Kamados sind eine eigene Unterkategorie von Holzkohlegrills und zeichnen sich durch eine massive Isolierung aus Keramik aus. Der Name ist japanisch und beschreibt einen Herd oder Ofen. Der Legende nach ist das zugrundeliegende Prinzip mehrere tausend Jahre alt.
Wer gerne mit Glut und Feuer hantiert, Freude an den hochwertigen Materialien hat und Smoker-Klassiker wie Brisket, Pulled Pork und Ribs schätzt, wird sich vermutlich Hals über Kopf in einen Kamado verlieben.
Man muss aber etwas Zeit investieren, um sich an diese Art des Grillens zu gewöhnen und das Temperaturverhalten zu lernen – hinzu kommt der horrende Anschaffungspreis. Kann sich der Monolith Two.55 lohnen? Wir haben das Luxus-Modell getestet.
Monolith Two.55 im Test
Monolith Two.55

- sehr hochwertiger Grill
- durch variable Einsätze sehr vielseitig
- sehr konstante Temperaturen über etliche Stunden
- keine Skalen an den Lüftern
- Lüfter und Räucherluke werden sehr heiß
Der Monolith Two.55 macht seinem Namen alle Ehre – er ist groß, schwer, stabil und steht felsenfest. Das passende Gestell unterstreicht den robusten Charakter. Mit knapp 100 Kilogramm Gesamtgewicht wird der Monolith Two.55 auf einer Palette geliefert. Die längste Zeit des nicht einmal einstündigen Aufbaus sind wir damit beschäftigt, die vielen Komponenten auszupacken.
Lediglich das Gestell muss zusammengeschraubt werden, was jedoch in wenigen Minuten erledigt ist. Der eigentliche Grill wird im Ganzen in das Gestell gehoben. Hierzu sind zwingend mindestens zwei recht kräftige Personen nötig. Ruht der Koloss einmal in seinem Gestell, muss nur noch das umfangreiche Innenleben in den Grill gelegt werden. Laut Hersteller ist ein Einbrennen nicht nötig. Unser Testmuster ist nach unter einer Stunde Aufbau einsatzbereit.
Ganz oben thront der schwere Luftauslass aus Metall. Dieser wird einfach aufgesetzt und sitzt dank vorinstalliertem Isolierband sicher. Der Luftauslass lässt sich stufenlos schließen und kontrolliert zusammen mit dem Lufteinlass die Temperatur im Grill. Mittig im schweren Deckel findet sich das große, gut ablesbare Thermometer. Ausnahmsweise schimpfen wir nicht über die recht hohe Position des Thermometers, weil wir im Monolith Two.55 in unseren Tests auf allen Höhen im Grillraum nahezu identische Temperaturen messen. Ein nahezu unverwüstliches Glasfaser-Mesh am Deckel und ein Edelstahlring am Korpus dichten den Grill gut ab. Das Mesh ist weich genug, um Thermometerkabel nicht zu beschädigen.
Alle Zubehörteile lassen sich einhaken
Die Seitentische bestehen aus einem Stahlrahmen mit Ablageflächen aus lackiertem Bambus. Der Lack sorgt für eine sehr glatte, leicht zu reinigende Oberfläche. Mit einem Handgriff klappt man den Tisch runter oder nimmt ihn auf Wunsch ganz ab. Das eigentliche Highlight der Seitentische sind die Haken an der Unterseite. Je sechs Metallhaken vorn und hinten pro Tisch halten selbst die größten Werkzeugsammlungen stets griffbereit. Clever: Alle mitgelieferten Zubehörteile lassen sich hier einhaken und sind so immer aufgeräumt.
Mittig in der Korpusfront befindet sich die Räucherluke, über die sich per Schiene Holzchips oder -pellets in die Glut befördern lassen – dazu beim Werkzeug mehr. Unauffällig an der linken Grillseite findet sich eine kreisrunde Öffnung, die mit einem Gummistopfen verschlossen ist. Hier docken handelsübliche Ventilatoren an, mit denen sich der Grill komplett automatisch regeln lässt. Klassisch erfolgt die Lüftungs- und damit auch Temperatursteuerung jedoch über den großen, stufenlos regelbaren Lufteinlass an der Basis ganz unten am Grill.
