E-Bikes haben sich vom Nischenprodukt zum alltäglichen Begleiter in der Stadt entwickelt. Wer ohne Auto zur Arbeit fahren oder Einkäufe erledigen möchte, findet im E-Bike eine attraktive Alternative. Man muss sich in der Rushhour nicht durch stickige und volle U- oder S-Bahnen quälen und kommt dennoch ohne Schwitzen am Ziel an.
In der Stadt kommt es bei einem E-Bike auf andere Faktoren an als im Gelände: Wendigkeit, Komfort, einfache Bedienung und gute Übersicht im Verkehr sind entscheidend. Natürlich neben einer vollständigen Ausstattung gemäß der StVZO.
Wir haben das BZEN Vienna getestet. Der Markenname BZEN steht für »be zen«, was übersetzt so viel wie »sei entspannt« bedeutet. Der Name spiegelt die Firmenphilosophie wider, dass das Fahrradfahren in der Stadt entspannt und stressfrei sein soll. Ultraleichte und minimalistische Stadt-Fahrräder mit E-Antrieb sollen das möglich machen.
BZEN Vienna im Test
BZEN Vienna
Das Vienna des belgischen Herstellers sieht optisch wie ein herkömmliches Velo aus. Angeboten wird das nahezu komplett vormontierte Vienna in den Farben Weiß, Schwarz, Hellblau und Silber. Jedoch leider nur in einer Rahmengröße. BZEN gibt an, dass sich das Velo für Radler mit einer Körpergröße zwischen 1,50 und 1,75 Metern eignet. Das ist wenig. Im Test merken wir jedoch, dass wir auch mit 1,88 Meter noch vernünftig auf dem E-Citybike sitzen können. Die Beinlänge passt. Wer den Lenker gerne höher und in einem anderen Winkel haben möchte, sollte einen Lenkervorbau installieren.

Der Sattel ist weich, für unseren Geschmack etwas zu sehr. Außerdem könnte er einen Tick länger sein. Eine Sattelfederstütze fehlt, auch vorn rollt das Vienna ungefedert. Wünschenswert wäre auch ein Schnellverschluss am Sattel.
Der Rahmen besteht aus Aluminium. Die Lackierung ist tadellos, mit Vollausstattung bringt das Zweirad gerade mal 16,4 Kilogramm auf die Waage. So kann man das Bike mühelos in den Keller oder notfalls sogar in die Wohnung tragen. Das ist möglicherweise auch erforderlich: Denn der im Unterrohr integrierte Akku lässt sich nur für die Wartung und Instandhaltung, aber nicht zum Laden herausnehmen. Das bedeutet: Die Batterie muss immer im Vienna geladen werden, eine Steckdose in der Nähe des Fahrrads ist Pflicht.
Was im Alltag einen echten Nachteil hat, macht sich optisch allerdings positiv bemerkbar: Das Vienna sieht nicht aus wie ein E-Bike. Das Unterrohr fällt schmal aus, Kabel sind größtenteils versteckt, sodass BZEN dem Gefährt ein sehr cleanes und aufgeräumtes Erscheinungsbild spendiert.
Der Akku lässt sich aber auch nur deshalb dezent verstecken, weil er kein Kapazitätsmonster ist. Serienmäßig verfügt der 7-Ah-Akku über 252 Wattstunden (Wh). Gegen einen Aufpreis von 199 Euro verbaut BZEN einen Akku mit 10 Ah und 360 Wh. Die maximale Reichweite erhöht sich dann laut Hersteller von 90 auf 120 Kilometer – wenn überhaupt sind diese Werte nur unter absoluten Idealbedingungen ohne Steigung und mit geringster Tretunterstützung möglich. Realistischer sind Distanzen je nach Modus zwischen 40 und 80 Kilometern, was für ein Stadtrad in der Regel vollkommen ausreicht. In diesem Fall finden wir das geringe Gewicht wichtiger als einen leistungsfähigen Akku für extreme Reichweiten. Das Laden der Akkus dauert drei bzw. vier Stunden.
Als Antrieb hat das Vienna einen Hinterradnabenmotor von Bafang mit 250 Watt und 45 Newtonmetern verbaut. Das ist nicht sonderlich viel, in Städten ohne gravierende Steigungen reicht das maximale Drehmoment jedoch aus. Auch hier profitiert man wieder vom niedrigen Gewicht des Bikes.
Gut: Das Drehlager verfügt über einen Drehmoment- und Trittfrequenzsensor, um geschmeidigeres Anfahren zu ermöglichen. Vorn und hinten bremst das BZEN Vienna mit hydraulischen Scheibenbremsen. Das Setup passt ab Werk, die Bremsen sind vernünftig eingestellt, ziehen ordentlich und bringen das Velo sicher zum Stehen.
Schön stabil ist der Gepäckträger, der klappert und wackelt nicht und schultert bis zu 27 Kilogramm. Die Pedale sind super rau und bieten dadurch bestmöglichen Grip. Der Lenker mit Griffen in Lederoptik ist angewinkelt und ermöglicht aufrechtes und damit entspanntes Sitzen.
Bei der Schaltung haben Käufer zwei Optionen: Entweder entscheidet man sich für eine 9-Gang-Kettenschaltung von Shimano, die wir im Test haben, oder man greift zum wartungsarmen Riemenantrieb. Dann übernimmt das Vienna die Schaltvorgänge von allein. Mit der Kettenschaltung sind wir sehr zufrieden. Die Kette wechselt präzise ihre Position ohne spürbare Zeitverzögerung und wahrnehmbare Geräusche.

Die Bedieneinheit ist sehr spartanisch ausgefallen. Hier würden wir uns jenseits der 3.000-Euro-Marke etwas mehr wünschen. Das daumengroße Touchdisplay dürfte gerne ein wenig feinfühliger reagieren. Hierüber wechselt man unter anderem die fünf Fahrmodi, sieht die Restkapazität des Akkus und die gefahrene Geschwindigkeit. Normalerweise braucht man in der Stadt nicht mehr Informationen. Aber ein großer Bordcomputer mit vernünftigem Display ist schon schöner.
Die 28 Zoll großen Reifen von Continental sind für die Straße konzipiert, rollen leise und bieten optimalen Grip. Feldwege gehen noch, aber auf unebenem Terrain fehlt es an Profil. Gegen einen kleinen Aufpreis liefert BZEN pannensichere Pneus mit aus.
Fazit
Das BZEN Vienna ist keine Rakete, aber für den Großstadtdschungel absolut ausreichend motorisiert. Es schiebt spürbar nach vorn, ist sicher kontrollierbar und durch den tiefen Einstieg hat man das Bike beim Absteigen und Anfahren jederzeit optimal im Griff. Bremsen, Kurvenlage und Sitzkomfort sind gut. Bei steilen Anstiegen spürt man jedoch, dass man mit den 45 Newtonmetern nicht allzu weit kommt, ohne sich selbst anzustrengen. Eine Federgabel wäre wünschenswert, so fährt sich das Bike ziemlich hart.
Unter dem Strich bietet das leichte BZEN Vienna ein überzeugendes Gesamtpaket. Sehr große Personen sollten vor dem Kauf checken, ob ihnen die Rahmengröße ausreicht. Eine Steckdose sollte zum Laden immer in der Nähe sein. Positiv: Die Belgier gewähren fünf Jahre Garantie auf ihr E-Citybike. Ein Zeichen dafür, dass hier hochwertige Komponenten verbaut sind.






















