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Quickcheck: Withings U-Scan Test: Withings U Scan Aufmacher Gesundheit & Wellness Foto: F.A.Z. Kaufkompass

Healthcare mit Harn: Withings U-Scan im Check

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Wer seine Gesundheit ein wenig im Auge behalten will, der hat heutzutage mit Smartphone, Smartwatch und anderen smarten Geräten gute Möglichkeiten dazu. Umfragen zeigen, dass mittlerweile 15 Prozent der Bevölkerung solche Wearables nutzen, um ihre Gesundheitsdaten digital zu tracken. Deren Sensoren ermitteln die gelaufenen Schritte, die Herzfrequenz, den Blutsauerstoff, die Schlafqualität, das Gewicht und – je nach Modell – sogar den Blutdruck. Der französische Hersteller Withings, bekannt unter anderem durch seine Smartwatches und smarten Waagen, geht mit dem U-Scan ein Stück weiter: Eingehängt in die Toilettenschüssel lassen sich mehrere Körperparameter aus dem Urin regelmäßig zu Hause analysieren. Wir haben uns zwei U-Scans bestellt und geprüft, wie gut sich das teure Gerät in der Praxis schlägt.

Withings U-Scan im Test

Für unseren Praxistest haben wir den U-Scan wie vom Hersteller beschrieben vorbereitet. Dazu muss der Akku des runden, etwa handtellergroßen und flachen Messgerätes zunächst in der mitgelieferten und robusten Lade- und Reinigungseinheit aufgeladen werden. Danach wird die Messeinheit durch Drehen geöffnet. Das geöffnete Gerät erlaubt zum einen Zugriff auf den Knopf, der es per Bluetooth und WLAN mit der Withings-App auf dem Smartphone koppelt und das neueste Update aufspielt. Zum anderen lässt sich nun die mitgelieferte Messkartusche in das Gerät einlegen.

Ernährungs-Scan

Withings U-Scan Nutrio

Der U-Scan Nutrio ist dafür zuständig, Ketone, Vitamin C, Bio-Säure und Hydro-Status zu analysieren.
Quickcheck: Withings U-Scan Test: U Scan Nutrio Proactive
  • Nutrio-Kartusche misst Ketone, Vitamin C, Bio-Säure und Hydro-Status
  • Nur im Abo
  • Sehr Teuer
  • Im Test technisch noch unausgereift

Withings bietet zweierlei Kartuschen an: Nutrio misst Ketone, Vitamin C, die Bio-Säure und den Hydro-Status. Sie soll dazu dienen, die Auswirkungen der Ernährung auf den Körper zu erkennen. Calci dagegen erhebt den Kalziumspiegel im Urin sowie Bio-Säure und Hydro-Status. Das soll helfen, kalziumbedingte Nierensteine vorzubeugen. Ärgerlich ist, dass man das nicht in einer einzigen Kartusche messen kann.

Vorsorge gegen Nierensteine

Withings U-Scan Calci

Mit dem US-Scan Nutro lassen sich kalziumbedingte Nierensteine vorzeitig erkennen.
Quickcheck: Withings U-Scan Test: U Scan Nutrio Proactive
  • Calci-Kartusche misst Kalzium, Bio-Säure und Hydro-Status
  • Nur im Abo
  • Sehr Teuer
  • Im Test technisch noch unausgereift

Kartuschen nur im Abo

Die Kartuschen gibt es nicht einzeln zu kaufen, sondern nur im Abo bei Withings. Neben dem Anschaffungspreis von 345 Euro für den U-Scan alleine kommen pro Kartusche noch einmal 100 Euro dazu. Die hält bei zwei Testungen pro Woche 2,5 Monate, bei fünf Testungen pro Woche nur einen Monat.

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Quickcheck: Withings U-Scan Test: Withings U Scan
Der U-Scan hängt quasi wie ein Duftstein in der Toilette, allerdings vorne und nicht an der Seite.
Quickcheck: Withings U-Scan Test: Withings U Scan
Das gehört zum U-Scan: Halterung, Messgerät in Muschelform, Lade- und Reinigungseinheit und eine Kartusche.
Quickcheck: Withings U-Scan Test: Withings U Scan
Im Inneren des Messgerätes gut erkennbar sind der Startknopf zum Koppeln sowie der Platz für die Kartusche.
Quickcheck: Withings U-Scan Test: Withings U Scan
Die Kartusche wird in die Aussparung in der Mitte des Messgerätes nur eingelegt und reicht für 22 Messdurchgänge.

