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Unendliche Weiten: Smart-Teleskop Unistellar Odyssey Pro im Test

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Wer im urbanen Umfeld lebt und Spaß an der Sternenbeobachtung hat, sieht sich mit herkömmlichen, analogen Teleskopen mit einer Reihe von Hürden konfrontiert. Das fängt schon mit der allgegenwärtigen Lichtverschmutzung an, die den Kontrast zwischen den Himmelsobjekten und dem Hintergrund gerade in Städten so stark verringert, dass sich Sterne, Galaxien und Planeten nicht mehr ausreichend abheben. Zudem fällt Streulicht in das Objektiv ein, was den Kontrast weiter vermindert.

Wirklich optimal ist der Kontrast nur an wirklich dunklen Orten mit tiefschwarzem Nachthimmel, die erst einmal aufgesucht werden müssen. Wie man beispielsweise bei Lightpollutionmap sehen kann, kann das in dicht besiedelten Gegenden wie dem Ruhrgebiet schon einmal längere Wege bedeuten, die aufgrund des Equipments und der Abgeschiedenheit dunkler Orte wohl zumeist mit dem Auto bewältigt werden.

Nicht so beim Unistellar Odyssey Pro. Das elektronische Teleskop, das zum Testzeitpunkt für knapp 3.400 Euro zu haben war, bedient sich einiger aus der Digitalfotografie bekannter sowie weiterer proprietärer Techniken. Damit sind auch Beobachtungen sogenannter Deep-Sky-Objekte wie ferner Galaxien, Nebel und Sternenhaufen sowie schwach angeleuchteter Planeten im urbanen Umfeld zu ermöglichen.

Ausflüge mit analogen Teleskopen wollen zudem gut vorbereitet werden. Man muss sich zu Hause oder unterwegs mit Sternenkarten befassen, um festzustellen, welche Himmelsobjekte in der jeweiligen Nacht überhaupt wo am Nachthimmel sichtbar sind. Ist man am Beobachtungsort angekommen, muss man eventuell erst einmal mit Okularen mit kleiner Vergrößerung das Wunsch-Himmelobjekt auffinden und dann zu einem Okular mit stärkerer Vergrößerung wechseln, um Details sichtbar zu machen. Der Bildausschnitt, der bei stärkerer Vergrößerung angezeigt wird, ist nämlich so winzig, dass es der Suche nach der Nadel im Heuhaufen gleichen kann, das Objekt ins Visier zu bekommen.

Nicht so beim Unistellar Odyssey Pro, das vollautomatisch funktioniert und jede manuelle Einstellung überflüssig macht, sodass man sofort und ohne jede Vorbereitung loslegen kann. Astronomische Kenntnisse sind ebenfalls nicht erforderlich. Stativ aufstellen, Teleskop aufsetzen und fixieren, und schon geht es los. Um die Ausrichtung und das erforderliche Nachführen des Teleskops braucht man sich nicht zu kümmern, denn das erledigen die eingebauten Servomotoren.

Die Bedienung erfolgt über eine App, die für iOS und Android erhältlich ist und sich über Wi-Fi Direct mit dem Teleskop verbindet. Die App bietet Zugang zu einer Himmelsdatenbank mit über 5.000 Himmelsobjekten. Sie ermittelt den Standort über GPS und weiß deshalb, welche Sterne, Planeten, Nebel und Galaxien in der jeweiligen Nacht wo am Himmel sichtbar sind, und zeigt das entsprechend an.

Somit stellt das Unistellar Odyssey Pro den perfekten, wenn auch teuren Einstieg in die Welt der Astronomie dar.

Das Odyssey Pro im Test

Der Test wurde von einem einigermaßen dunklen Hinterhof in einem Vorort von Hamburg aus durchgeführt, der keinen völlig freien Rundumblick ermöglicht, uns aber ausreichend Objekte ins Visier nehmen ließ, um ein paar Aufnahmen für diesen Test zu ermöglichen. Auf der Lichtverschmutzungskarte ist der Ort hellrot markiert, was erschwerten Bedingungen entspricht, sodass sinnvolle Sternenbeobachtungen mit einem herkömmlichen Teleskop auf sehr helle Objekte wie den Mond beschränkt wären. In der Hamburger Innenstadt ist die Lichtverschmutzung allerdings noch erheblich stärker ausgeprägt.

