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Bild für Bild : Armut hat ein Gesicht

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Im Blickpunkt die Ärmsten der Armen: die dreijährige Victoria Santillo aus Monterrey. Bild: AP

Im nordmexikanischen Monterrey beraten Vertreter aus 190 Staaten über Wege aus der Armut. Direkt hinter dem Kongresszentrum beginnen die Slums. Eine FAZ.NET-Bildstrecke.

          Vom 18. bis 22. März findet im nordmexikanischen Monterrey die erste UN-Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung statt. Vertreter aus rund 190 Staaten beraten unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen. Die Weltgemeinschaft will erstmals zusammen mit internationalen Finanzorganisationen und Wirtschaftsvertretern ein umfassendes Konzept vorlegen, wie sich der Kampf gegen die Armut finanzieren lässt. Dabei geht es nicht nur um die klassische Entwicklungshilfe aus der Staatskasse, sondern auch um private Gelder aus Handel und Investitionen.

          Ziel ist, das Versprechen des New Yorker Millenniumsgipfels im September 2000 einzulösen und die Zahl der extrem Armen in der Welt bis 2015 um die Hälfte zu senken. Als „extrem arm“ gelten die rund 1,2 Milliarden Menschen, die täglich von weniger als einem Dollar leben müssen, die hungern, kein sauberes Trinkwasser haben, die Schulen und Krankenhäuser meist nur von Außen kennen.

          Das ist ein kostspieliges Versprechen: Um das Ziel zu erreichen, müsste die Entwicklungshilfe nach Berechnungen einer UN-Kommission von derzeit rund 50 Milliarden Dollar pro Jahr auf einen Schlag verdoppelt werden. Wenn die Weltgemeinschaft diese Mittel nicht bald aufbringe, drohten die Versprechen des Millenniumsgipfels zu
          reinen Lippenbekenntnissen zu verkommen, warnte UN-Generalsekretär Kofi Annan.

          Im nordmexikanischen Monterrey will die Weltgemeinschaft zusammen mit Finanzorganisationen und Wirtschaftsvertretern ein Rezept zur Bekämpfung der Armut entwickeln.

          Staatliche Entwicklungshilfe auf Tiefstand

          Die staatliche Entwicklungshilfe ist auf einem Zehn-Jahres-Tief. Und das, obwohl sich die Industriestaaten bereits 1992 auf dem Gipfel von Rio de Janeiro verpflichteten, 0,7 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) für den Kampf gegen die Armut bereitzustellen.

          Die Realität sieht anders aus. Nur eine Handvoll Staaten, darunter Holland und Schweden, halten sich an diese Vorgabe. In Deutschland fiel der Anteil der Entwicklungshilfe-Mittel am BIP von 0,42 im Jahr 1990 auf magere 0,27 Prozent im Jahr 2000. Erst unter Druck aus Brüssel stimmte Berlin jetzt EU-Plänen zu, nach denen die Mitgliedstaaten ab 2006 mindestens 0,33 Prozent ihres Bruttosozialprodukts für Entwicklungshilfe ausgeben sollen.

          Als größter Blockierer gelten die Vereinigten Staaten. Sie wollten das Rio-Ziel nie unterschreiben und geben derzeit nur 0,1 Prozent ihres BIP für diesen Zweck aus. Dabei sei es gerade Washington, das vom Kampf gegen die Ursachen des Terrors profitieren könnte, wird die Europäische Union nicht müde zu betonen. Die Anti-Terror-Koalition müsse sich in eine „internationale Koalition gegen die Armut“ wandeln, forderte
          Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD), die Berlin in Monterrey vertritt.

          Heftige Kritik von Nichtregierungsorganisationen

          Nichtregierungsorganisationen (NGO) üben heftige Kritik an der Konferenz. Die NGOs nennen den Ende Januar vorgestellten „Monterrey-Konsens“ ein „windelweiches Papier“. Darin würden weder konkrete Zeitpläne für die Entwicklungshilfe festgeschrieben noch verbindliche finanzielle Zusagen gemacht.

          Mit dem „Minimal-Konsens“, wie ihn auch die EU-Staaten nennen, falle die Weltgemeinschaft deutlich hinter die selbst gesteckten Ziele von Rio zurück. Statt die Mittel für die Entwicklungshilfe aufzustocken, setzten die Staaten vor allem auf private Initiativen und den freien Handel mit Entwicklungsländern. Durch Schutzzölle entgehen den ärmsten Staaten nach UN-Schätzungen jährlich 130 Milliarden Dollar.

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