Wer Limo oder Bier schon einmal ungekühlt bei sommerlichen Temperaturen verkostet hat, weiß: Mit Genuss hat das nur sehr wenig zu tun. Die übliche Lösung ist dann der Kühlschrank. Dort ist Platz jedoch ein begrenztes Gut, und das Radeberger tritt in direkte Konkurrenz zu Radieschen und den Resten vom Vortag. Dazu vergehen Stunden, bis die Flaschen mitsamt Inhalt die gewünschte Frische erreicht haben.
Noch offensichtlicher tritt das Problem bei Wein zu Tage, denn gepflegter Chardonnay-Genuss ist Celsius-sensitiv – nicht umsonst schreiben Hersteller in der Regel eine empfohlene Trinktemperatur auf die Etiketten ihrer Tropfen. Zu kalt soll er allerdings auch nicht sein, das schadet dem Aroma. Wem es nicht an Platz und Geld mangelt, der schafft sich einen Weinkühlschrank an. Aber nicht für jeden sind die Geräte praktikabel, zumal sie teuer sind und das Platzproblem bei einer hinreichend großen Weinauswahl auch dort auftritt.
Einmaleins der Weinkühlung
Weine sind vielseitig und benötigen zur vollen Entfaltung geeignete Temperaturen. Weißwein trinkt man am besten bei kühlen 8-12 Grad, Rotwein bei 14-19 Grad, und Rosé platziert sich mit 10-13 Grad in der Mitte. Kühlt man seine Flasche in einem normalen Kühlschrank, ist die perfekte Temperatur nur schwer zu treffen, da die Frische aufgrund des sich immer wieder ein- und abschaltenden Kompressors leicht variiert und das Problem durch häufigeres Öffnen und Schließen der Tür noch verschärft wird. Besser geeignet sind Weinkühlschränke. Die gibt es in zwei Varianten: Weinklimaschränke und Weintemperierschränke.
Weinklimaschränke sind dafür optimiert, eine bestimmte Temperatur exakt zu halten und eine geeignete Luftfeuchtigkeit von ca. 60-80 Prozent zu gewährleisten – so trocknen die Korken nicht aus und die Qualität der Weine bleibt erhalten. Ihr Zweck ist vor allem die Lagerung, und man muss sich entscheiden, welchen Wein man darin aufbewahrt, da der gesamte Schrank nur eine einzige Temperatur zulässt – man spricht von einer Klimazone.
Weintemperierschränke hingegen sind die erste Wahl, wenn man beim Weingenuss gerne variiert. Entsprechende Geräte haben zwei oder mehr Klimazonen mit separat einstellbaren Temperaturen. Man kann also Weißwein, Rotwein und Rosé in ein und demselben Schrank auf den Punkt genau kühlen. Für Privathaushalte mit überschaubaren Weinvorräten eignen sie sich in der Regel besser als Weinklimaschränke. Ein Wermutstropfen ist jedoch der Preis: Schon günstige No-Name-Modelle mit zwei Kühlzonen beginnen zaghaft erst ab ca. 600 Euro, für edlere Markengeräte, besonders größere, werden sogar schnell mehrere Tausend Euro fällig.
Ritterwerk Beezer im Test
Kühlen nach Bedarf
Diese Lücke zu schließen schickt sich das oberbayrische Unternehmen Ritterwerk an. Der Getränkekühler Beezer soll, so das Versprechen, einzelne Flaschen in wenigen Minuten bis zur gewünschten Temperatur kühlen. Die Kühlung erfolgt also erst beim tatsächlichen Bedarf, und die Vorratshaltung kalter Getränke wird überflüssig. Das soll den Komfort erhöhen und gleichzeitig Energie sparen.
Ritterwerk Beezer
Soweit jedenfalls die Theorie. Wir haben den Ritterwerk Beezer getestet und klären auf, ob er seine wohlklingenden Versprechen hält, für wen er sich eignet und ob es sich um einen heißen Tipp oder nur einen lauwarmen Versuch handelt.
