https://www.faz.net/-1qk-a0rnr

Homo- und bisexuelle Männer : Forderung nach gelockerten Blutspende-Regeln wird lauter

  • Aktualisiert am

Überlebenswichtig: Blutspenden werden dringen benötigt (Symbolbild). Bild: dpa

Mediziner warnen vor einem Mangel an Blutkonserven. Im hessischen Landtag werden nun viele Stimmen laut, auch homo- und bisexuelle Männer als Spender zuzulassen.

          2 Min.

          Vertreter fast aller Fraktionen im hessischen Landtag haben sich dafür stark gemacht, dass homo- und bisexuelle Männer leichter Blut spenden dürfen. „Nicht sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität, sondern ausschließlich das individuelle Risikoverhalten muss darüber entscheiden“, sagte der Grünen-Abgeordnete Felix Martin am Donnerstag in Wiesbaden. Derzeit seien Männer, die Sex mit Männern haben, faktisch von der Blutspende ausgeschlossen. „Wollen sie Blut spenden, müssen sie zwölf Monate lang enthaltsam leben. Das ist diskriminierend und medizinisch nicht zu begründen“, erklärte Martin.

          Auch der gesundheitspolitische Sprecher der CDU, Ralf-Norbert Bartelt, nannte diese Regelung „nicht mehr zeitgemäß“. „Ich plädiere heute dafür, dass jeder Mensch Blut spenden darf, der vier Monate in einer monogamen Beziehung lebt.“ Damit würde die Möglichkeit zur Blutspende am Risikoverhalten ausgerichtet und nicht an der sexuellen Orientierung.

          Das sexueller Risikoverhalten

          Wiebke Knell von der FDP erklärte, für die Blutspende sei der Gesundheitszustand eines Menschen entscheidend. „Deshalb sollte die Frage nach dem sexuellen Risikoverhalten hetero- und homosexuellen Männern und Frauen gleichermaßen gestellt werden.“ Diese Meinung unterstützte auch die SPD-Abgeordnete Ulrike Alex.

          Andreas Lichert von der AfD-Fraktion erklärte dagegen, die Entscheidung über die Zulassung zur Blutspende gehöre in die Hände von Medizinern und Wissenschaftlern und nicht in die Hände von Politikern.

          Experten warnen vor Engpässen

          Der Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes teilte mit, dass in Zeiten der Corona-Pandemie die Spendebereitschaft deutlich zurückgegangen sei. Auch das Universitätsklinikum Marburg und Gießen warnte vor möglichen Engpässen. Das Klinikum benötige rund 40.000 Blutkonserven im Jahr. Auch Hessens Gesundheitsminister Kai Klose (Die Grünen) erinnerte jüngst an den großen Bedarf: „Jede Woche werden in Hessen zur Patientenversorgung mehrere tausend Blutspenden benötigt. Jeder kann, zum Beispiel als Unfallopfer, auf Blutspenden angewiesen sein.“

          Erstspender können nach Angaben des hessischen Ministeriums für Soziales und Integration bis zum vollendeten 65. Lebensjahr Blut abgeben. Das Höchstalter für Blutspender sei das vollendete 73. Lebensjahr. Blut spenden dürfe aktuell niemand, der in den vergangenen vier Wochen aus dem Ausland zurückgekehrt sei. Mögliche Spender mit Kontakt zu einer Person, die positiv auf Corona getestet worden sei, könnten für vier Wochen nach dem letzten Kontakt kein Blut spenden. Wie es weiter heißt, seien Personen, die an Covid-19 erkrankt waren, für vier Wochen nach Ausheilung von der Blutspende zurückgestellt.

          Topmeldungen

          Laschet und Merkel in Stralsund am Dienstagabend

          Merkel und Laschet : Kann er Ostsee?

          In Stralsund macht Angela Merkel Wahlkampf mit Parteifreunden. Der eine will ihren Platz im Wahlkreis einnehmen – der andere jenen im Kanzleramt.
          Idar-Oberstein: Blumen und Kerzen sind vor der Tankstelle aufgestellt, in der ein Angestellter erschossen wurde.

          Idar-Oberstein : Allgegenwärtige Enthemmung

          Aus den widerlichen Reaktionen im Netz ist nicht auf das Tatmotiv in Idar-Oberstein zu schließen. Man muss aber nicht nach Idar-Oberstein schauen, um zu wissen, dass jeder „Extremismus“ in Bestialität enden kann.
          Der französische Präsident Emmanuel Macron am 7. September in Paris

          U-Boot-Streit mit Amerika : Warum Frankreich den Eklat herbeiführte

          Im U-Boot-Streit mit Amerika, Großbritannien und Australien hat Paris seine Botschafter aus Washington und Canberra zurückberufen. Im Gespräch mit der F.A.Z. erklären beide die Hintergründe und, wie sich die NATO aus ihrer Sicht ändern muss.