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Werder Bremen : Naldo und Diego kündigen Bayern den Kampf an

  • -Aktualisiert am

Diego will wieder hoch hinaus Bild: ddp

In einem Moment, in dem niemand so recht weiß, wo die Bremer anderthalb Wochen vor Beginn der Fußball-Bundesliga einzusortieren sind, wirkt die Rückkehr der beiden Brasilianer wie eine Infusion frischen Mutes.

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          Vielleicht war es gar nicht so schlecht für Diego und Naldo, dass sie die schwachen Bremer Vorbereitungsspiele nicht aus nächster Nähe haben betrachten müssen. Sie können jetzt ziemlich unvoreingenommen die letzte Phase der aktiven Einstimmung auf die neue Bundesliga-Saison miterleben. Und das tun die brasilianischen Werder-Stars auch – als wäre da nichts gewesen, keine Niederlagen gegen Zweitliga-Vertreter, keine Verletzungsserien.

          Seit Sonntag sind die beiden frisch gekrönten Südamerika-Meister zurück an der Weser, und wenn sie auch nicht allzu viel beigetragen haben zum Triumph ihres Heimatlandes bei der Copa America in Venezuela, wirkt die Eingliederung der beiden Bremer Profis wie eine Infusion frischen Muts auf die bislang vom Verletzungspech geplagte Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf. Diego, der 22 Jahre alte Mittelfeldspieler, und Naldo, der 24 Jahre alte Verteidiger, haben jede Menge Selbstbewusstsein mitgebracht – große Vorfreude auf die Spielzeit 2007/08 ist aus ihren Äußerungen herauszuhören.

          Die Liste der Ausfälle ist lang

          In einem Moment, in dem niemand so recht weiß, wo die Bremer anderthalb Wochen vor Beginn der Fußball-Bundesliga und vier Tage vor dem ersten Pflichtspiel im DFB-Pokal bei Eintracht Braunschweig einzusortieren sind ohne den verkauften Klose und den verletzten Frings, richten sich hoffnungsvolle Blicke auf die beiden Rückkehrer. „In der letzten Saison haben wir auch viele Testspiele verloren und dann eine tolle Serie gespielt“, beruhigte Naldo aufgeregte Gemüter, bevor die Bremer zum Testspiel beim englischen Premier-League-Klub FC Everton flogen. Er verspricht: „Wenn es um Punkte geht, sind wir topfit.“ Diego assistierte: „Es ist sicher schade, dass es uns wieder so erwischt hat. Doch wir haben viele starke Spieler im Kader und werden zum Start eine wettbewerbsfähige Mannschaft stellen.“

          Werder ganz in Grün - der Farbe der Hoffnung

          Owomoyela, Frings, Womé, Almeida, Pasanen, Andreasen – die Liste der Ausfälle in der Vorbereitung ist lang, und auch der acht Millionen Euro teure Einkauf Carlos Alberto kann noch nicht mitspielen. Umso besser, dass Clemens Fritz wieder fit ist und eben Diego und Naldo dabei sind. Beide freuen sich natürlich darüber, in Carlos Alberto einen dritten Landsmann an der Weser begrüßen zu dürfen. Diego sagt: „Er ist nicht nur ein guter Spieler, sondern auch ein dicker Freund von mir. Wir haben bislang prächtig harmoniert. Er wird der Mannschaft weiterhelfen.“

          Naldo beschreibt die Qualitäten des rechten Mittelfeldspielers, den Werder nach langem Bietergefecht mit dem Hamburger SV schließlich doch bekam: „Er ist dribbelstark, ein exzellenter Fußballer, offensivstark. Darüber hinaus ist er ein sehr offener, extrovertierter Mensch. Er geht auf jeden zu.“

          Titel lässt sich nicht kaufen

          Gerade Letzteres könnte der stillen Bremer Mannschaft weiterhelfen: speziell jetzt, da der Anführer Frings fehlt. Der letzte „Lautsprecher“, der alle mitriss und auch durch Leistung überzeugte, war Valérien Ismael. Im Meisterjahr 2004. Vielleicht wird auch ein anderer demnächst lauter. Der eigentlich ruhige und freundliche Naldo scheint durch den ersten großen Titel seiner Laufbahn nämlich einen Schub an Selbstvertrauen bekommen zu haben, obwohl er bei der „Copa“ nur einmal für sein Land spielen durfte (im Viertelfinale gegen Chile wurde er eingetauscht).

          Eine schöne Kampfansage Richtung München hat Naldo schon losgelassen. „Mit Geld allein kannst du keine Titel kaufen. Auch im letzten Jahr waren die Bayern der große Favorit und sind am Ende nur Vierter geworden. Wir können es in dieser Saison packen. Wir hatten schon in der letzten die Klasse dafür.“

          Es ist also tatsächlich ein mentales Plus, dass Diego und Naldo zuletzt nicht in Deutschland waren: Die Lobhudeleien der Konkurrenz auf den „neuen FC Bayern“ scheinen die beiden nicht wahrgenommen zu haben. „Bayern ist nicht der, sondern ein Favorit um die Meisterschaft“, sagt Diego, „Werder ist so stark, dass wir wieder um den Titel spielen werden.“

          Testen, Probieren, Hoffen

          Er wirkt, als sei er nach der für ihn enttäuschenden Südamerika-Meisterschaft mit einigen Kurzeinsätzen besonders heiß auf die neue Saison: als wolle er allen zeigen, dass er sehr wohl für einen Platz in der Mitte des Feldes der Brasilianer in Frage komme. „Ich werde trotz der kurzen Vorbereitung topfit in die neue Saison gehen“, sagt Diego. Das könnte nicht die schlechteste Ausgangsposition für eine große Spielzeit des kleinen Regisseurs sein. Und womöglich hat er ohne den allzeit dominanten Frings auch etwas mehr Luft zum Atmen im Bremer Mittelfeld. Das allerdings ist eine Spekulation. Doch spekulieren ist ja erlaubt in diesen Zeiten des Testens und Probierens und Hoffens.

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