Das Gerät
Auf den ersten Blick wirkt der Ritterwerk Beezer wie ein stylisher PC oder ein futuristischer Subwoofer – von der sonst von kühlenden Küchengeräten gewohnten Ästhetik fehlt jede Spur. Auch seine Maße von 49 x 26 x 44 Zentimeter entsprechen ungefähr denen eines ausgewachsenen Desktop-Rechners. Das liegt zwar immer noch deutlich unter der Größe eines klassischen Weinkühlschranks, dennoch sollte man sich vor einem Kauf überlegen, wohin man das gute Stück später stellen möchte, zumal das Gewicht von mehr als 20 Kilogramm nicht dazu einlädt, den kühlenden Klotz häufig umzustellen.
Neben dem Design fällt zunächst die Verarbeitungsqualität positiv auf. Die Oberflächen aus Kunststoff sind sauber gearbeitet und bieten eine angenehme Haptik. Die Tür schließt satt dank integriertem Magneten. Das ist nicht nur komfortabel, sondern folgt auch funktionalen Bedenken, da so garantiert ist, dass die Luke auch wirklich zu ist.

Umringt von einem farbig leuchtenden Kreis ist ein kreisrundes Display in die Tür eingelassen. Neben einer Handvoll Symbole für WLAN und Co. kann es leider nur ein paar Striche darstellen, aber keine Ziffern. Das stört mehr, als man meinen könnte, und wir wundern uns, warum ausgerechnet an einer so prominenten Stelle gespart wurde. Während man über das dadurch getrübte Gefühl von Luxus hinwegsehen kann, leidet auch die Funktionalität unter der Billiganzeige – schade!
Das Bedienfeld umfasst lediglich vier Tasten, die einen angenehmen Druckpunkt aufweisen und eine vereinfachte Basissteuerung erlauben. Man kann in drei Stufen die gewünschte Kälte auswählen und ebenfalls in drei Stufen das Volumen des Getränkebehälters – standardmäßig liegen diese bei 0,33 Liter, 0,5 Liter und 0,75 Liter. Hier tritt deutlich zu Tage, dass der Beezer vorrangig Weinkühlschränke ersetzen soll, denn die bei Non-Alkoholika gängigen 1-Liter-Flaschen sind ihm zu groß – Fans von Säften und Softdrinks schauen in die zu schmale Röhre. Diese Beschränkung ist einer unser Hauptkritikpunkte am Beezer, denn als Rundum-Glücklich-Getränkekühler kommt er somit nicht in Frage.
Die App
Für mehr Feintuning benötigt man die App – unserer Ansicht nach ist sie praktisch unverzichtbar, möchte man dem Beezer die vollen Fähigkeiten entlocken. Hier benötigt es zunächst einer Registrierung, anschließend lassen sich unter anderem Kühlzeit, Zieltemperatur und Behältergröße präzise festlegen bzw. ablesen. Die Einbindung des Getränkekühlers ins Heimnetzwerk geht einfach und schnell von der Hand. Unterstützt werden die WLAN-Frequenzbänder 2,4 GHz und 5 GHz, besondere Eingriffe in die Netzwerkeinstellungen braucht es somit nicht.
Die Applikation wirkt etwas schmucklos, aber angenehm übersichtlich. Den Löwenanteil nimmt der Reiter für den sogenannten Experten Modus ein. Nachdem man Start- und Zieltemperatur sowie Flaschengröße und -material angegeben hat, errechnet die Software die Kühldauer. Unter dem zweiten Reiter sind die Einstellungen übersichtlicher: Hier bestimmt man die Kühldauer selbst, mehr ist nicht zu tun.
Darüber hinaus gibt die App die Möglichkeit, die Rotation der Flasche auf Wunsch abzuschalten. Diese ist standardmäßig eingeschaltet, um ein gleichmäßiges Abkühlen zu gewährleisten, bei stark kohlensäurehaltigen Getränken wie Sekt aber unerwünscht. Des Weiteren sieht man den aktuellen Betriebsmodus des Beezers, die verbleibende Restzeit des Timers sowie die Temperatur in der Kühlkammer.
