E-Bikes gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Ob für lange Touren, die Stadt oder auch zum Mountainbiken: Ein gutes E-Bike ist dabei perfekt auf das Einsatzgebiet zugeschnitten. In der Stadt sind ein abgestimmter Antrieb, ein sicheres Handling und eine zuverlässige Ausstattung entscheidend. Bei E-Tourenrädern sind Komfort und Reichweite wichtiger, da man hier längere Fahrten übernimmt. E-Mountainbikes wiederum müssen mit einer präzisen Federung punkten.
Noch vorteilhafter ist es, wenn Modelle mehrere Eigenschaften vereinen können – ohne große Kompromisse. Wir haben das Kalkhoff Image 5+ Advance getestet, das als E-Citybike beworben wird. Das teure und schwere E-Bike hat sich im Test jedoch auch hervorragend auf längeren Touren geschlagen.
Kalkhoff Image 5+ Advance im Test
Das Kalkhoff Image 5+ Advance hat fast alles, was wir uns von einem E-Citybike wünschen: niedrigen Einstieg, wartungsarmen Riemenantrieb, bequeme Sitzposition, leistungsstarken Akku und einen beeindruckenden Motor. Für die Stadt ist das Kalkhoff fast ein wenig überdimensioniert.
Bei der Rahmengröße haben Fahrer die Wahl zwischen S, M, L und XL – ein Konfigurator auf der Kalkhoff-Homepage hilft, die passende Größe zu finden. Angesprochen werden Biker zwischen 1,50 und 1,96 Meter. Auswählen können diese zwischen den Farben Adamantsilver glossy, Diamondblack glossy und Sagegreen matt.

Der Einstieg des Velos ist super tief, sodass man in der Innenstadt jederzeit problemlos auf rote Ampeln und Baustellen reagieren kann. Der Rahmen ist präzise verarbeitet und exakt lackiert, hier wirkt alles wie aus einem Guss. Diese Qualität ist ein echter Genuss. Das sieht man auch an der lackierten und stabilen Akku-Abdeckung sowie den Alu-Schutzblechen. Der Gepäckträger wirkt ungemein massiv und ist mit bis zu 27 Kilo belastbar. Das reicht locker für die täglichen Einkäufe aus. Der so genannte Frontcarrier, ein vorderer Gepäckträger mit Körbchen, kostet 99 Euro extra. Er wiegt lediglich ein Kilo und schultert bis zu 10 Kilo.
Im massiven Rahmen ist ein Lithium-Ionen-Akku von Bosch mit 800 Wattstunden verbaut. Dieser lässt sich zum Laden oben herausnehmen. Er ist abschließbar, kann aber auch im Bike betankt werden. Als Motor ist der Performance Line PX von Bosch verbaut. Dabei handelt es sich um einen neuen Mittelmotor, der primär für Trekking und Touren entwickelt wurde. Statt einer Kette kommt ein Carbonriemen zum Einsatz. Geschaltet wird am rechten Lenker über einen Drehregler. Das ist gut so und deutlich besser als eine Automatik, wie sie bei Carbonriemen oft anzutreffen ist. Denn so findet man immer die perfekte Trittstufe. Allerdings lässt sich eine klassische Schaltung deutlich schneller und komfortabler bedienen.
Der Lenker ist verstellbar und vom Neigungswinkel her anpassbar. Schade, dass die Sattelstütze keinen Schnellverschluss besitzt. Der Sattel selbst bietet höchsten Sitzkomfort. Vorn verfügt das Image 5+ Advance über eine Federgabel mit 100 Millimeter langem Federweg. Die Reifen von Schwalbe sind etwas breiter und eignen sich sowohl für Fahrten auf Asphalt als auch auf Feldwegen.

