Bei Autos sind sie bereits Gang und Gäbe, bei Pilotenhelmen ebenfalls: Head-up-Displays (HUDs). Um nicht vom Verkehrsgeschehen im Straßen- bzw. Luftraum abgelenkt zu werden, werden Fahrt- bzw. Fluginformationen von innen an die Windschutzscheibe bzw. das Helmvisier projiziert. Das soll zum einen für mehr Sicherheit sorgen – und zum anderen einen besseren Datenüberblick ermöglichen.
Warum, dachte sich der französische Hersteller Engo, sollte man diese Technologie nicht auch in Fahrradbrillen integrieren? Die Vorteile liegen schließlich auf der Hand – wenn alle Fahrtinformationen direkt ins Blickfeld eingeblendet werden, muss man nicht erst Richtung Lenker schauen, um informiert zu sein – und damit den Blick von den womöglich vor einem liegenden Gefahrenquellen abwenden.
Wir haben uns gefragt, was in der High-Tech-Sportbrille steckt und sie für einige Testrunden gegen unsere »normale« Fahrradbrille getauscht. Wie sich die Engo 2 im Training schlägt, erfahren Sie hier.
Engo 2 Photochromic Large
Technische Daten:
Gewicht: 36 g (Standardversion), 40 g (photochromatische Version)
Akkulaufzeit (Herstellerangabe): maximal 12 h (Ladezeit ca. 3 h per USB mit magnetischem Ladeadapter)
Linsen: Standard-Version: Polycarbonat‑Scheibe, Kategorie 3; photochromatische Version: dynamisch von Kat. 0 bis 3
Kompatible Geräte (Stand 07/25):
- Garmin: rund 100 Modelle der verschiedensten Produktgruppen – von der Edge- bis zur Forerunner-Serie
- Suunto: 5, 9, Race, Race S, Vertical, Ocean
- Apple Watch: watchOS Version 10.1 und höher
- iOS: Version 13.0 und höher
- Android: Version 6.0 und höher
Die Funktion
Wie funktioniert das Ganze? Eine erstaunlich kompakte “Beamer-Einheit”, die um den Nasensteg angeordnet ist, projiziert die aktuellen Aktivitätsdaten von innen in die linke obere Ecke im rechten Sichtbereich des Brillenglases. Die Fahrdaten werden dort in einem blassen Orangeton dargestellt.
Damit man die Brille nutzen kann, muss sie allerdings zunächst mit der auf dem Smartphone installierten Active Look-App verbunden werden. Sie fungiert – in Kooperation mit den Smartphone-Sensoren – als Datenlieferant via Bluetooth.

Um die Brille zur Zusammenarbeit zu bewegen, wird sie zunächst über die App konfiguriert, was relativ schnell erledigt ist. Die Active Look-App ist gleichzeitig die Plattform, auf der die mit der Brille “aufgenommenen” Aktivitäten gespeichert und abgerufen werden können. Sie lässt sich z.B. mit Strava und damit der wohl beliebtesten GPS-Datensharing-Plattform synchronisieren und funktioniert somit ähnlich wie die jeweiligen “Herstellerplattformen” von Suunto, Garmin und anderen.
Hat man die notwendigen Konfigurationsschritte korrekt durchwandert und die Brille mit Hilfe eines winzigen Power-Buttons eingeschaltet, darf man sich das digital vernetzte Nasenfahrrad auch schon auf dieselbe setzen. Im Idealfall sollte sich die Brille nun zügig mit der App auf dem Smartphone (in unserem Fall ein rund vier Jahre altes Google Pixel 7 Pro), mit der Laufuhr oder dem Fahrradcomputer verbinden.
In unserem Kurzcheck hat das größtenteils gut geklappt – ein paar Ruckler gab es jedoch, von einem reibungslosen Pairing kann man noch nicht sprechen. Wir hatten, wohlgemerkt, aber auch schon deutlich “störrischere” Geräte im Test. Hat das Pairing geklappt, werden die beim nächsten Training via Active Look-App, GPS-Uhr und/oder GPS-Fahrradcomputer ermittelten Echtzeit-Daten im Head-up-Display der Brille eingeblendet. Hat man GPS-Uhr oder GPS-Fahrradcomputer via Active Look-App mit der Brille »bekannt gemacht«, verbinden sie sich in Folge auch ohne Smartphone miteinander.
Welche Daten in der Brille in wie vielen Datenfeldern angezeigt werden, ist via App konfigurierbar. Maximal sechs Datenfelder lassen sich einblenden, wobei wir mit drei bzw. vier Datenfeldern deutlich besser zurechtkamen. Sechs Felder sind – zumindest für unseren Geschmack – etwas zu viel des Guten.
Taugt die Engo 2 für alle Sportarten?