Sternenportal

Unistellar Odyssey Pro

Anfängerfreundlicher geht es nicht. Aufstellen, verbinden, los geht’s – und das sogar in der Stadt.
Test Quickcheck: Smart-Teleskop Unistellar Odyssey Pro: Unistellar Odyssey Pro
  • Funktioniert auch bei Lichtverschmutzung
  • Leicht & kompakt
  • Top-Stativ im Lieferumfang
  • Vollautomatische Ausrichtung und Nachführung
  • App mit über 5.000 Himmelsobjekten
  • Himmelsobjekte auf Fotos nicht immer mittig
  • Ausrichtung auf Hindernisse kann zu Neustart zwingen
  • Ausrichtung kann dauern

Das Odyssey Pro kommt in einem stabilen Karton mit Trageschlaufe, der ähnlich wie ein Koffer aufgebaut ist, guten Schutz bietet, sich schnell und intuitiv be- und entladen lässt und so das Transport-Case der Wahl bleiben dürfte. Neben dem Stativ sind im Lieferumfang enthalten: magnetische Objektivabdeckung, Ladegerät, ein Satz Einstellwerkzeuge, Dokumentation.

Es wiegt rund vier Kilo, zu denen sich die 2,5 Kilo des mattschwarzen Stativs hinzugesellen, das offenbar aus Magnesium oder Alu besteht, dreifach ausgezogen werden kann und einen sehr stabilen und hochwertigen Eindruck hinterlässt. Oben gibt es einen Ring, in den das Teleskop mit einem Handgriff eingesetzt und mithilfe zweier Fixierschrauben sicher befestigt werden kann. Die maximale Höhe des Stativs selbst beträgt 103 cm, besonders hochgewachsene Nutzer werden sich sicher einige Zentimeter mehr wünschen, für den 1,80 Meter großen Tester war die Höhe optimal.

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Unistellar Odyssey Pro.
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Okular.
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Stativkopf.
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Das voll ausgezogene Stativ.
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Anschlüsse: USB-A, USB-C.
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Libelle und Fixierschrauben.

Mattschwarz und anfällig für Fingerabdrücke präsentiert sich das Kunststoffgehäuse, offensichtliche Verarbeitungsmängel sind uns nicht aufgefallen. Der Akku wird an der Unterseite eingesetzt. An der Seite kommen hinter einer Gummiabdeckung ein USB-A- und ein USB-C-Port zum Vorschein. Betriebszustand und Restladung werden mit LEDs angezeigt.

Nach dem Aufstellen und Einschalten verbindet man sein Smartphone oder Tablet per Wi-Fi Direct mit dem Teleskop, das sich zumeist in der Parkposition befindet und senkrecht nach oben gerichtet ist. Tippt man die entsprechende Schaltfläche an, richtet es sich automatisch aus, was bei wolkenfreiem Himmel durchaus eine Minute dauern kann. In der App wird nun angezeigt, welche Objekte gerade sichtbar sind, wobei Geländehindernisse natürlich nicht berücksichtigt werden. Die Ausrichtung und Nachführung während der Beobachtung oder der Aufnahmen und Stack-Fotos erfolgt automatisch.

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Quickcheck: Smart-Teleskop Unistellar Odyssey Pro Test: Screenshot
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Man kann auch einfach betrachten, worauf das Teleskop gerade ausgerichtet ist, oder man nutzt den nach Typ des Himmelsobjektes sortierbaren Katalog in der App für eine neue Ausrichtung. Die App tut, was sie soll, ist aber nicht vollständig übersetzt und hat teilweise Probleme, lange Namen so vollständig anzuzeigen, dass man auch erkennt, was gemeint ist. Zudem konnte sich der Hersteller Werbung für seine anderen Produkte nicht verkneifen.