Ist die Kartusche in das Messgerät eingelegt, wird der Deckel wieder fest zugeschraubt. Mit der flachen Hand alleine klappt das allerdings nicht zuverlässig. Withings legt daher separat ein Closing Tool bei, das wohl zu Beginn nicht vorgesehen war, denn es erscheint nirgendwo in der Anleitung. Es ähnelt einem großen Saugnapf mit Griff und erleichtert das feste Zudrehen des Deckels, sodass kein Wasser eindringen kann. Mit einer der beigelegten Bügel wird U-Scan schließlich in die Toilette eingehängt.

20 Minuten dauert die Analyse des Urins

Mit Abo schlägt die App einen idealen Abstand und Zeitpunkt für die Messung vor. Wir haben die Messvorgänge manuell aus der App heraus angestoßen, was jederzeit möglich ist, beispielsweise zum Nachtesten. Nach dem Starten eines Messvorgangs hat der Nutzer zwei Minuten Zeit, um auf das in der Toilettenschüssel eingehängte Messgerät zu urinieren. Ein Wärmesensor zeigt dem Messgerät, wann das Urinieren beginnt, und sammelt über die Einlassöffnung zwei bis drei Sekunden lang eine ausreichende Menge Körperflüssigkeit für die Messung, begleitet von einigen Geräuschen und blinkenden LEDs.

Bis die Auswertung abgeschlossen ist, dauert es rund 20 Minuten. Danach spült sich das Messgerät von allein und es können die Messwerte in der App abgerufen werden. Dazu gehört auch eine Einschätzung, ob die Werte okay, zu hoch oder zu niedrig sind und woran das liegen kann. Zu detailreiche Informationen darf man allerdings nicht erwarten. Eine Auswertung erfolgt zudem grafisch, so lässt sich die Entwicklung der Messwerte gut im Verlauf verfolgen.

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Quickcheck: Withings U-Scan Test: Ucan Screenshot
Quickcheck: Withings U-Scan Test: Ucan Screenshot
Quickcheck: Withings U-Scan Test: Ucan Screenshot

Gereinigt wird die Oberfläche des U-Scan bei jedem normalen Spülvorgang in der Toilette automatisch oder man beseitigt Verschmutzungen bei Bedarf mit einem Feuchttuch. Nach etwa drei Monaten empfiehlt die App, den U-Scan ins Lade- und Reinigungsgerät mit etwas Wasser und dem beigelegten Reinigungspulver einzulegen und einer Tiefenreinigung zu unterziehen. Wir haben es schon früher ausprobiert: Der U-Scan muss dafür 3,5 Stunden im Reinigungsgerät und am Strom verbleiben. In der Zeit lädt sich der Akku zunächst komplett auf, danach folgt der Reinigungsvorgang mit etwas nervigen Vibrationsgeräuschen. Danach ist der U-Scan wieder einsatzbereit.

Praxistest: Licht und Schatten

In unserem Praxistest funktionierte der erste U-Scan leider nur teilweise, tatsächlich gab es sogar zahlreiche Probleme. Der erste Durchlauf verlief noch problemlos. Eine Auswertung des zweiten Messvorgangs gab es nicht, obwohl sie scheinbar korrekt gestartet wurde. Dreimal ging im Testzeitraum von sieben Tagen die Verbindung zum Smartphone einfach verloren, was wir nur durch Herausnehmen des Messgerätes aus der Toilette, Öffnen, Softreset und erneutes Koppeln beheben konnten. Der darauffolgende Messvorgang klappte wieder. Von den vier nächsten Messungen jedoch erhielten wir wieder keinerlei Auswertung. Im Endeffekt blieben von elf Versuchen nur drei Ergebnisse.

Technische Probleme passieren, gerade bei einem noch neuen Gerät. Allerdings sollte dann die App das Problem mit einer Meldung beschreiben, um den Fehler möglicherweise abzustellen und dem Hersteller zwecks Nachbesserung mitteilen zu können. Aber weder die App noch die LEDs am Messgerät selbst zeigten auch nur irgendeine Fehlermeldung an.

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Quickcheck: Withings U-Scan Test: Withings U Scan
Der U-Scan kennt zweierlei Kartuschen: Nutrio analysiert die Wirkung von Ernährung auf den Körper, Calci soll die Niere gesund halten.
Quickcheck: Withings U-Scan Test: Withings U Scan
Nur wenn die Anzeigen von Ober- und Unterseite des Messgerätes übereinander stehen, ist das Gerät wasserdicht verschlossen.
Quickcheck: Withings U-Scan Test: Withings U Scan
Ohne den mitgelieferten Riesensaugnapf funktioniert das Öffnen und Schließen aber so gut wie gar nicht zuverlässig.
Quickcheck: Withings U-Scan Test: Withings U Scan
Über diese kleine Öffnung zieht sich der U-Scan eine Urinprobe.

