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Über den Rhein : Warten auf die Brücke

  • -Aktualisiert am

Auch auf eine Brücke im Mittelrheintal muss wohl noch Jahre gewartet werden. (Archivbild) Bild: dpa

Wer den Rhein überqueren möchte, merkt schnell, wie begrenzt die Möglichkeiten dafür sind. Im Mittelrheintal ist man sich immerhin einig, dass eine Brücke notwendig ist. Doch gute Worte allein reichen nicht.

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          Flüsse trennen, Brücken verbinden. Das ist eine simple Feststellung. Doch schon beim Unterhalt bestehender Brücken tut sich dieses Land schwer, wie die Vielzahl der Brückenbaustellen in der Rhein-Main-Region und wie es die Havarien der Schiersteiner und der Salzbachtalbrücke belegen. Noch schwerer, als rechtzeitig zu sanieren, tun sich Politiker damit, neue Brücken zu schlagen. Das hat weniger mit den hohen Kosten solcher Projekte zu tun als mit der Sorge um die Natur und mit der Furcht vor nicht beherrschbaren Verkehrsströmen. Die Mainzer wollen deshalb keine weitere Autobrücke über den Rhein, und der Kreis Mainz-Bingen torpedierte jahrelang einen neuen Anlauf für eine aus Naturschutzgründen schon einmal verworfene Verbindung zwischen Rüdesheim und Bingen. Auch im Rheingau gibt es bei Brücken-Skeptikern die Furcht vor noch mehr Verkehr auf der Rheinuferstraße.

          Doch knapp 90 Kilometer Rheinlauf zwischen Wiesbaden und Koblenz ohne jede Brücke sind eine Zumutung. Wie gefährdet die Funktionsfähigkeit der Verkehrsinfrastruktur ist, wenn nur eine der bestehenden Brücken nicht mehr zur Verfügung steht, haben die Bürger in den vergangenen Jahren mehrfach leidvoll erfahren, auch am Beispiel Theodor-Heuss-Brücke. Weitere Brücken sind dringend notwendig, auch im Mittelrheintal. Dort war es der skurril anmutende Streit darüber, ob ein Neubau als Kreis- oder Landesstraße zu klassifizieren wäre, der das Vorhaben fast zu Fall gebracht hätte. Zum Glück war es ein Streit unter Brückenbefürwortern, und am Ende wurde ein Kompromiss gefunden. Nun kann es mit den in Deutschland quälend langen Diskussions-, Vorbereitungs-, Planungs- und Genehmigungsprozessen immerhin weitergehen. Mit dieser halbwegs guten Nachricht muss sich zufriedengeben, wer in einem Rechtsmittelstaat voller Bedenkenträger lebt.

          Nur Träumer haben gehofft, eine Brücke im Mittelrheintal werde womöglich schon die Bundesgartenschau 2029 bereichern. Bis dahin sieht sich die Landesbehörde Hessen Mobil noch nicht einmal in der Lage, in Rüdesheim eine Bahnunterführung für die Rheinuferstraße zu bauen. Selbst die Kanzlerin beklagte noch kurz vor Ausbruch der Pandemie „elend langsame“ Planungs- und Genehmigungsprozesse in Deutschland. Der traurige Zustand bestehender und die Zahl bislang nicht gebauter Brücken sind ein guter Beleg für Merkels Forderung: „Wir müssen schneller werden“. Doch gute Worte allein bauen keine Brücken.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

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