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Große Enttäuschung für Geiger : Der abgestürzte Adler

War nicht zufrieden mit seinen Sprüngen in Innsbruck: Karl Geiger Bild: EPA

Karl Geiger verliert den Windkampf am Bergisel und braucht nun ein kleines Wunder bei der Vierschanzentournee. Das Springen in Innsbruck misslingt völlig – nicht nur für den Deutschen. Der Tagessieg geht wieder an einen Norweger.

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          Die Düsternis, die sich am Samstag mit zunehmender Dauer über die Schanze am Bergisel legte, war sinnbildlich für den Gemütszustand von Karl Geiger. Nach dem Sonnenscheinerlebnis von Garmisch-Partenkirchen, wo der 26 Jahre alte Skispringer wie schon zuvor auf seiner Heimschanze in Oberstdorf Zweiter geworden war und im Kampf um die Gesamtwertung der Vierschanzentournee lediglich 6,3 Wertungspunkte hinter Titelverteidiger Ryoyu Kobayashi lag, verspielte er in Innsbruck aller Voraussicht nach seine Chancen auf den ganz großen Coup.

          Geiger hatte wie so manch anderer Spitzenspringer auch unter sich immer wieder ändernden tückischen Windverhältnissen an der traditionell herausfordernden Bergisel-Schanze zu kämpfen und kam in der zudem langsameren Anlaufspur mit seinem ersten Sprung auf lediglich 117,5 Meter. „Ich war schon ziemlich auf 180 und genervt“, sagte Geiger später.

          Platz 23 nach dem ersten Durchgang – im Rennen um den Goldenen Adler war dies ein herber Rückschlag, denn die Herausforderer aus Polen und Norwegen, die bei ihren Sprüngen weitaus bessere Bedingungen hatten, waren Geiger leicht und locker davongeflogen. Dawid Kubacki bekam ebenso wie Marius Lindvik erst bei der Tagesbestweite von 133 Metern Bodenhaftung. Und Kobayashi? Der Japaner erlebte einen Absturz ungeahnten Ausmaßes. Nach zwei Sprüngen auf lediglich 122 und 120 Meter wurde der Dominator des vergangenen Jahres nur 14. und verlor zudem die Führung im Gesamtklassement an Kubacki (830,7 Punkte). Geiger, der nach einem guten zweiten Sprung auf 126 Meter noch Achter wurde, überholte mit insgesamt 817,4 Punkten zwar Kobayashi, verlor aber gleichzeitig einigen Boden auf Kubacki und den Gesamtzweiten Lindvik (821,6). Kobayashi ist mit 817,0 Punkten nur noch Gesamtvierter.

          Der enttäuschte Geiger sagte nach einem „zähen Tag“, dass es auf der Schanze bei schweren Bedingungen „brutal“ gewesen sei. „Meine Sprünge waren nicht erste Sahne. Es ist, wie es ist. Aber es ist noch nicht vorbei.“ Bundestrainer Stefan Horngacher sieht dies ähnlich: „Der Wind heute war unkalkulierbar, damit müssen wir leben.“ Trotz Geigers schlechtestem Wettkampf bei der Vierschanzentournee sieht Horngacher seinen besten Springer noch nicht geschlagen: „Wir bleiben dran. Wir geben nicht auf.“

          Warum auch? Geiger ist schließlich nicht nur der aktuell beste Botschafter des deutschen Zolls. Angestellt seit 2016 im dortigen Skiteam, sorgt der Skispringer grenzüberschreitend für Aufsehen. Das hat der 26 Jahre alte Oberstdorfer zwar auch schon bei der vergangenen Weltmeisterschaft in Seefeld gemacht, die er mit zwei Goldmedaillen und einem zweiten Platz verließ. Doch in diesen Tagen, in denen es bei der prestigeträchtigen Vierschanzentournee Schlag auf Schlag geht und physische und psychische Belastungen auf einem beständig hohen Niveau sind, ist der Name Geiger in aller Munde. In seiner Heimat ist es fast schon ein Allerweltsname, denn in der kleinen Marktgemeinde im südlichsten Zipfel Deutschlands heißen viele Geiger. Doch nur einer springt so in der Weltspitze mit wie Karl Geiger.

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