Unsere Vermutung: Der U-Scan benötigt dringend eine WLAN-Verbindung, um die Messdaten in der Cloud auszuwerten und dort speichern zu können, bevor sie auf das Smartphone gesendet werden. Ist die Verbindung unterbrochen, unterschlägt der U-Scan die Messung einfach, obwohl natürlich die Testkapazität der Kartusche trotzdem um einen Durchlauf verringert ist. Die WLAN-Verfügbarkeit in der Nähe des U-Scan war in unserem Testlauf allerdings stets sehr gut.

Viele Mess­vorgänge blieben im Test ohne Ergebnis

Zur Kontrolle aktivierten wir unser zweites U-Scan-Gerät. Messungen wurden hier zu Beginn problemlos auf die App gemeldet. Allerdings verlor auch dieser U-Scan mehrmals die Verbindung und brach nach vier problemlosen Messungen seine Arbeit plötzlich ganz ab mit der Fehlermeldung, er könne die Kartusche nicht mehr erkennen. Um dann eine Stunde später so zu tun, als hätte es diesen Fehler nie gegeben. Hier beendeten dann auch wir unseren Test.

Wir wollten die Probleme mit Withings klären, doch das ist nur per Support-Chat möglich. Der scheint aber überlastet zu sein und wird zudem automatisch in die Landessprache des Support-Mitarbeiters übersetzt, sodass wir nach über einer Stunde schließlich genervt aufgegeben haben, weil die Reaktion des Support-Mitarbeiters jeweils zehn Minuten dauerte oder ganz ins Stocken geriet. Das alles passt eigentlich nicht zu Withings, die sich bisher einen Namen mit ausgefeilten Produkten gemacht haben. Gerade bei einem Gerät mit medizinischem Anspruch sorgen Ausfälle nicht gerade für Vertrauen.

Fazit

Withings preist U-Scan Nutrio und Calci als miniaturisiertes Urinlabor für zu Hause an, mit dem man seine Gesundheit verbessern könne. Tatsächlich konnte uns der U-Scan aber nicht überzeugen. Bei uns hat das erste Gerät zu oft die Verbindung zum Smartphone verloren und zu mehreren abgegebenen Urinproben erschien in der App weder eine Auswertung noch eine Fehlermeldung. Withings schreibt zwar, dass sie bei solchen Problemen eine kostenlose Kartusche nachschicken. Schließlich war der Support-Chat jedoch eine Zumutung und keine Hilfe. Einen Telefon-Support gibt es nicht. Auch das zweite Gerät hatte mit Verbindungsabbrüchen zu kämpfen und erkannte zudem nach vier Messungen die Kartusche nicht mehr.

Dafür ist der Preis von 349 Euro für das Messgerät und 100 Euro pro Kartusche zu hoch und richtet sich ohnehin eher an ambitionierte Selbsttracker. Denn wissenschaftlich betrachtet bringt der U-Scan nur Menschen mit klar definierten Risikokonstellationen, wie etwa Nierensteinpatienten, einen Vorteil. Studien, die einen gesundheitlichen Nutzen für Gesunde belegen, sind derzeit keine veröffentlicht. Nicht auszuschließen ist ein psychologischer Effekt, indem man sich durch den U-Scan mehr mit seinem Körper beschäftigt und schädliches Fehlverhalten allenfalls korrigiert. Allerdings muss man ehrlich sagen: Alle vom U-Scan erhobenen Werte lassen sich auch für ein paar Euro mit Urin-Teststreifen aus der Drogerie oder Apotheke erheben. Natürlich weniger komfortabel, nicht auf eine Ziffer exakt und nicht digital gespeichert.

Klar sollte man sich darüber sein, dass man in jedem Fall sensible und persönliche Daten an den Withings-Server überliefert. Denn ohne Cloud-Anbindung funktioniert der U-Scan nicht. Der Server sitzt zwar in Frankreich und unterliegt der europäischen Datenschutzrichtlinie, Daten in der Cloud sind aber nie zu hundert Prozent geschützt.

Passend zum Thema

Withings feiert den U-Scan selbst als Ernährungsrevolution, da das Gerät maßgebliche Gesundheitsparameter untersucht. Nüchtern betrachtet ist das Gerät weit davon entfernt. Schaut man sich die fünf untersuchten Parameter im Urin an, besitzen sie für Gesunde ohne Risikofaktoren nach aktuellem Stand nur eine begrenzte klinische Relevanz. Es gibt keine medizinischen Leitlinien, die Gesunden eine Überwachung dieser Werte empfehlen, um gesund zu bleiben. Damit ist das U-Scan ein Lifestyle-Gerät und dient nicht der evidenzbasierten Vorsorge, denn Studien fehlen, die einen Nutzen dafür belegen würden.

