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Familienpolitik : „Viele Frauen wollen arbeiten, sollen aber auch Kinder wollen“

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„Es gibt verschiedene Lebensentwürfe, die wir akzeptieren müssen”: Lautenschläger Bild: dpa

Die Quote für die Kleinkinderbetreuung liegt in Hessen derzeit bei 11,6 Prozent. Die hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger (CDU) über Ideologie, Kinderbetreuung und einen Wunsch an Väter.

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          Die hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger (CDU) über Ideologie, Kinderbetreuung und einen Wunsch an Väter.

          Unterstützen Sie die Bundesfamilienministerin in dem Ziel, die Zahl der Krippenplätze bis 2013 auf 750.000 zu verdreifachen?

          Frau von der Leyen geht einen richtigen Weg, und ich unterstütze sie. Ob am Ende die Zahl 750.000 steht, weiß ich nicht. Klar ist aber, dass die Quote von 20 Prozent für die Kleinkinderbetreuung, die per Gesetz bis 2010 erzielt werden soll, nicht ausreicht. Wir werden das Angebot auch danach bedarfsgerecht ausbauen müssen. Die Quote in Hessen liegt zur Zeit bis 11,6 Prozent.

          Was heißt bedarfsgerecht?

          Es werden, wie gesagt, mehr sein als 20 Prozent. Wir brauchen nun verlässliche Daten. In Städten wie Frankfurt gibt es ja schon jetzt eine größere Nachfrage. Dort müssen oft beide Elternteile arbeiten, um den Lebensunterhalt für die Familie zu sichern. In ländlichen Gegenden wohnen Familienangehörige noch näher zusammen und können die Betreuung anders regeln.

          Machen es „weiche“ Faktoren wie ein Stadt-Land-Gefälle nicht schwer, den Bedarf zu erheben? Außerdem melden Eltern Kinder in mehreren Krippen an, um überhaupt einen Platz zu bekommen. Gibt das nicht ein schiefes Bild?

          Die Kommunen können den Bedarf schon recht genau erheben, indem sie Eltern nach ihren Vorstellungen über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf befragen. Es ist wichtig, dass Eltern bei der Betreuung eine echte Wahlfreiheit haben. Dazu gehört auch die Vielfalt der Betreuung von Krippenplätzen über Tagesmütter bis zu Kindergärten, die auch Plätze für Kleinkinder vorhalten. Viele Frauen wollen arbeiten, sie sollen aber auch Kinder wollen. Wir müssen für die nötigen Rahmenbedingungen sorgen. Derzeit wird die Debatte noch mit viel Ideologie geführt, Familienbilder werden gegeneinander ausgespielt. Es gibt aber nun einmal verschiedene Lebensentwürfe, die wir akzeptieren müssen.

          Wie sollen die zusätzlichen Betreuungsplätze finanziert werden?

          Bis 2010 stellt der Bund eine Milliarde Euro dafür zur Verfügung. Das Land Hessen gibt darüber hinaus 45 Millionen Euro aus, mit denen allein in diesem Jahr 6000 weitere Plätze eingerichtet werden. Über die künftige Finanzierung will ich gemeinsam mit meinen Länderkollegen mit dem Bund in Ruhe sprechen.

          CSU-Chef Stoiber hatte die Idee, der Bund solle dies über die Mehrwertsteuer finanzieren.

          Ich bin eher dafür, zu schauen, wo wir etwa angesichts der insgesamt zurückgehenden Kinderzahlen Geld sparen, etwa bei den Kindergärten, es aber im Betreuungssystem zu belassen und für die Kleinkinder auszugeben. Was es nicht geben darf, ist eine Umschichtung, die zu Lasten von Kindergeldempfängern geht.

          Sollte es einen Rechtsanspruch auf Kleinkinderbetreuung geben?

          Über einen Rechtsanspruch kommt man nicht zu mehr Plätzen. Diese Phantomdebatte führe ich nicht.

          Wenn über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geredet wird, stehen oft die Mütter im Mittelpunkt der Debatte. Was erwarten Sie von den Vätern?

          Ich will Paaren nicht in ihre Lebensgestaltung hineinreden. Wünschen würde ich mir aber schon, dass mehr Männer die „Vätermonate“ in Anspruch nehmen, um sich um ihre Kinder zu kümmern.

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