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Obama wird Präsident der Vereinigten Staaten : „Der Wandel hat Amerika erreicht“

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Obama lässt sich mit seiner Familie in Chicago feiern Bild: AFP

Barack Obama ist am Ziel: Mit deutlichem Vorsprung hat der Demokrat sich bei der Präsidentenwahl gegen den Republikaner John McCain durchgesetzt und wird als 44. Präsident ins Weiße Haus einziehen. Er stehe vor großen Herausforderungen, sagte Obama: „Zwei Kriege, ein Planet in höchster Gefahr und die schwerste Finanzkrise seit einem Jahrhundert“.

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          Mit einem historischen Wahlsieg hat der 47 Jahre alte Barack Obama eine neue Ära in den Vereinigten Staaten eingeleitet. Erstmals wird mit dem demokratischen Senator aus Illinois ein Schwarzer die Geschicke des mächtigsten Landes der Erde lenken. Rund 140 Jahre nach der Abschaffung der Sklaverei in den Vereinigten Staaten bescherten die Wähler Obama einen überwältigenden Sieg und damit ein Mandat für seinen von ihm versprochenen Wechsel in der Politik. Sein republikanischer Rivale John McCain gratulierte Obama und versprach eine parteiübergreifende Zusammenarbeit. Auch bei den parallel abgehaltenen Kongresswahlen konnten die Demokraten punkten und ihre Mehrheit ausbauen. Hundertausende Amerikaner feierten bis spät in die Nacht den Sieg Obamas.

          Die Wähler präsentierten dem noch bis zum 20. Januar 2009 amtierenden Präsidenten George W. Bush damit auch die Rechnung für eine Politik, die von einer großen Mehrheit der Amerikaner nicht mehr mitgetragen wurde. Politiker aus aller Welt gratulierten dem designierten Präsidenten schon kurz nach dessen Wahlsieg zum Teil überschwänglich. In fast allen Erklärungen klang die Hoffnung an, dass sich die Zusammenarbeit mit Amerika in Zukunft wieder verbessern möge.

          „Den amerikanischen Traum wiederbeleben“

          „Der Wandel hat Amerika erreicht“, sagte Obama in seiner Siegesrede vor Hunderttausenden jubelnder Menschen in seiner Heimatstadt Chicago (Die Siegesrede von Barack Obama im Wortlaut). Dies „ist unsere Zeit, (...) um den amerikanischen Traum wieder zu beleben“. „Der Weg vor uns wird lang sein. Unser Aufstieg wird steil sein. Wir werden nicht alles in einem Jahr oder in einer Amtszeit erreichen. Aber Amerika, ich hatte nie mehr Hoffnung als heute Nacht, dass wir es schaffen werden.“

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          Obama wird Präsident der Vereinigten Staaten : „Der Wandel hat Amerika erreicht“

          Obama sagte, das Land stehe angesichts zweier Kriege im Irak und Afghanistan sowie der gravierenden Finanzkrise vor enormen Herausforderungen. Es werde einige Zeit brauchen, die Wirtschaft anzukurbeln und „Allianzen zu reparieren“. Aber er werde es schaffen. Die Wahl habe bewiesen, dass es die Vereinigten Staaten von Amerika gebe, über alle sozialen und ethnischen Grenzen hinweg. Es sei „ein Beweis der Macht der Demokratie“, sagte ein strahlender Obama. (Weitere Reaktionen und Glückwünsche Obama: Gratulationen aus aller Welt)

          McCain: Der Fehler liegt bei mir

          McCain hatte die Niederlage kurz zuvor in Phoenix im Bundesstaat Arizona eingestanden: „Das amerikanische Volk hat gesprochen und es hat klar gesprochen.“ McCain rief seinen enttäuschten Anhängern zu: „Der Fehler liegt bei mir - nicht bei Euch.“ Der 72-Jährige unterbrach mehrfach Buh-Rufe, die ertönten, wenn er von Obama sprach. „Senator Obama hat Großes für sich und für sein Land erreicht.“ McCain und Präsident Bush gratulierten dem Sieger telefonisch und nannten die Wahl historisch.

          Obama profitierte nach dem längsten und teuersten Wahlkampf in der Geschichte der Vereinigten Staaten offensichtlich vom Vertrauen seiner Landsleute, er könne die schwere Finanzkrise in den Griff bekommen. Dem Demokraten gelang auch eine beispiellose Mobilisierung der Wähler.

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