Wir haben die Engo 2 mit dem Rennrad, dem Mountainbike, dem Faltrad und dem Citybike getestet. Selbstverständlich funktioniert die Brille auf allen Fahrradarten gleich gut, allerdings gibt es, was die Nutzung angeht, Unterschiede. Auf einer technischen MTB-Tour, während der man sich auf die Strecke konzentrieren muss, schaut man vielleicht hin und wieder auf die eingeblendeten Daten, die von der Brille gelieferten Informationen bleiben jedoch mehr oder weniger “nützliches Beiwerk”. Zu sehr zieht der Untergrund die Aufmerksamkeit auf sich, zu sehr ist man damit beschäftigt, die Abfahrt (oder den Uphill) unfallfrei über die Bühne zu bringen.
Bei “harmloseren” MTB- oder E-Bike-Touren mag das indes etwas anders aussehen, hier mag man mehr Zeit finden, sich auch auf die HUD-Daten zu konzentrieren. Beim Rennradfahren und Citybiken, wo man sich nicht permanent auf die vor einem liegende Strecke konzentrieren muss und eventuell auch kurz mal einen Blick auf das “Brilleninnere” riskieren kann, gilt das Gleiche.
Engo 2 als Laufbrille
Ähnlich sieht es beim Laufen aus – auch hier kann die Brille punkten. Hat man sie so konfiguriert, dass die Pace – also die aktuelle Durchschnittsgeschwindigkeit in Minuten pro Kilometer – eingeblendet wird, ist es denkbar einfach, sich danach zu orientieren. Auf eine bestimmte Zielzeit hin zu trainieren, zum Beispiel bei einem Halbmarathon, geht leicht von der Hand. Man hat die Zeit, im wahrsten Sinne des Wortes, stets im Blick.
Beim Laufen kommt dann auch die Gestensteuerung zur Geltung, die – zumindest, wenn man die StVO beachten möchte – beim Radfahren nur mit etwas Akrobatik benutzt werden kann. Mithilfe eines Foto-Sensors an der Front der Brille kann zwischen verschiedenen Datenfeldern “durchgewischt” werden.
Der Sitz
Nicht zu vergessen ist der Tragekomfort der Brille. Trotz der verbauten Elektronik ist sie relativ leicht – bei der “Standardversion” zeigt unsere Waage 36 Gramm an, für die photochromatische Variante 40 Gramm. Die Brillenbügel lassen sich für einen besseren Sitz geringfügig verbiegen, der Nasensteg ist mit angenehm weichem Gummi beschichtet, der weich auf der Haut liegt, sich aber nicht zu schwammig anfühlt.
Natürlich gehört die Engo nicht zu den leichtesten Sportbrillen, die Schwungmasse ist jedoch gering genug, dass einem die Brille weder beim Radfahren noch beim Laufen von der Nase rutscht.
Fazit
Zumindest in unserem Fall war es bei Radfahrten so, dass wir instinktiv häufiger auf das kontraststarke Display des Fahrradcomputers blickten als auf das Head-up-Display der Brille. Bei allen Radfahrten, die wir mit der Engo 2 absolvierten, erschien uns die Brille eher als eine interessante technische Spielerei oder als Zubehör, denn als vollwertiger Ersatz für einen mit vielen Funktionen ausgestatteten GPS-Fahrradcomputer. Als Lauf-Accessoire sehen wir hingegen mehr Sinn in der Brille, da man sie hier auch per Gesten steuern kann und z. B. die Pace stets im Blick hat.

Ein kleiner Nachteil ist die Tatsache, dass die in der Brille verbauten optisch-elektronischen Bauteile die Sicht – vorsichtig gesagt – ein wenig beeinträchtigen. Dadurch, dass der “Minibeamer” und die weitere in der Brille verbaute Elektronik in das Sichtfeld hineinragen, hat man das Gefühl, als seien störende Gegenstände wie beispielsweise ein großer Fussel oder eine Fliege auf dem Brillenglas gelandet. Zwar gewöhnt man sich mit der Zeit daran, trotzdem bietet die Engo 2 eben nicht ganz den ungehinderten Blick anderer Fahrradbrillen.
Vielleicht ist aber alles nur Gewöhnungssache. Richtungsweisend ist die Brille allemal und wir sind gespannt, was sich Engo im Bereich Sportsonnenbrillen mit Head-up-Display noch alles einfallen lässt.
An wen richtet sich die Engo 2?
Für unsere Begriffe ist die Brille ein Technologieträger. Engo demonstriert, was in Sachen Datenprojektion auf kleinstem Raum möglich ist. Sie ist zum einen ein nettes Spielzeug für Geeks und ein interessantes Gimmick für technikbegeisterte Radfahrer. Dass dieses Gimmick nicht ganz günstig ist, ist wiederum eine andere Frage…



