Das Innenleben besteht aus erstaunlich vielen Elementen. Um den Aufbau besser zu verstehen, haben wir alle Komponenten außerhalb des Grills aufgestapelt (siehe Bildergalerie unten). Wie schon bei allen anderen Komponenten fällt hier direkt die hohe Qualität auf. Die Keramik im Inneren ist im wahrsten Wortsinn lückenhaft, was bei einem Kamado jedoch ein Vorteil ist. Durch die Aufteilung in einzelne Elemente und eine Fuge im Keramikring kann sich das Material ausdehnen, ohne Schaden zu nehmen.
Eine Monolith-Besonderheit ist das »Smart Grid System«. Es handelt sich dabei um ein Gestell, in dem Deflektorsteine, Tropfschalen und Grillroste eingesetzt werden und das sich komplett aus dem Grill heben lässt. Das ist enorm praktisch, wenn man den Grill beispielsweise von indirekter auf direkte Hitze umbauen oder Holzkohle nachfüllen möchte. Monolith bietet für dieses System etliche spannende Zubehörteile wie Gusseisentöpfe und Räucherhaken an. In unserer Grillpraxis hat uns das SGS vor allem die Reinigung erleichtert, weil man nicht alle Elemente einzeln entnehmen und irgendwo ablegen muss.
Praktische Werkzeuge im Lieferumfang
Zum Lieferumfang gehören auch etliche praktische Werkzeuge, die wir in der Bildergalerie unten zeigen. Am häufigsten kommen bei uns die Hebehaken für das Rostsystem zum Einsatz. Eine Ascheschaufel und ein Rostheber sind ebenso mit von der Partie wie die Räucherschiene. Hier füllt man eine Handvoll Pellets oder Räucherchips ein und schiebt die Schiene durch die Räucherluke. Zieht man nun die Schienenteile auseinander, öffnet sich der Boden und die geladenen Pellets oder Chips fallen direkt in die Glut. Das System gefällt uns gut, weil es eine präzise Rauchdosierung ermöglicht.
Kommen wir zum Praxiseinsatz. Bevor wir Fleisch zubereiten, testen wir den Grill ohne Lebensmittel. Als langjähriger Kugelgriller fühlt man sich dem Kamado gewachsen, beruht die Temperatursteuerung doch auf dem exakt gleichen Prinzip: Unten wird frische Luft angesaugt, facht das Feuer an und im Deckel kann die Luft wieder raus. Ein typischer Kugelgrill ist vergleichsweise leicht und speichert in seiner dünnen Stahlhaut nur wenig Energie. Daher reagiert er quasi sofort auf Veränderungen im Luftstrom. Ein Kamado ist deutlich behäbiger und muss mit mehr Voraussicht gesteuert werden. Vor allem aber gilt es, das Temperaturziel nicht zu überschießen.
Die beiden Lüfter sind mit recht großen Öffnungen versehen. Das ist gut so, weil sie den Kamado quasi zu einem Anzündkamin machen. Man füllt den Kohlekorb, entfacht einen Anzünder, schließt den Deckel und öffnet beide Lüfter komplett. Wie man an der Kurve unseres Low-and-Slow-Tests unten gut erkennt, steigt die Temperatur sehr schnell und nach zehn bis zwanzig Minuten sind Low-and-Slow-Temperaturen erreicht. Um im gewünschten Temperaturbereich zu bleiben, gilt es, rechtzeitig zu bremsen. Reduziert man die Luftzufuhr zu früh, bleibt man unter dem Ziel. Das ist aber immer noch besser, als zu spät zu bremsen.

Monolith macht es seiner Kundschaft nach unserer Auffassung unnötig schwer, den Einregel-Prozess zu erlernen. Es fehlen schlicht Markierungen an den Lüftern, die man sich merken oder notieren könnte. Eine einfache Skala würde hier helfen, idealerweise bereits mit einer Markierung für den Low-and-Slow-Bereich. Wir lösen das Problem, indem wir den mitgelieferten Rostheber zum Messinstrument umwidmen. Wir landen reproduzierbar im 110–130-Grad-Korridor, wenn wir bei circa 90 Grad den Lufteinlass bis auf »eine Griffbreite des Rosthebers« schließen. Beim Luftauslass ist die andere Seite unser Messinstrument.