Parameter oft ohne klinische Relevanz

Der Hydro-Status zeigt, ob die Flüssigkeitszufuhr ausreichend ist. Tatsächlich trinken viele von uns zu wenig, besonders Ältere. Kopfschmerzen und weniger Leistungsfähigkeit können dann die Folgen sein. Allerdings können die meisten Menschen ihren Flüssigkeitsbedarf gut selbst einschätzen. Auch die Urinfarbe gibt Aufschluss. Eine große Trinkflasche bringt hier mehr als ein teurer Nachweis, zumal der nur tagesaktuell ist. Allenfalls für Sportlerinnen und Sportler mit dem Ziel, ihre Leistung und Erholung zu optimieren, könnte der Wert hilfreich sein.

Ketone werden von der Leber gebildet, wenn die Kohlenhydratzufuhr gering ist und der Körper dadurch Fett zur Energiegewinnung nutzen muss. Dieser Parameter ist besonders interessant für Menschen, die gerade eine Keto- oder Low-Carb-Diät einhalten, fasten oder als Ausdauersportler trainieren. Typ-1-Diabetiker haben dagegen mit einem Blutzucker- und Ketonmessgerät eine schnellere und präzisere Messung, um eine gefährliche Stoffwechselentgleisung zu erkennen. Für die Allgemeinbevölkerung ohne spezielle Ernährungsform oder Erkrankung ist dieser Wert meist ohne klinische Relevanz.

Der Bio-Säuregehalt misst den momentanen pH-Wert des Urins. Darüber lassen sich mögliche Auswirkungen verschiedener Lebensmittel auf den Körper nachvollziehen, denn eine proteinreiche, insbesondere tierische Ernährung kann den Urin-pH senken. Allerdings ist schon lange bekannt, dass zu viele tierische Lebensmittel ungesund sind. Wer sich ausgewogen ernährt, braucht keinen Nachweis dafür. Interessant ist das nur für Nierenstein-Patienten, aber nicht für Gesunde.

Vitamin C im Urin weist darauf hin, dass kürzlich Vitamin C aufgenommen und ein Überschuss ausgeschieden wurde. Vitamin C ist wichtig für das Immunsystem, die Eisenaufnahme und ist ein Antioxidans. Aber auch hier gilt: Wer sich schon einigermaßen ausgewogen ernährt, erhält nicht nur genug Vitamin C, sondern auch andere wichtige Vitamine wie zum Beispiel aus dem B-Komplex.

Zu viel Kalzium im Urin kann das Risiko für Nierensteine erhöhen. Um das Risiko dafür deutlich zu reduzieren, gilt es, den Konsum von Salz, tierischen Eiweißen und Flüssigkeit auf die empfohlenen Mengen anzupassen. Dass man zu viel davon konsumiert und zu wenig trinkt, lässt sich auch ohne technische Unterstützung korrigieren.

Nur wenig Nutzen bei Gesunden

Schlussendlich belegt der U-Scan vor allem, dass langläufig bekannte Aussagen zu ungesunden Essgewohnheiten auch auf den eigenen Körper zutreffen. Alle gemessenen Werte sind zudem tages- und situationsabhängig und schwanken binnen Stunden oder im Tagesverlauf stark. Hier hilft also allenfalls eine längerfristige Erfassung über Wochen und Monate, um einen Trend erkennen zu können. Eine teure Sache.

So bleibt als einziger Vorteil des U-Scan ein möglicher psychologischer Effekt: Wer sich mit seiner Ernährung und seinem Körper näher auseinandersetzt, ist eher bereit, schädliches Fehlverhalten zu korrigieren, also mehr zu trinken oder weniger tierisches Eiweiß zu essen. Dass dieser Effekt eintritt, dafür gibt es aber keine Garantie. Allerdings kann man sich durch solches Self-Tracking mit dem U-Scan auch in eine Scheinsicherheit begeben: Sind die paar gemessenen Werte weitestgehend im Sollbereich, fühlt man sich gesund und geht nicht zum Arzt, auch wenn es zwickt.

Anders sieht es aus, wenn Kranke bestimmte Werte kontrollieren müssen, weil sie zum Beispiel schon mal Nierensteine hatten. Aber für diese Zielgruppe ist der U-Scan nicht konzipiert, er ist ein Lifestyle-Gadget. Kranke sind bei ihrem Arzt besser aufgehoben, denn der erhebt noch andere Werte und kann sie richtig einordnen.

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