Als Display und Bedieneinheit vertraut Kalkhoff auf das ausgereifte Bosch Kiox 300 Farbdisplay. Es lässt sich flexibel am Lenker positionieren, der Neigungswinkel kann frei angepasst werden. Außerdem hat man die Möglichkeit, die Statusleiste mit Akku-Ladestand, Uhrzeit und Geschwindigkeit individuell zu konfigurieren.
Der Bildschirm ist auch im Hellen gut ablesbar. Zu den dargestellten Informationen gehören unter anderem Höhendaten, Anstieg, Leistungs-, Trittfrequenz- und Kalorienanzeige. Ebenso erfährt man, wie lange man bereits unterwegs ist, wie viele Kilometer man insgesamt und am jeweiligen Tag zurückgelegt hat. Die Übersichtlichkeit ist top!
Bedient wird das Kalkhoff über eine kleine Steuereinheit. Über diese ist es unter anderem sehr komfortabel möglich, durch die Menüs auf dem Display zu blättern, das Licht einzuschalten und die Fahrmodi zu wechseln. Außerdem kann man die Schiebehilfe einschalten, die über eine sogenannte Hill-Hold-Funktion verfügt: Sie verhindert, dass das Rad an einem steilen Hang oder auf Treppen ungewollt zurückrollt.
Besitzer eines Apple- oder Android-Smartphones können die eBike Flow-App installieren. So steuert man per Smartphone sämtliche E-Bike-Funktionen, außerdem nutzt man Navigation und Routenplanung, schützt das Velo vor Langfingern und ruft diverse Tour- und Fitnessdaten ab. Wichtig: Die App kann man als nette Spielerei nutzen, man braucht sie aber nicht. Alle Funktionen des Image 5+ hat man über die Bedieneinheit und das Display im Griff.
Vorne und hinten bremst das Kalkhoff mit 180 Millimeter großen Scheibenbremsen. Das Rücklicht verfügt über eine Bremslichtfunktion, am Hinterrad ist ein Schloss fest verbaut.
Durch den tiefen Einstieg fährt sich das Image 5+ Advance auf den 29 Zoll großen Rädern sehr komfortabel. Aufsteigen und Absteigen sind jederzeit gefahrlos möglich. Der Sattel ist bequem, der Lenker lässt sich in die optimale Position bringen. So ist aufrechtes Fahren möglich.
Der Motor schiebt kraftvoll, aber nicht abrupt an. Die Übersetzung ermöglicht es, auch noch bei 27, 28 Stundenkilometern entspannt in die Pedale zu treten, ohne sich wie im Hamsterrad zu fühlen. Die Griffe bieten eine kleine Handauflagefläche, was den Fahrkomfort zusätzlich steigert.
Auch auf Kopfsteinpflaster oder Feldwegen fährt sich das Bike bequem, die gefederte Vordergabel eliminiert die schlimmsten Schläge. Die Bremsen packen sicher zu. Steigungen meistert man dank der 85 Newtonmeter ohne Schweißperle.
Fazit
Unter dem Strich ist das Kalkhoff Image 5+ Advance ein sehr gutes E-Citybike. Zum Preis von rund 5.000 Euro richtet es sich aber nicht an eine breite Käuferschicht. Mit 34 Kilo kann man das Velo zudem kaum tragen, eine Parkmöglichkeit in der Garage oder vor dem Haus ist damit nahezu unabdingbar.
Das Kalkhoff ist jedoch viel mehr als nur ein E-Citybike, rein für die Stadt ist es nämlich fast übermotorisiert. Es hat alle Charaktereigenschaften eines Tourenrads. Durch den starken Motor und den kräftigen Akku sind lange Strecken drin, im Turbo-Modus je nach Streckenprofil 45 bis 60 Kilometer, im Eco-Modus schafft das Velo locker über 100 Kilometer. Das Kalkhoff Image 5+ Advance eignet sich somit für alle, die ihr E-Bike zum alltäglichen Pendeln und Einkaufen genauso einsetzen möchten wie für eine lange Fahrradtour am Wochenende.

