Wie man gut erkennt, hält der Monolith Two.55 Räuchertemperaturen mit extrem geringem Luftstrom. Das ist einerseits sehr erfreulich, weil es sehr effizient und somit sparsam im Holzkohleverbrauch ist. Es birgt jedoch auch die Gefahr, dass bei mehr Luftzufuhr die Temperatur rasant steigt. Wir haben uns daher angewöhnt, den Deckel immer nur so kurz wie möglich zu öffnen. Das heißt in der Praxis: schnell arbeiten oder – die Heber machen es möglich – das Grillgut samt Rost aus dem Grill heben und den Deckel wieder schließen.
Nach einigen Übungseinheiten bereiten wir auf dem Monolith Two.55 diverse Gerichte zu, darunter auch mehrere sogenannte Long Jobs wie Smoked Turkeybreast, Pulled Pork, Beef Ribs und natürlich den Klassiker Schweinerippchen. Gerade Letztere führen eigentlich auf jedem Grill zu Platzproblemen. Unsere vier Stränge passen anfänglich nicht gemeinsam auf den Rost, sodass wir uns mit einem Rippchenhalter behelfen.
Profis erkennen in den Fotos den Rippchenhalter des schwedischen BBQ-Fachhändlers Ikea. Spaß beiseite: Der eigentlich als Topfdeckelhalter konzipierte Ikea Variera wird seit Jahrzehnten von Grillern als Rippchenhalter zweckentfremdet, weil er sich variabel ausziehen und einfach reinigen lässt. Er ist bis auf Gummifüßchen, die man natürlich vor dem Grilleinsatz entfernt, komplett aus Edelstahl gefertigt.
Neben etlichen Räucher-Sessions testen wir natürlich auch das Grillen mit direkter Hitze. Praktisch finden wir hier die Kombinationsmöglichkeiten der verschiedenen Elemente. So richtet man sich mit geteiltem Feuerkorb und nur einer Fettschale im SGS eine perfekt in zwei Zonen geteilte Grillfläche ein. Wer mehr Fläche braucht, verzichtet auf die indirekte Zone und steuert die Hitze über die drei möglichen Rosthöhen. Das funktioniert mit Nackensteak, Filetspieß, Bratwurst und Co. absolut problemlos.
Für die maximale Anbrat-Power ist uns aber auch die niedrigste Rostposition im SGS noch zu hoch. Daher entfernen wir das Gestell aus dem Grill und legen unser Steak mit einer Rosthälfte direkt auf den Rand des Keramikrings. Das ist in der Form nicht empfohlen, vermutlich, weil man durchaus abrutschen kann und womöglich Rost und Steak in die Glut fallen könnten. Eine optimale Lösung ist das nicht, aber für eine gute Steakkruste machen wir fast alles. Unterm Strich ist der Monolith Two.55 nicht nur ein sehr guter Smoker, sondern auch ein solider Direktfeuer-Grill. Und das kann man von den wenigsten Smokern wirklich behaupten.
Ungeliebt, weil lästig, ist bei Grills stets die Reinigung. Die macht zwar auch beim Monolith Two.55 nicht gerade Spaß, ist aber auch nicht so lästig wie bei vielen anderen Grills. Lob verdient der modulare Innenaufbau mit geteilten Rosten und Fettwannen, weil die einzelnen Elemente klein genug sind, um in ein normales Spülbecken oder die Spülmaschine zu passen.
Der Innenraum ist ebenfalls erfreulich leicht zu säubern. Man entnimmt den Feuerkorb, schüttelt die Asche ab, kehrt alles in der Mitte zusammen und kann dann die Reste mit der Ascheschaufel entfernen. Deutlich schneller geht das natürlich mit einem Aschesauger.
Fazit
Der Monolith Two.55 ist ohne Zweifel ein enorm hochwertiger und vielseitiger Grill. Er ist aber auch ein Stück Grill-Luxus, den man sich gönnen wollen muss. Zu Recht loben wir diesen Kamado für seine Materialqualität, die cleveren Funktionen sowie Ausstattungsmerkmale und natürlich die hervorragenden Grillergebnisse.
