Auto mit geringem Restwert hat, für den reicht möglicherweise auch eine reine Haftpflichtversicherung. Entscheidend sind die Mehrkosten bei einem Schaden sowie der Fahrzeugwert.
Welchen Schaden zahlt die Vollkasko?
Bei der Vollkasko sind in der Regel die gleichen Aspekte versichert wie bei der Teilkasko. Hinzu kommen aber noch die Kostenübernahme bei selbst verschuldeten Schäden am eigenen Fahrzeug, Vandalismus und Fahrerflucht.
Unterschiede im Überblick
| Schäden | Teilkasko | Vollkasko |
| Selbst verursachte Schäden | Nein | Ja |
| Vandalismus | Nein | Ja |
| Totalschaden des Fahrzeugs | Nein | Ja |
| Person begeht nach Schaden Fahrerflucht | Nein | Ja |
| Brandschäden | Ja | Ja |
| Glasbruch | Ja | Ja |
| Steinschlag | Ja | Ja |
| Unfall mit Wildtieren | Ja | Ja |
| Tierschäden (zum Beispiel Marderbiss) | Ja | Ja |
| Kurzschluss | Ja | Ja |
| Schäden durch Naturgewalten | Ja | Ja |
Quelle: Allianz. Stand: 14. Januar 2026.
Ab wann sollte man von Vollkasko auf Teilkasko umstellen – und umgekehrt?
Doch woher weiß man nun, ob man die Teilkasko oder die Vollkasko abschließen sollte? Das hängt von der individuellen Situation ab:
Wann zur Teilkasko wechseln: Laut Nürnberger Versicherung »gilt die Faustregel, dass sich Vollkasko bei Neuwagen während der ersten drei bis fünf Jahre lohnt«. Das heißt, nach dieser Zeit sollten Fahrzeughalter darüber nachdenken, zur Teilkasko zu wechseln. Insgesamt kommt es aber auf den Zustand und die Art des Autos an. Bei einem besonders teuren Wagen in (sehr) gutem Zustand kann sich auch weiterhin die Vollkasko lohnen.
Wann zur Vollkasko wechseln: Ohne Fahrzeugwechsel ist ein Umstieg von der Teilkasko zur Vollkasko eher selten. Wer sich aber einen Neuwagen oder Jahreswagen zulegt, ein Auto finanziert oder least oder von einem höheren Schadensrisiko ausgeht, sollte einen Blick auf die Vollkasko werfen.
Um eine fundierte Entscheidung zu treffen, sollten Fahrzeughalter unter anderem diese Fragen beantworten:
- Aktueller Zeitwert: Wie hoch ist der aktuelle Zeitwert des Autos? Bei einem niedrigen Wert lohnt sich die Vollkasko nicht mehr.
- Finanzielle Lage: Lässt sich ein selbst verschuldeter Totalschaden verkraften? Wenn nicht, ist der Blick auf die Vollkasko lohnenswert.
- Kosten vs. Nutzen: Wie hoch sind der Versicherungsbeitrag und die Selbstbeteiligung im Vergleich zum Nutzen? Hohe Kosten bei geringer Leistung deuten darauf hin, dass die Teilkasko besser passt.
- Risikoanalyse: Wie hoch ist das persönliche Schaden- und Vandalismusrisiko? Wer keinen abgeschlossenen Parkplatz hat und mit dem Auto häufig in viel befahrenen Gegenden (wie beispielsweise Städten) unterwegs ist, hat ein höheres Risiko.
Kostenvergleich: Wie unterscheiden sich die Beiträge?
Um die Kosten einschätzen zu können, vergleichen wir die Angebote für zwei verschiedene Fahrzeuge.
Beispiel 1: Zuerst betrachten wir einen VW Golf aus dem Jahr 2024 mit 115 PS. Es wird eine jährliche Fahrleistung von 12.000 Kilometern benötigt. Außerdem steht das Auto über Nacht auf einem normalen Parkplatz. Der Fahrzeughalter ist 44 Jahre alt und lebt in München.
Bei jährlicher Zahlung und 150 Euro Selbstbeteiligung kostet die Teilkasko 341,01 Euro pro Jahr. Bei der Vollkasko mit 300 Euro Selbstbeteiligung sind es hingegen 568,15 Euro pro Jahr.
So setzen sich Teilkasko und Vollkasko zusammen:
| Versicherung | Teilkasko | Vollkasko |
| Kfz-Haftpflicht | 203,41 Euro | 203,41 Euro |
| Kasko-Versicherung | 137,60 Euro | 364,74 Euro |
| Gesamt | 341,01 Euro | 568,15 Euro |
Quelle: Check24. Stand: 14. Januar 2026.
Für die Vollkasko-Versicherung müsste der Fahrzeughalter 227,14 Euro mehr bezahlen.
Beispiel 2: Wenn wir nun die gleichen Voraussetzungen nehmen, das Auto allerdings durch einen Mercedes-Benz aus dem Jahr 2024 mit 305 PS tauschen, erhalten wir folgende Preise: Die Teilkasko würde für das Auto bei einem Selbstbehalt von 150 Euro und jährlicher Zahlweise 598,72 Euro kosten. Bei der Vollkasko Selbstbeteiligung von 300 Euro fwären es hingegen 1.150,55 Euro.
Hier setzten sich die Kasko-Versicherungen folgendermaßen zusammen:
| Versicherung | Teilkasko | Vollkasko |
| Kfz-Haftpflicht | 285,79 Euro | 285,79 Euro |
| Kasko-Versicherung | 312,93 Euro | 864,76 Euro |
| Gesamt | 598,72 Euro | 1.150,55 Euro |
Quelle: Check24. Stand: 14. Januar 2026.
Für die Vollkasko entstehen dem Fahrzeughalter Mehrkosten in Höhe von 551,83 Euro.
Gut zu wissen: Der Fahrzeugpreis entscheidet nur bedingt über die Höhe der Versicherung. Ausschlaggebend sind die Typ- und die Regionalklasse. Die Typklasse bewertet, wie oft ein bestimmtes Auto Schäden verursacht und wie teuer diese sind. Die Regionalklasse richtet sich nach dem Schadenaufkommen am Wohnort des Fahrzeughalters.
Fazit: Welche Kfz-Versicherung ist die bessere Wahl?
Wie bei allen Versicherungen kommt es auch bei der Kfz-Versicherung auf den Einzelfall an. Bei jungen, teuren oder finanzierten Fahrzeugen ist die Vollkasko meist die bessere Wahl. Für ältere, günstigere Fahrzeuge mit geringem Zeitwert reicht in der Regel die Teilkasko. Die Entscheidung richtet sich nach dem Fahrzeugwert, dem Schadensrisiko und der persönlichen Risikobereitschaft. Fahrzeughalter sollten nicht das erstbeste Angebot annehmen, sondern gut vergleichen.
