All denjenigen, die die perfekte Trinktemperatur Ihres favorisierten Kehlenbenetzers nicht aus dem Effeff kennen, greift Ritterwerk mit dem sogenannten Temperatur Guide unter die Arme. Der klingt spektakulärer, als er ist – es handelt sich um ein simples Verzeichnis mit den passenden Temperaturen für diverse Getränke. Einmal mehr wird deutlich, dass sich der Beezer primär an Weinliebhaber richtet: Während neben Überbegriffen wie »Rotwein« auch die Namen spezifischer Rebsorten wie Riesling und Grauburgunder zu finden sind und Bier zumindest eine relevante Nebenrolle zukommt, konnten wir mit »Saft« lediglich ein non-alkoholisches Getränk im Almanach finden. Wasser und Cola sind dem Beezer unbekannt.
Der Praxistest
Bevor wir uns an die Frischeveredelung unserer Flüssigkeiten machen, will der Beezer erst einmal auf Betriebstemperatur gebracht werden. Das Vorkühlen dauert knapp 13 Minuten. Ganz so spontan wie erhofft verläuft das Kühl-Unterfangen also nicht, die Wartezeit hält sich aber in akzeptablen Grenzen. Nutzer der App sind einmal mehr im Vorteil, denn mithilfe der Software lässt sich die Vorbereitung wahlweise auch per Fernzugriff anstoßen, sodass man nach der Ankunft zuhause keine weitere Zeit verliert.
Sobald die Farbe des Leuchtrings von Weiß zu einem Türkisblau wechselt, ist der Beezer bereit. Wir öffnen die Tür und werden mit einem frostigen Hauch empfangen – laut der Angabe der App herrschen in der Kühlkammer minus 30 Grad. Für den Test haben wir auf Wein verzichtet und stattdessen 0,5-Liter-Flaschen mit Leitungswasser gefüllt. Die erste verschwindet in der röhrenförmigen Kühlkammer, und wir schließen die Tür, die mit einem klaren Feedback in ihr Magnetschloss fällt. Einen Tastendruck später wechselt der Ring zu einem satten Dunkelblau und die eigentliche Kühlung beginnt.
Während wir darauf warten, unser kühles Nass entnehmen zu können, fällt vor allem eines auf: Der Beezer ist laut. Den lauschigen Abend bei einem gemeinsamen Glas Wein möchte man wohl lieber nicht im selben Raum verbringen. Unser Messgerät bestätigt unseren Eindruck und vermeldet 62,6 dB. Ohne Flasche ist das Betriebsgeräusch etwas leiser, liegt aber immer noch bei 58,6 dB.
Das Gerät läuft nun für exakt die Dauer, die die App errechnet hatte – in unserem Fall 5:19 Minuten. Dann piepst es. Wir bergen die Flasche wieder aus der Kühlkammer und messen im Inneren 9,5 °C – das ist sehr nah an den 9 Grad, auf die wir abgezielt hatten. Wir sind zufrieden. Spätere Messungen werden zeigen, dass die gemessenen 0,5 Grad Abweichung sogar verhältnismäßig viel waren. Der Beezer hält also die ambitionierten Versprechen des Herstellers ein.
Hat das Getränk der Wahl die gewünschte Frische erreicht, kann die nächste Flasche folgen. Ob man überhaupt noch etwas kühlen möchte, sollte man sich nun gut überlegen, denn das Ausschalten dauert eine Weile – der Beezer will nun erst einmal in Ruhe abtauen, und ist der Vorgang erst einmal angestoßen, lässt er sich nicht mehr abbrechen. Der Leuchtring wechselt zu gelber Farbe, es zischt, und das Betriebsgeräusch ändert sich. Dann: Warten. Es vergehen rund zehn Minuten, bis das Gerät anfängt, schrill zu piepsen. Wir sollen es lüften. Also wieder hin zum Beezer und die Tür öffnen. Komfortabel ist das nicht.
Ritterwerk gibt an, eine 0,5-Liter-Glasflasche in rund fünf Minuten von 22 °C Zimmertemperatur auf frische 9 °C zu kühlen. Die Angaben sind realistisch und decken sich mit unseren eigenen Messungen. Die Parameter lassen sich in der App beeinflussen, die errechnete Kühldauer stimmt immer auf die Sekunde genau – Unterschiede zeigen sich lediglich in der tatsächlich erreichten Temperatur. Die von uns gemessenen Abweichungen sind jedoch gering und liegen in der Regel bei gerade einmal 0,2 °C. Ist es draußen wärmer, möchte man sein Getränk noch kühler haben oder legt man eine größere Flasche ein, verlängert sich die Dauer entsprechend. Für die optimale Temperatur ist es zudem unabdingbar, die Flasche auch wirklich unmittelbar nach dem Ablauf des Timers aus der Kühlkammer zu nehmen – aufgrund der raschen Kühlgeschwindigkeit und den rund -30 °C in der Kühlkammer wird der Wein sonst schnell kälter als gewünscht.
