Mann oder Frau steht vor dem Traualtar – und dann kommt der oder die andere nicht. Was in mancher Film-Komödie eher ein Gag ist, treibt in der Realität doch dem einen oder der anderen die Schweißperlen auf die Stirn. Wie gut, dass es dafür eine Versicherung gibt… »Eher nicht«, sagt Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. »Das Nein-Wort vor dem Traualtar mit den dann damit verbundenen Kosten versichert niemand.«
Was aber nicht heißt, dass es keine Hochzeitsversicherung gibt. Konkret: Zürich-Versicherung, HanseMerkur und auch die Waldenburger Versicherung – als Beispiele – bieten entsprechende Policen an, »die doch eher sinnlos sind«, so Verbraucherschützerin Weidenbach. Denn der Leistungsumfang und auch die Absicherung ist schon sehr begrenzt, das Risiko eher überschaubar.
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Wenn die Braut sich das Bein bricht oder der Blinddarm beim Bräutigam operiert werden muss, dann wäre das ein möglicher Leistungsfall – das sollte sehr genau in den Versicherungsbedingungen kontrolliert werden. Eine unterschiedlich hohe Zahlung soll dann die vielleicht nicht mehr stornierbare, sündhaft teure Hochzeitsparty finanziell kompensieren. »Aber die beste Versicherung dagegen, dass der Partner einen vor dem Traualtar stehen lässt, ist«, so Weidenbach, »lieber auf den richtigen Partner zu warten.«
Knöllchen- und Raser-Versicherung sind wieder aus der Mode
Ähnlich sinnlos sind vermutlich die Knöllchen- oder Raser-Versicherungen. Die waren vor einigen Jahren ein bisschen in Mode. Das Urteil von Verbraucherschützern ist jedenfalls eindeutig: »Sinnlos«, sagt Weidenbach. Denn jeder kann sich leicht ausrechnen, wie eine solche Versicherung funktioniert. Der Autofahrer ignoriert geflissentlich das Parkverbot oder kauft auch keinen Parkschein, denn er ist ja versichert. Kostenpunkt: Vielleicht 50 Euro im Monat. Die Versicherung bezahlt dann garantiert 45 Euro davon.

Unabhängig von der Frage, ob solche Versicherungen nicht sogar sittenwidrig sind: Natürlich wird die Versicherungsprämie dann beim oben genannten Beispiel mal mindestens 50 Euro pro Monat betragen. »Manche Versicherungen sind eigentlich teure Sparpläne«, so Weidenbach. »Und da ist es dann einfacher, das Geld lieber gleich zu sparen.« Alternativ sind die Zahlungsbedingungen so weit eingeschränkt, dass kaum gezahlt wird. Auch, wenn es vielleicht persönliche Überwindung kostet: Die Vermeidung von Falschparken und Raserei könnte vielleicht auch eine recht einfache und zudem sehr kostengünstige Strategie sein.
Immerhin: Die Anbieternamen und Versicherungstarife zeigten damals recht deutlich, wie man sich positionierte. Die »Supergau Crazy Card« versprach so zum Beispiel Kompensation beim Blitzen der Radarfalle. Momentan gibt es solche Angebote nicht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden: Der nächste 1. April wäre dazu sicherlich ein passendes Datum für den Versicherungsbeginn.
Um beim Verkehr zu bleiben: Tatsächlich eher einen politischen Hintergrund hat die Schwarzfahrerversicherung. Wikipedia widmet diesem Phänomen sogar einen eigenen Beitrag (https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzfahrerversicherung). Hintergrund ist, dass politisch gefordert wird, dass die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel nichts kosten dürfe.
Eine tatsächliche Versicherung des AStA an der Uni Hannover scheiterte aber sehr bald: Die Verkehrsbetriebe intensivierten dort die Kontrollen. Die damit verbundenen hohen Versicherungsleistungen führten wohl zu einer Einstellung des Angebots. So richtig durchgesetzt hat sich diese Idee also ebenfalls nicht.
Verregneter Urlaub – und eine Versicherung zahlt?
Reiseversicherungen sind ein beliebtes Feld für sinnlose Versicherungsprodukte. Beispiel Reisegepäckversicherung, ein durchaus gängiges Produkt. »Damit diese bezahlt, muss man sich schon an den Koffer ketten, auf ihn sitzen und drumherum eine Sandburg bauen«, sagt Versicherungsexpertin Weidenbach etwas überspitzt. Mal neutraler formuliert: Die Fälle, in denen diese Versicherung zahlt, sind schon etwas eingeschränkt. Aber natürlich lässt sie sich einfach direkt per Klick auf der Buchungsseite mitversichern, manchmal ist sie auch schön in »Rundum-Sorglos«-Paketen integriert. Verlockend, aber eher sinnlos eben.

