Schlüssel bekommen, einsteigen, losfahren. So stellen sich viele die Mietwagenübernahme am Urlaubsort vor. Doch vor der Schlüsselübergabe kommt fast immer die Frage nach der Kreditkarte. Und die hat längst nicht jeder. Wer stattdessen nur mit Debit-, EC- oder Prepaid-Karte anreist, steht im schlimmsten Fall ohne Auto da. Es gibt aber mehrere Wege, das Problem schon bei der Buchung zu umgehen.
Das Wichtigste in Kürze:
- Die meisten Vermieter verlangen vor Ort eine echte Kreditkarte für die Kaution. Debit- und Prepaid-Karten reichen häufig nicht aus.
- Innerhalb Deutschlands akzeptieren Sixt, Europcar, Enterprise und der ADAC auch EC- oder Debitkarten, aber mit Einschränkungen bei Fahrzeugklasse und Station. Im Ausland, besonders in den USA, ist eine echte Kreditkarte nahezu alternativlos.
- Sunny Cars ermöglicht mit dem »No-Deposit-Paket« in vielen Urlaubsländern die Anmietung komplett ohne Kreditkarte und Kaution.
Warum Vermieter auf eine Kreditkarte bestehen
Für Autovermieter ist die Kreditkarte zuallererst eine Absicherung. Bei der Übernahme blockiert die Station einen Kautionsbetrag auf dem Kreditrahmen, ohne ihn tatsächlich abzubuchen. Falls etwas passiert, etwa ein Kratzer im Lack, ein leerer Tank bei Rückgabe oder ein Bußgeld, greift der Vermieter darauf zurück.
Beträge von 1.000 Euro und mehr sind dabei keine Seltenheit. Genau deshalb scheitern auch Prepaid-Kreditkarten am Mietwagenschalter: Sie haben keinen Kreditrahmen, auf dem ein Kautionsbetrag geblockt werden könnte, und werden von den meisten großen Vermietern nicht akzeptiert.
Wie hoch der Block ausfällt, hängt vom Anbieter und der Fahrzeugklasse ab:
- Sixt richtet sich nach Fahrzeuggruppe und Zahlungsart.
- Europcarnimmt für Standardfahrzeuge eine Pauschale von 300 Euro. Vans, Transporter und Prestige-Modelle liegen darüber.
- Hertz orientiert sich an Mietkosten plus einer Tankfüllung Kraftstoff. Eine Debitkarte hat keinen Kreditrahmen, auf dem so eine Reservierung Platz hätte.
Ein weiterer Punkt, den viele übersehen: Viele Premium-Kreditkarten enthalten einen Mietwagen-Vollkaskoschutz. Wer die Anmietung mit Debitkarte zahlt, verzichtet automatisch auf diese Versicherungsleistung und muss im Schadensfall selbst aufkommen oder eine separate Police abschließen. Wer ohnehin oft im Urlaub unterwegs ist, sollte daher möglichst eine echte Kreditkarte dabei haben.
Die Alternativen: Auto mieten ohne Kreditkarte
Wer keine Kreditkarte besitzt oder seinen Verfügungsrahmen nicht über Wochen blockieren möchte, hat heute mehrere Möglichkeiten:
- Debitkarte oder EC-Karte: Statt eines Blocks wird der Kautionsbetrag bei manchen Anbietern direkt vom Girokonto abgebucht und nach der Rückgabe wieder gutgeschrieben. Funktioniert vor allem innerhalb Deutschlands.
- Barkaution: Vereinzelt akzeptiert, meist nur bei kleineren Stationen und nach vorheriger Absprache. Sunny Cars bietet das in einzelnen Ländern als wählbaren Service an.
- No-Deposit-Pakete: Der Vermittler übernimmt die Kautionsstellung beim lokalen Partner. Am Schalter braucht es dann gar keine Kreditkarte mehr, gezahlt wird per Lastschrift, PayPal oder Rechnung.
Wichtig zu wissen: Mietpreis-Zahlung und Kaution sind zwei getrennte Vorgänge. Viele Anbieter und Vergleichsportale ermöglichen die bequeme Online-Zahlung des Mietpreises per SEPA-Lastschrift oder PayPal. Das ändert aber nichts daran, dass am Schalter trotzdem die Kreditkarte für die Kaution verlangt wird.
Das gilt auch für Buchungen über Drittportale wie Check24 oder billiger-mietwagen.de: Wer dort bequem per Lastschrift zahlt, hat damit nur den Mietpreis erledigt, nicht die Kaution beim lokalen Vermieter. Wirklich »ohne Kreditkarte« bekommen Sie das Auto nur, wenn Sie auch für die Kaution eine alternative Lösung haben.
Hier klappt das Mieten ohne Kreditkarte
Hinweis vorweg: Die folgenden Angaben sind eine Orientierung, keine Garantie. Die Bedingungen unterscheiden sich oft nicht nur zwischen den Anbietern, sondern auch von Station zu Station. Wer auf Nummer sicher gehen will, klärt die Zahlungsoptionen vor der Buchung kurz per E-Mail mit der konkreten Mietstation. So hat man die Auskunft im Zweifel auch schriftlich.
