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Wimbledon : Agassi nimmt Abschied von Wimbledon

  • Aktualisiert am

Abschied mit Tränen im Auge Bild: dpa

Andre Agassi ist in der dritten Runde des Grand-Slam-Tennisturniers in Wimbledon ausgeschieden. Der 36jährige unterlag Rafael Nadal und verabschiedete sich als Spieler für immer von den All England Championships.

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          Am Samstag um 15.46 Uhr Ortszeit ist in Wimbledon ein Stück Tennisgeschichte zu Ende gegangen. Andre Agassi verließ nach seiner 6:7 (5:7), 2:6, 4:6-Niederlage gegen Rafael Nadal zum letzten Mal in seiner Laufbahn den berühmtesten Centre Court der Welt; er verabschiedete sich mit Winken und Kußhänden und einer kleinen Träne im Auge von seinen Fans, die den 36jährigen stehend mit minutenlangen Ovationen bedachten.

          „Ich danke euch allen, daß ihr mich stets so unterstützt habt“, sagte Agassi nach dem Match zu den Fans: „Das ist der Platz, auf dem man als Tennisspieler sein will, und ich werde diesen Nachmittag nie vergessen.“ Der Amerikaner scheiterte in der dritten Runde der 120. All England Championships an einem seiner Nachfolger, an einem ganz herausragenden Spieler seiner Generation. Der 20 Jahre alte Nadal war zu gut, zu jung, zu schnell, zu kraftvoll für Agassi an diesem großartigen Sommer nachmittag vor 13.800 Fans, die den besonderen Moment dieses Matches jederzeit würdigten. „Andre war unglaublich, es war eine große Ehre für mich, hier gegen ihn zu spielen“, sagte Nadal, der erstmals im Achtelfinale an der Church Road steht. Unterdessen schied auch Michael Kohlschreiber aus dem Turnier aus. Der Tennisprofi aus Oberhaching scheiterte durch eine 6:1, 2:6, 3:6, 6:7 (4:7)-Niederlage am Finnen Jarkko Nieminen in der dritten Runde.

          Viele Helden auf der Tribüne

          Bereits vor Spielbeginn herrschte eine Atmosphäre auf dem altehrwürdigen Platz, wie es sie bei einem Spiel der dritten Runde nur selten gegeben hat. Zahlreiche ehemalige Grand-Slam-Sieger und Wimbledon-Helden wurden dem Publikum einzeln vorgestellt und nahmen ihren Platz in der Royal Box ein. Unter anderen Martina Navratilova und Billy Jean King wurden so begrüßt - und Steffi Graf, die wahrscheinlich viel lieber auf ihrem angestammten Platz in der Spielerloge gesessen hätte, um ihrem Mann die Daumen zu drücken.

          Geschlagen: Andre Agassi
          Geschlagen: Andre Agassi : Bild: REUTERS

          Die Fans standen eindeutig auf der Seite des Amerikaners, der in den vergangenen Jahren sein Image vom Ekel zum freundlichen Elder Statesman des Tennis gewandelt hat. Vor 19 Jahren war er erstmals an der Church Road aufgetaucht, mit langen Zottelhaaren, wilden Shorts - ein Schock für die noblen Kluboberen. 1992 gewann er den Titel, ein Grundlinienspieler der neuen Power-Generation mit beidhändiger Rückhand und Kunststoffschläger. Am Samstag mußte er sich dem derzeitigen Meister dieses Spielertyps geschlagen geben, der offenbar gelernt hat, auch auf Gras sein Spiel durchzusetzen.

          Nerven verloren

          Bereits im ersten Durchgang schien Nadal ständig einem Break näher, hatte Breakbälle bei 2:1, die Agassi abwehren konnte. Ein Schrei der Erleichterung hallte durch das Stadion, als Agassi das Spiel dennoch gewann. Die Sympathien waren eindeutig, auch als Agassi bei 4:5 gegen ihn insgesamt drei Satzbälle mit exzellenten Aufschlägen abwenden konnte. Im Tiebreak zeigte Agassi dann sein bestes Tennis, hatte bei einer 5:4-Führung und zwei eigenen Aufschlägen die große Chance, den Satz zuzumachen. Doch ausgerechnet da verlor er die Nerven, eine einfache Vorhand setzte er ins Aus, den nächsten Punkt machte der Spanier mit einer schier unglaublichen Vorhand. Der Satz war weg, und damit auch das Match. Nadal war nun nicht mehr aufzuhalten.

          Acht Grand-Slam-Titel holte Agassi, als einziger aktiver Spieler gewann er jedes der vier großen Turniere. Noch einmal hatte er sich in diesem Frühjahr fit gemacht, die Cortisonkur für den angeschlagenen Rücken in Kauf genommen. Er hat bewiesen, daß er mit den derzeit Besten noch mithalten kann, gewinnen kann er wohl nicht mehr. Bei den US Open wird er in wenigen Wochen seinen endgültigen Abschied nehmen vom Profitennis, das sein Leben war. Wimbledon hat er nun verlassen - im nächsten Jahr kehrt er höchstens neben seiner Frau in die Königliche Loge zurück, wenn wieder die Legenden geehrt werden.

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