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Vereinte Nationen : Mehr Daten für gute Taten

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Die Icons zu den „Millenium Developmental Goals” der Vereinten Nationen Bild: UN

Vor zehn Jahren formulierten die Vereinten Nationen acht ehrgeizige Menschheitsziele. Was wurde bisher erreicht und wie lassen sich Erfolg oder Misserfolg der auf den Weg gebrachten Programme messen?

          6 Min.

          Es war einer dieser Wohlfühltermine für Politiker und Diplomaten. Vor zehn Jahren, am 8. September 2000, standen nach einem dreitägigen Gipfel der Vereinten Nationen in New York die Unterschriften von 189 Staats- und Regierungschefs unter einer "Millennium Declaration", und die Protagonisten lächelten in das Blitzlichtgewitter.

          Die Unterzeichnerstaaten verpflichteten sich in der Erklärung unter anderem dazu, "nichts unversucht zu lassen, unsere Mitmenschen, Männer, Frauen und Kinder, von den elenden und entmenschlichenden Bedingungen extremer Armut zu befreien". Eines der konkreten Ergebnisse des Gipfels war, dass im Anschluss acht sogenannte Millenniums-Entwicklungsziele formuliert wurden. Bis 2015 sollen demnach nicht nur extreme Armut und Hunger vom Globus verschwinden, sondern alle Kinder wenigstens Grundschulbildung bekommen. Geschlechtergleichberechtigung soll ebenso erreicht werden wie eine starke Reduzierung von Kinder- und Müttersterblichkeit. Die Ausbreitung von Aids und Malaria soll gestoppt, ein nachhaltiger Umgang mit der Umwelt und eine effektive internationale Entwicklungspartnerschaft erreicht sein. Jedes der acht Ziele ist konkret formuliert, inklusive prozentualer Zielsetzungen und meist aufgegliedert in einen ganzen Satz von Unterzielen.

          Fünf Jahre noch bis zum Zieljahr 2015

          Während in den Industrieländern die "Millennium Development Goals" nicht unbedingt zum täglichen Sprachgebrauch gehören, ist in den meisten Entwicklungsländern schon die Abkürzung "MDGs" allgegenwärtig. Zeitungen von der Fiji Morning Post bis zu Malawis The Nation berichten regelmäßig darüber, bei welchem Ziel das eigene Land "on track" und bei welchem man noch hinterher ist.

          Vom 20. September an hat Generalsekretär Ban Ki-moon wieder für drei Tage nach New York eingeladen. Gewissermaßen zum Zweidrittelgipfel. Denn zehn Jahre sind vorbei, fünf bleiben noch bis zum Zieljahr 2015. Die Gesichter in New York werden, wenn der Gipfel beginnt, wahrscheinlich ein wenig ernster aussehen als seinerzeit. "Die Zwischenbilanz ist bestenfalls gemischt, und das liegt nicht zuletzt daran, dass die finanziellen Versprechen der Geberländer bislang meist nur teilweise eingehalten worden sind", sagt John McArthur, Geschäftsführer von "Millennium Promise", der weltweit größten Nichtregierungsorganisation, die sich praktisch ausschließlich den Millenniumszielen widmet. Auch Deutschland wird daran erinnert werden, wie sehr es im Rückstand bei den gemachten Zusagen ist. Doch soll es diesmal nicht nur um Rhetorik, sondern auch um konkrete Forschungsergebnisse gehen.

          Die wissenschaftliche Begleitung des Millenniumsprozesses sei mittlerweile "ein entscheidender Aspekt der Entwicklungspolitik" betont die in Kambodscha arbeitende Unicef-Evaluierungsexpertin Judie Forler. Können Studien, Statistiken, Datenerhebungen tatsächlich beweisen, welche Projekte, welche Maßnahmen, welche finanziellen Transferleistungen sinnvoll sind und welche nicht?

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