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Strategie : 2011 - nicht das Jahr der Schwellenländeraktien

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Bild: F.A.Z.

Viele Strategen und Anlageberater erklären, Anleger sollten in Rohstoffe und Schwellenländeranlagen investieren. Tatsächlich konnten europäische Anleger in diesem Jahr mit Schwellenländeraktien nur mit viel Geschick Geld verdienen.

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          Selbst nach den massiven Preis- und Kursgewinnen der liquiditätsgetriebenen Erholung nach der Krise sind viele Strategen und Anlageberater weiterhin davon überzeugt, dass Anleger weiterhin in Rohstoffe und Schwellenländeraktien investieren sollten. Allerdings sind solche Einschätzungen mit einer gewissen Vorsicht zu genießen, sobald sie zur allgemeinen Weisheit geworden sind.

          Tatsächlich konnten europäische Anleger in diesem Jahr mit Schwellenländeraktien nur mit viel Geschickt Geld verdienen. Denn erstens stagniert die Kursentwicklung in vielen Märkten. Zweitens haben sie die starke Aufwertung des Euro und die relative Schwäche vieler Schwellenländerwährungen, die sich zum Teil an die Entwicklung des Dollars anlehnen, gegen sich.

          Europaphantasie beflügelt die Kurse in Serbien

          Kursgewinne von bis zu knapp 30 Prozent ließen sich mit Investments in den serbischen Aktienmarkt erzielen. Der profitiert unter anderem auch nach der Gefangennahme und Auslieferung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Ratko Mladic von einer allgemeinen Eurobeitritts- und der üblichen Konvergenzphantasie. Sie zeigen sich unter anderem in Form starker Kurszuwächse bei Aktien des Molkereiunternehmens Imlek und des Futtermittelunternehmens Sojaprotein, deren Papiere auf Sicht eines Jahres Kursgewinne von 71 und 31 Prozent verzeichnen konnten.

          Bild: F.A.Z.

          Auf Kursgewinnen sitzen auch noch jene, die frühzeitig auf den Kohleboom in der Mongolei gewettet hatten. Aufgrund der vergangenen Chinaeuphorie waren die Kurse entsprechender Unternehmen in den vergangenen Monate durch die Decke gegangen, nachdem starke Regenfälle Kohlegruben in Australien überflutet und damit die Befriedigung der chinesischen Nachfrage gefährdet hatten. Inzwischen ist diese Euphorie allerdings wieder am Abklingen und der Kurs des MSE Top 20 Index befindet sich auf dem Weg nach unten. Vergleichbares gilt auch für die bulgarischen und ungarischen Märkte, die zumindest aus fundamentaler Sicht nur bedingte Reize bieten.

          Auf der anderen Seite zeigen sich die Risiken direkter Schwellenländerinvestments an den Kurs- und Währungsverlusten, die die Märkte in Ägypten, Peru, Vietnam, Tunesien, Zypern, Argentienien, Oman, aber auch in Indien und nicht zuletzt auch China und Brasilien in den vergangenen Monaten hinnehmen mussten. Sie sind einerseits das Resultat geopolitischer Ereignisse, andererseits zeigen sich die Folgen falscher wirtschaftspolitischer Strategien. Viele Schwellenländer haben zu lange ihre Zinsen zu tief und ihre Währungen zu schwach gehalten und müssen nun die Folgen in Form stark steigender Preise hinnehmen. Ein extremes Beispiel ist Vietnam.

          Politische und Rechnungslegungsrisiken

          Auch am Beispiel Perus zeigen sich politische Risiken. Die peruanische Aktienbörse reagierte am Montag zunächst mit Rekordverlusten von bis zu 12,45 Prozent auf den Wahlsieg des Linksnationalisten Ollanta Humala bei der Präsidenten-Stichwahl vom Sonntag. Besonders stark sanken die Kurse von Bergbauunternehmen, da Humala die Gewinne der führenden Produzenten von Gold, Zink und Kupfer mit höheren Steuern belasten will, um damit Sozialprogramme zu finanzieren. Viele Anleger befürchteten zunächst, Humala könne dem Kurs von Venezuelas Staatschefs Hugo Chávez nacheifern und große Teile der Wirtschaft verstaatlichen.

          Humala war allerdings zuletzt von extremen Absichten abgerückt und hatte sein Wirtschaftsprogramm im Hinblick auf die Wahlen auf einen eher moderaten Kurs umgeschrieben hatte, um breitere Wählerkreise anzusprechen. So sagte er zuletzt die Beibehaltung der Marktwirtschaft, der Stabilitätspolitik und der Zentralbank-Autonomie zu. Auch radikale Verfassungsänderungen, wie Chávez sie durchgesetzt hat, plane er nicht, versprach Humala. Sein Vorbild sei vielmehr der frühere Präsident Brasiliens, Luiz Inácio Lula da Silva, der in seiner Amtszeit starkes Wirtschaftswachstum mit einer Ausweitung der Sozialhilfen zu verbinden wusste. Hoffnungen auf die gemäßigte Linie haben am Dienstag zu einer Erholung des Lima General Index um 7,3 Prozent geführt. Ob sie gerechtfertigt sind, wird sich erst noch zeigen müssen.

          Eine epidemische Betrugswelle mit China-Aktien in Nordamerika (siehe: Betrugswelle mit China-Aktien in Amerika und Sino-Forest Corporation - ein großer Betrugsfall?macht zudem deutlich, wie trügerisch die Rechnungsstandards der Unternehmen in vielen Schwellenländern sein können. Anleger, die entsprechenden Zweifeln und Risiken Rechnung tragen wollen, dürften zu indirekten Anlagen tendieren. Dazu gehört beispielsweise der Kauf von Aktien westlicher Unternehmen, die in den Schwellenländern stark wachsen können.

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