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Vereinte Nationen : Mehr Daten für gute Taten

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Ebenso oft fehlen nach wie vor verlässliche Daten. Die Millenniumsziele für 2015 orientieren sich fast durchweg am Vergleichsjahr 1990. Für viele Länder fehlen aus jener Zeit aber schon die fundamentalsten Daten, etwa zur Müttersterblichkeit. Auch neuere Daten sind in vielen Fällen nicht allzu robust. "Bei den Zielen zur Kinder- und Müttergesundheit etwa wäre es ideal, auf nationale Geburtsregister zurückgreifen zu können. Die existieren aber häufig nicht", sagt Mickey Chopra von Unicef. Stattdessen müsse man repräsentativ Haushalte befragen. "Weil aber Haushalte, in denen die Mutter gestorben ist, unter Umständen gar nicht mehr existieren, wird auch hier das Ergebnis verfälscht."

Korrupte Eliten bleiben die große Gefahr

Ein paar mehr oder minder universal gültige Resultate gibt es aber neben den Erfolgen mit Moskitonetzen, Aids-Medikamenten und Community-Workern doch noch. Die Ergebnisse etwa, die ein Arbeitspapier des Internationalen Währungsfonds 2004 präsentierte, sind mittlerweile halbwegs anerkannt. Demnach sind Investitionen in Bildung langfristig die effektivste Maßnahme zur Armutsbekämpfung. Die Daten der vergangenen Jahre zeigen zudem, dass es sich besonders lohnt, Geld in die ländliche Entwicklung zu stecken. Neben der direkten Hilfe für die Bauern ist vor allem der Bau von Straßen sinnvoll, auf denen Kinder zur Schule, Kranke ins Hospital und Produkte zum Markt gebracht werden können.

Selbst Eingriffe zugunsten von Nachhaltigkeit und Artenvielfalt können nachweislich zu Armutsreduktion führen. So stiegen die Fänge von Fischern in Kenia deutlich an, nachdem sie ein marines Schutzgebiet respektierten und ihre Netze nur noch in dessen Nachbarschaft warfen. Auch direkte finanzielle Transferleistungen für arme Familien, etwa das "Bolsa Familia"-Programm in Brasilien, seien durchweg sehr erfolgreich, weil die Zahlung meist an Bedingungen wie Schulbesuch und regelmäßige Arzttermine gekoppelt sei, und weil die gesteigerte Kaufkraft die lokale Wirtschaft stärke, sagt Loewe.

Es kann gelingen - unter bestimmten Bedingungen

Voraussetzung ist freilich immer, dass die Hilfe nicht von korrupten Politikern und Verwaltungen geschluckt wird. Länder wie Malawi, Ruanda und Äthiopien gelten als besonders entwicklungsorientiert, dort sind die messbaren Fortschritte groß. In Malawi hat die Unterstützung der Bauern mit Dünger und Saatgut die Erträge des einstigen Armenhauses Afrikas so ansteigen lassen, dass es nach drei Jahren zum Nahrungsmittelexporteur wurde und im Krisenjahr 2008 ein Wirtschaftswachstum von acht Prozent verzeichnete. Die Länder mit den höchsten Pro-Kopf-Entwicklungsinvestitionen machen auch die größten messbaren Fortschritte. "Das zeigt, dass es, bei aller Diskussion um Effizienz, eben entscheidend ist, ob die Dollars da sind oder nicht - ohne Geld kannst du eben keine Moskitonetze produzieren und verteilen lassen", sagt John McArthur.

Dort, wo nach wie vor korrupte Eliten herrschen und die Dollars versickern, oder wo eine Verwaltung ganz fehlt, wie etwa in Somalia, liegen auch die Milleniumsziele noch in weiter Ferne. "Wenn viele der Ziele global nicht erreicht werden, wird das zu großen Teilen an diesen ,failed states' liegen", sagt Loewe.

Sind sie bis 2015 also überhaupt zu erreichen? Die Antwort gab der UN-Funktionär Thomas Stelzer kürzlich in einer Expertenanhörung des Entwicklungsausschusses des Bundestages: "Yes, we can. Unter bestimmten Bedingungen." Der kommende Gipfel in New York soll dazu beitragen, dass den Daten auch Taten folgen.

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