Hier kommen wir auch zu dem einzigen, wenn auch nicht ganz unwichtigen Problem mit dem Unistellar Odyssey Pro: Die versehentliche Ausrichtung auf ein Hindernis kann dazu führen, dass die App nicht mehr reagiert und man das Teleskop neu starten muss. Das Problem tritt natürlich bei freiem Sichtfeld nicht auf. Wenn man das Teleskop aber etwa im Garten aufstellt, um von der Couch aus zu beobachten, kann das bei mangelnder Sorgfalt den einen oder anderen Ausflug zum Gerät erforderlich machen.

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Quickcheck: Smart-Teleskop Unistellar Odyssey Pro Test: Odyssey Pro 20250813 211226
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Aufnahmen können je nach den äußeren Bedingungen dauern. Wir hatten meistens nach zwei Minuten den Eindruck, dass sich das Bild nicht mehr verbessert. Stoppen kann man das Stacking zu jeder Zeit. Wenn das Teleskop genügend Bildinformationen gesammelt hat, erscheint eine weitere Schaltfläche, die die datenbankbasierte Einfärbung ins Bild rechnet. Für die eigentliche Aufnahme, die dann noch kurz zusammengerechnet werden muss, betätigt man die erste Schaltfläche erneut. Das Bild erscheint dann in runder, eckiger oder in beiden Formen (wählbar) in der Galerie und kann von dort aus geteilt oder vom Smartphone auf einen Computer übertragen werden.

Wie kompensiert das Unistellar Odyssey Pro Licht­verschmutzung?

  • Stacking: Das Teleskop führt mehrere Belichtungen durch und kombiniert sie zu einem viel klareren Bild. Das funktioniert deshalb, weil das Licht der Objekte sich addiert, während zufällige Störungen wie Rauschen ausgemittelt und herausgerechnet werden können.
  • Pixel-Binning: Kommt heutzutage in vielen Kameras und in fast jeder Smartphone-Kamera zum Einsatz. Dabei werden mehrere physische Pixel zu einem virtuellen Pixel zusammengefasst, was die Lichtempfindlichkeit erhöht und das Signal-Rausch-Verhältnis verbessert.
  • »Deep Dark Technology«: Das Teleskop analysiert das Bild und versucht gezielt, den Lichtanteil, der von künstlichen Quellen stammt, herauszufiltern. Lichtverschmutzung und Bildrauschen werden weiter reduziert.
  • »Vivid Vision Technology«: Das Teleskop färbt erkannte Objekte ein beziehungsweise verstärkt die Farben und bedient sich dabei der Daten des riesigen Gaia-DR3-Sternenkatalogs, in dem Tausende Beobachtungen hinterlegt sind.

Sehr schön: Der 6.600-mAh-Akku ist wechselbar, sodass die mit ca. fünf Stunden angegebene Akkulaufzeit sich beliebig verlängern lässt, indem man weitere Akkus zukauft. Geladen wird er per USB-C im Teleskop selbst oder mithilfe des beigefügten Ladegerätes.

Zusätzlich zur Beobachtung über den Bildschirm verfügt das Oddysey Pro über ein elektronisches Okular, mit dessen Hilfe man schnell erkennen kann, ob sich etwa Bäume oder Gebäudebestandteile im Weg befinden. Zur Beobachtung selbst eignet es sich nur bedingt, wir waren mit der Auflösung und Bildqualität nicht zufrieden.

Fazit

Das Unistellar Odyseey Pro empfehlen wir sowohl Astronomie-Profis, die sich einfach jede Menge Wege, Zeit und Einstellungs-Gefummel ersparen wollen, als auch Anfängern und Laien mit dem nötigen Kleingeld. Das Konzept geht auf, weil es die Sternenbeobachtung so weit vereinfacht, dass man das Handling im besten Sinne als idiotensicher bezeichnen und sich auch im urbanen Umfeld an den tollen Ergebnissen erfreuen kann.

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