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Folgen der Austrocknung : Das wachsende „Wasser-Problem“

Bild: F.A.Z.

Die Wälder leiden, das Schadholz türmt sich, die Böden dürsten und Trinkwasser-Notstände in Gemeinden weisen die Richtung: Eine vorläufige Bilanz der Trockenheit, die trotz frischem Regen nicht vergehen will.

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          Die historisch beispiellose Trockenheit, die 2018 anfing und bis in dieses Jahr hineinreicht, treibt die Schadensbilanz der Waldbesitzer immer höher, und auch die Politik von der kleinsten Kommune bis zum Bund ist ungeachtet der längst noch nicht ausreichenden Niederschläge der vergangenen Tage alarmiert: Zahlreiche Gemeinden im Land haben im Corona-Sommer einen Trinkwassernotstand ausgerufen, weil die in den Ferien daheim gebliebenen Bürger einen Mehrverbrauch verursachten; Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat angekündigt, bis nächstes Jahr eine nationale Wasserstrategie vorzulegen, und in wenigen Wochen werden die Ergebnisse des Nationalen Wasserdialogs vorgelegt. Ist das „Wasser-Problem“ wirklich so groß, wie derzeit der Eindruck entsteht?

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Ein Besuch in den heimischen Wäldern zeigt, was Forstexperten wie in unserem Video schonungslos beklagen: Die Lage hat sich massiv zugespitzt. Klimawandel und Wasserverbrauch schaden erheblich, ökologisch wie wirtschaftlich – und erst Recht da, wo Wasserwerke mit den Bäumen um Grundwasser konkurrieren. Mit seinen Wasserdefiziten ist Deutschland längst auch in guter Gesellschaft, wie eine aktuelle Studie von Wissenschaftlern aus Deutschland, der Schweiz und Japan in der Zeitschrift „Environmental Science & Technology“ unterstreicht. Fazit der Untersuchung: Die Wasserressourcen sind global gesehen bereits zu gut einem Viertel übernutzt – heißt: Von rund 11.000 Reservoiren, die wegen ihrer regionalen Bedeutung für die Versorgung mit Frischwasser in die Untersuchung eingeflossen sind, werden inzwischen 24 Prozent nicht mehr nachhaltig genutzt.

          Ein Fünftel ist „Luxuskonsum“

          Klimawandel und Verbrauchssteigerungen sorgen dafür, dass die regionalen Kapazitäten nicht mehr ausreichen. Zu einem großen Teil – 59 Prozent – geht der Mehrverbrauch auf die Befriedigung elementarer Bedürfnisse, etwa für Trinkwasser, die Nahrungsmittelproduktion und Hygiene, zurück. Lediglich ein Fünftel ist „Luxuskonsum“, schreibt die Forschergruppe um Matthias Finkbeiner von der Technischen Universität Berlin. 

          Das Wasser-Problem ist dabei in Deutschland wie in den meisten anderen bevölkerungsreichen Gebieten auf ganz bestimmte Zeitfenster im Jahresverlauf konzentriert – diese Phasen verlängern sich allerdings vielerorts immer mehr. Hierzulande etwa sollte es theoretisch kein Mengenproblem geben: Nur 12,8 Prozent des verfügbaren Süßwassers werden laut Umweltbundesamt vom Menschen genutzt. Trotzdem kommt es durch klimatische Veränderungen immer öfter zum Wasserstress. Die Erschöpfung des Grund- und Bodenwassers hat in den beiden vergangenen Dürrejahren dazu geführt, dass die Wassermassendefizite in Mitteleuropa im Jahr 2018 auf 112 Milliarden Tonnen und 2019 auf 145 Milliarden Tonnen angewachsen waren.

          „Man bräuchte, verglichen mit dem Durchschnittswert, in etwa die doppelte Wasserzunahme über den Winter, um allein dieses Defizit auszugleichen“, schrieben Forscher des Helmholtz-Zentrums Potsdam und des Deutschen GeoForschungszentrums GFZ nach Auswertung jüngster Satellitendaten. So viel Niederschlag war jedoch weder im Winter 2019/20 noch im bisherigen Verlauf dieses Jahres gefallen, damit die Bodenfeuchte und der Grundwasserpegel sich hätten erholen können.

          Die Gruppe um Finkbeiner mahnen in ihrer Studie deshalb öffentliche Hand und Politik, der zu erwartenden Steigerung des Wasserstresses aktiv entgegenzutreten: durch effizientere Bewässerungsmaßnahmen, den Umstieg auf trockenresistentere Bäume und Nutzpflanzensorten, das Anlegen zusätzlicher Wasserspeicher, die Verringerung der Nahrungsverschwendung und möglicherweise auch durch Verlegung von stark wasserverbrauchenden Betrieben in hydrologisch weniger problembehaftete Regionen.

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