Der Stromverbrauch ist erfreulich gering. Unsere Messungen zeigen rund 190 Watt während des Kühlvorgangs und kurzzeitige Spitzenwerte von bis zu 210 Watt beim Vorkühlen. Läuft er gerade nicht, genehmigt sich der Beezer akzeptable 1,1 Watt. Da man ihn im Gegensatz zu einem Weinkühlschrank nicht 24 Stunden täglich betreibt, spart er dem gegenüber ordentlich Strom.
Die Bedienung ist zwar nicht wirklich schwer, ein Blick in die Anleitung ist aber sinnvoll. Nicht alles ist intuitiv verständlich. Vor allem ist nicht klar, was der Leuchtring aussagen soll – einmal mehr wünschen wir uns ein besseres Display mit klareren Informationen.
Fazit: Bringt’s der Beezer?
Alles in allem liefert der Beezer, was er verspricht. Er kühlt Getränke in rasanter Geschwindigkeit fast genau auf den Punkt. Man sollte sich aber auch klar sein, was er nicht verspricht – und dass er das dann auch wirklich nicht liefert. Wer sich dessen nicht bewusst ist, könnte enttäuscht sein, wenn die Realität von den zuvor gehegten Vorstellungen abweicht. Und dieses Risiko ist hier verhältnismäßig hoch.
In unseren Augen dämpfen besonders das Vorkühlen auf Betriebstemperatur sowie das nachträgliche Abtauen die Freude. Mit dem frisch gekühlten Wein im Glas bleibt der lauschige Sommerabend auf der Terrasse auch nur so lange lauschig, bis der Beezer laut fiepend an seine Präsenz erinnert und die traute Zweisamkeit jäh unterbricht. Er will nicht nebenbei benutzt werden – man muss ihn umsorgen. In dieser Hinsicht ist man mit einem herkömmlichen Weinkühlschrank besser beraten. Hinzu kommt die Betriebslautstärke: Wer überlegt, das Gerät bei der nächsten Gartenparty einfach den ganzen Abend lang laufen zu lassen, wird diesen Plan schnell wieder verwerfen.
Auf der Haben-Seite enthält man trotz der Vorkühlungsverzögerung schnell sein Getränk und ist flexibel im Angebot. Soll unmittelbar auf den weißen Sauvignon Blanc ein roter Pinot Noir folgen, ist das mit dem Beezer kein Problem. Beide Tropfen kommen ideal temperiert aus dem Gerät. Ein einzelner Weinkühlschrank mit einer einzigen Klimazone kann so etwas nicht bieten. Ein kleiner Haken an der ansonsten sehr hohen Präzision ist jedoch, dass die Starttemperatur per Hand eingegeben wird. Man sollte somit die Lagertemperatur seiner Weine kennen, um die optimale Trinktemperatur zu treffen.
Für Non-Alkoholika ist der Beezer nicht konzipiert und auch nur sehr eingeschränkt geeignet. Hat man sich etwa beim Lebensmitteleinkauf in Sommerhitze die Lieblingslimo eingepackt und möchte sie zuhause gerne eiskalt genießen, geht das – sofern sie sich nicht in einer 1-Liter-Flasche befindet. In einem solchen Fall muss man zur Dose greifen. Inklusive Vorkühlen dauert es dann rund 20 Minuten, um diese knapp über den Gefrierpunkt zu befördern – eine schnellere Möglichkeit kennen wir nicht.
Für Gelegenheitsgenießer lohnt sich die Anschaffung unser Ansicht nach nicht. Passionierte Weinliebhaber, die gerne aus dem vollen Spektrum gereifter Rebenschätze schöpfen, aber nicht das Geld und den Platz für geeignete Weinkühlschränke aufwenden möchten, ist der Beezer aber einen Blick wert.







