Ein weiteres Thema, das im Sommerurlaub nervt: anhaltender Regen. Wie gut, dass es dagegen Versicherungen gibt. Und die Betonung liegt hier auf der Mehrzahl, denn tatsächlich mehrere Anbieter – zum Beispiel Wetterhelden, Reiseversicherer.de und MDT-Versicherungen – haben entsprechende Policen im Angebot. Im Industriebereich gibt es hier tatsächlich durchaus sinnvolle Absicherungen – nicht unbedingt Versicherungen -, die, ähnlich wie Währungsrisiken, auch Wetterrisiken minimieren sollen. »Im Urlaubsbereich ist sie aber eher nicht sinnvoll«, sagt Elke Weidenbach.
Denn natürlich wird auch hier mit den Leistungen und auch Bedingungen durchaus innovativ umgegangen. »3 Euro pro Urlaubstag« klingt erstmal günstig. Aber: Beispielhaft sei hier eine Mindestniederschlagsmenge von 10 bis 18 Uhr von 2,9 mm als versicherte Leistung angenommen. Ein Vergleich: Ein Gewitter kommt vielleicht auf 50 mm pro Stunde, ein leichter Regenschauer auf vielleicht 5 mm pro Stunde. Deutschlandweit liegt der Durchschnitt aber bei 750 mm pro Jahr.
Dann ist es eh schon eine reine Frage der Wahrscheinlichkeit – die natürlich auch die Versicherer kennen -, wann tatsächlich geleistet wird. Zumal dann oftmals in einer Staffelung gezahlt wird. Das Fazit: »Beim Urlaub ist die Wetterversicherung eher eine überflüssige Absicherungen«, gibt Weidenbach zu Bedenken. »Ein guter Regenschirm oder eine Indoor-Freizeitidee für schlechtes Wetter tun es vielleicht auch.«
Mindestens ärgerlich ist hingegen, dass über solche eher unsinnigen Versicherungen vielleicht sehr wichtige Absicherungen auf der Strecke bleiben. »Eine Auslandsreisekrankenversicherung beim Auslandsaufenthalt sollte fast jeder Urlauber auf jeden Fall abschließen«, rät Weidenbach. Diese bezahlt dann nämlich nicht nur den Krankenschutz im Ausland, sondern auch den Krankenrücktransport, sofern notwendig. Es gibt sie auch als günstige Jahresvertragsvariante, so dass wirklich jede Auslandsreise – also auch die ins Nachbarland zum Shoppen – versichert ist. Und das auch bei Regen.
Versicherungen gegen Außerirdische
Manchmal kommt es einem ja so vor, als lebe der eine oder andere Politiker oder Künstler – oder auch die Braut oder der Bräutigam; hier vielleicht auch noch mal die Versicherungsbedingungen der Hochzeitsversicherung (siehe oben) checken – eher hinterm Mars. Wenn sich dieser Verdacht erhärtet und man selbst dann auf den Mars entführt wird, dann hat man Glück: Eine Versicherung zahlt! Sogar Wikipedia erwähnt solche Angebote (https://de.wikipedia.org/wiki/Entf%C3%Bchrungsversicherung).
In Anbetracht unzähliger, unzweifelhafter, wissenschaftlich nachgewiesener UFO-Sichtungen in den letzten Jahrzehnten, vielleicht ein beträchtliches Risiko. Zumal es – wie ja schon der Dokumentarfilm »Per Anhalter durch die Galaxis« gezeigt hat -, durchaus sein kann, dass man sich plötzlich in einem Raumschiff wiederfindet, um der Zerstörung der Erde zu entgehen.
Hier geht es zu unserem Vergleich zu Rechtsschutzversicherungen.
Ein unvorteilhafter Kampf mit einem echten Klingonen auf einer Star-Trek-Konvention ist übrigens leider nicht versicherbar. Hier – als Hinweis – sollte wohl eher auf einen guten Krankenversicherungsschutz geachtet werden; schon bei einer Rechtsschutzversicherung ist fraglich, ob sie ein anwaltliches Vorgehen gegen Klingonen in ihren Versicherungsbedingungen einschließt.
Und zudem: Ob dann der Versicherungsschutz bei nachgewiesener Entführung durch Aliens tatsächlich alle anfallenden Kosten deckt, ist auch fraglich. Crazy Presents, die eine solche Police angeblich mal angeboten haben sollen, wollen dann 1.000 Euro zahlen. Es ist sicherlich auch jedem Nicht-Science-Fiction-Experten klar, dass dafür ein Rückflug mit der Star-Trek-Voyager kaum zu begleichen ist.
Neben diesen interessanten Versicherungsprodukten gibt es noch jede Menge weitere Produkte: eine Versicherung, die beim Einlochen beim Golf bezahlt. Eine andere schüttet aus, wenn man mit dem Aufzug steckenbleibt.
Allerdings: Eine Versicherung, die gegen unsinnige Versicherung schützt, gibt es leider noch nicht. Vielleicht ja mal eine Marktlücke.