Sixt lässt in Deutschland für Fahrzeuge bis zur Gruppe F auch Maestro- und V-Pay-Karten zu. Die Kaution wird in dem Fall direkt vom Konto abgebucht statt geblockt. Im Ausland hängt die Akzeptanz vom jeweiligen Land und der Fahrzeugklasse ab.
Europcar akzeptiert in Deutschland Visa- und Mastercard-Debitkarten als Zahlungsmittel. Welche Fahrzeugklassen damit buchbar sind, hängt von der Station ab. Bei höherwertigen Fahrzeugen führt in der Regel kein Weg an einer Kreditkarte vorbei. Im Ausland ist die Lage noch restriktiver.
Hertz blockiert die Kaution laut eigenen Angaben auch auf Debitkarten. Die genauen Bedingungen variieren stark je nach Land und Station. Wer auf Hertz angewiesen ist, sollte die stationseigenen Mietbedingungen prüfen oder kurz beim gewünschten Standort nachfragen.
Enterprise akzeptiert in Deutschland Visa, Mastercard, American Express sowie V Pay, Giro und Maestro. Für 7- und 9-Sitzer, Fullsize- und Premium-SUV sowie Luxusklassen ist allerdings eine Kreditkarte verpflichtend, der Kunde muss zudem mindestens 25 Jahre alt sein.
Alamo, das zur selben Unternehmensgruppe wie Enterprise gehört, akzeptiert in den USA an Flughafenstationen mitunter Debitkarten, meist nur gegen Vorlage des Rückflugtickets.
Der ADAC betreibt mit dem Clubmobil eine eigene Mietwagenflotte an rund 250 Stationen in Deutschland. Bezahlt wird wahlweise mit Girocard (EC-Karte) oder Kreditkarte, die Kaution beträgt 250 Euro. Die Anmietung steht ADAC-Mitgliedern wie auch Nicht-Mitgliedern offen, Mitglieder bekommen einen Rabatt. Eine echte Inlandsalternative für alle, die keine Kreditkarte haben.
Sunny Cars ist eine der wichtigsten Adressen für Reisende ohne Kreditkarte ins Ausland. Mit dem No-Deposit-Paket übernimmt der Münchner Vermittler die Kaution beim lokalen Partner, vor Ort fällt die Kreditkartenpflicht weg. Buchen muss man mindestens fünf Tage im Voraus, gezahlt wird per Lastschrift, PayPal oder Rechnung. Verfügbar ist das Paket in vielen, aber nicht allen Urlaubsländern. Darunter sind Spanien, Italien, Portugal und Griechenland.
Worauf Sie achten müssen
Damit alles glatt läuft, sollten Sie auf diese Aspekte achten:
- Aufdruck prüfen: Auf neueren Karten steht entweder »Debit« oder »Credit«. Eine einfache Faustregel: Wird der Betrag direkt vom Konto abgebucht, handelt es sich um eine Debitkarte, also keine echte Kreditkarte. Das gilt auch für virtuelle Karten von Neobanken wie Revolut oder N26, die meist als Debitkarten geführt werden und am Schalter denselben Einschränkungen unterliegen.
- Karte muss auf den Hauptfahrer laufen: Die Karte des Mitreisenden hilft am Schalter nicht weiter. Bei der Übernahme muss der Hauptfahrer persönlich anwesend sein und seine eigene Karte vorlegen.
- PIN bereit haben: Immer mehr Stationen verlangen die Karten-PIN. Wer sie nicht im Kopf hat, kommt nicht weiter.
- Im Zweifel direkt nachfragen: Die Online-Buchung ist nicht der Mietvertrag. Was im Buchungsportal akzeptiert wird, muss am Schalter nicht ausreichen, und die Bedingungen unterscheiden sich oft sogar zwischen einzelnen Stationen desselben Anbieters. Ein kurzer Anruf bei der konkreten Mietstation vor der Buchung erspart unangenehme Überraschungen.
- USA bleiben heikel: In den Vereinigten Staaten ist eine Visa- oder Mastercard-Kreditkarte mit Verfügungsrahmen praktisch unverzichtbar. Wer ohne anreist, riskiert eine teure Stornierung am Flughafen.
- Höhere Liquiditätsbelastung: Bei einer Debitkarten-Kaution verschwindet das Geld für die gesamte Mietdauer vom Konto und fehlt für andere Urlaubsausgaben.
Fazit: Mit Einschränkungen möglich
Innerhalb Deutschlands gelingt die Anmietung bei Sixt, Europcar, Enterprise und dem ADAC inzwischen meistens auch mit EC- oder Debitkarte, wenn auch oft mit Einschränkungen bei Fahrzeugklasse oder Station. Bei Hertz hängt die Akzeptanz stark von Land und Station ab, höhere Fahrzeugklassen erfordern bei Enterprise zudem zwingend eine Kreditkarte. Im europäischen Ausland ist Sunny Cars mit dem No-Deposit-Paket eine der unkompliziertesten Lösungen.
In den USA und vielen anderen Fernreisezielen führt jedoch kaum ein Weg an einer echten Kreditkarte vorbei. Wer regelmäßig Mietwagen nutzt, fährt langfristig entspannter mit einer kostenlosen Reisekreditkarte. Für alle anderen gilt: Mietbedingungen genau lesen und im Zweifel kurz bei der Wunschstation nachfragen.