Einige Kleinigkeiten passen für uns jedoch nicht ins ansonsten so stimmige Gesamtbild. Wir würden uns irgendeine Form von Hitzeschutz an den Elementen wünschen, die wir im Kamado-Alltag anfassen: Die Schieber an den Lüftern und der Knauf an der Räucherluke werden schlicht zu heiß, um sie mit bloßen Händen zu berühren. Außerdem vermissen wir Markierungen an Lufteinlass und -auslass. Das eine Problem lässt sich mit Handschuhen, das andere mit einem Stift lösen.
Mit Sicherheit polarisiert ein Kamado und ist nicht die richtige Wahl für alle. Wer dem Weg zum Ziel nicht viel abgewinnen kann, bekommt im gleichen Budgetrahmen einen Pelletsmoker, der ebenso gute Ergebnisse liefert und mehr Rostfläche bietet – aber auch Strom braucht und mit dauerhaftem Lüfterlärm nervt. Welche Grillform man bevorzugt, bleibt Geschmackssache. Wer sich von der Bauart und Optik angesprochen fühlt, wird mit dem Monolith Two.55 sehr lange Zeit sehr viel Freude haben.
Alle Infos zum Thema
Kamado-Grills sind gar nicht so alt. Die heutige Bauart hat ihren Ursprung im ersten Big Green Egg Mitte der 1970er Jahre. Die US-Firma heißt wie ihre Grills Big Green Egg und ist bis heute aktiv und auch hierzulande in etlichen Varianten erhältlich. Zwar unterscheiden sich die Modelle der großen Marken Big Green Egg, Monolith, Kamado Joe und BSTRD in Details, das Konzept ist jedoch bei allen gleich.
Im eiförmigen Gehäuse wird ganz unten in einem Feuerkorb Holzkohle entzündet. Der Innenraum inklusive Feuerkammer ist mit dicken Keramikelementen ausgekleidet. Für die Kerndisziplin des langsamen Räucherns kommen unter dem Grillrost Deflektorsteine und Fettwannen zum Einsatz. So ist die komplette Rostfläche vor direkter Hitze geschützt. Auch der Deckel eines Kamados ist mit Keramik ausgekleidet und entsprechend sehr schwer. Dank Federscharnier lässt sich ein Kamado-Deckel dennoch ohne großen Kraftaufwand öffnen.

Die massive Isolierung eines Kamados speichert enorme Mengen thermischer Energie und gibt diese gleichmäßig ab. So läuft ein guter Kamado problemlos etliche Stunden mit einer Ladung Holzkohle auf typischen Low-and-Slow-Temperaturen zwischen 110 und 130 Grad Celsius.
Besser als mit den meisten anderen Smoker-Bauarten kann man mit einem Kamado direkt grillen. Hierzu werden Hitzedeflektoren und Tropfschalen entnommen, sodass der Rost direkt über der Holzkohleglut liegt. Die meisten Modelle bieten zusätzlich eine oder mehrere Möglichkeiten, die Grillfläche in eine direkte und eine indirekte Zone zu unterteilen.
Kamados haben bauartbedingte Nachteile
Kamados haben aber auch bauartbedingte Nachteile. Gerade wenn man gerne raumgreifende Schweinerippchen smoken möchte, stößt man schnell an die Kapazitätsgrenze. Immerhin: Die meisten Modelle bieten zusätzliche Rostebenen als Zubehör an. Schwerer wiegt die Eigenschaft, dass sich die Keramik nur extrem langsam abkühlt.
Was eigentlich eine gewollte Kerneigenschaft ist, wird dann problematisch, wenn man das Temperaturziel versehentlich deutlich überschritten hat. Denn ist ein Kamado erst einmal heiß, bleibt er das auch sehr lange, selbst wenn keine neue Energie hinzukommt. Schnell lernt man auch, dass es keine Lösung ist, den Deckel zu öffnen. Zwar entweicht zunächst die heiße Luft, gleichzeitig facht die frische Luft das Kohlefeuer deutlich an, sodass der Grill eher heißer als kühler wird.



































































