https://www.faz.net/-gmu-6kmm7

Vereinte Nationen : Mehr Daten für gute Taten

  • -Aktualisiert am

Einige Beispiele, dass das funktionieren kann, gibt es. Als Erfolgsgeschichte etwa gilt die Einführung von insektizidbehandelten Moskitonetzen in Afrika. Noch vor zehn Jahren waren Geldgeber schwer davon zu überzeugen, dass es sinnvoll sein könnte, sie kostenlos zu verteilen. Die Empfänger würden sie dann nicht genügend schätzen. Mittlerweile aber, berichtet John McArthur "hat es da einen dramatischen Meinungsumschwung gegeben, und der basiert auf unwiderlegbaren Daten." Bislang sind in Afrika etwa 200 Millionen Netze verteilt worden. Und in den allermeisten Fällen werden sie nicht, wie befürchtet, zu Fischernetzen oder Putzlappen umfunktioniert. Dort, wo sie einigermaßen flächendeckend nachts über den Betten hängen, sinken die Infektionszahlen.

Ein weiteres unerwartetes, aber deutliches Ergebnis der ersten zehn MDG-Jahre ist, wie effektiv sogenannte Community Workers, die in relativ kurzer Zeit ausgebildet wurden, bei der Vorbeugung und Bekämpfung von Krankheiten sein können. Nachgewiesen ist dies speziell bei Malaria, aber auch bei Aids. "Das bedeutet, dass wir nicht mehr jahrelang warten müssen, bis genügend Mediziner, Schwestern und Pfleger ausgebildet sind", sagt der Arzt und Soziologe Mickey Chopra, seit 2009 Leiter der Abteilung Gesundheit bei Unicef in New York. Auch bei anderen Krankheiten gebe es rigorose Daten zu verschiedenen Behandlungsformen: "Inzwischen können wir mehr als dreißig verschiedene Maßnahmen empfehlen, die nachweislich Leben retten." In Malawi etwa begleitete die Pariser Lungenspezialistin Penelope Enarson zusammen mit einheimischen Kollegen ein Programm zur Tuberkulosebehandlung bei Kindern. Sie konnten nicht nur die gesunkene Kindersterblichkeit dokumentieren, sondern auch exakt die Kosten pro Kopf beziffern. Auf diesen Daten basiert inzwischen ein landesweites Programm zur Bekämpfung der Krankheit, ein weiteres Programm zur Diagnose und Behandlung von Lungenentzündungen baut darauf auf.

Wissenschaftliche Begleitung der Entwicklungszusammenarbeit

Eine Unicef-Studie, die am vergangenen Dienstag erschien, kommt zu dem Schluss, dass die Millenniumsziele viel schneller als bisher erwartet erreicht werden könnten, wenn sich die Anstrengungen noch mehr auf die Ärmsten der Armen konzentrieren würden. Doch der Fokus auf kurzfristig erreichbare Ziele und auf einzelne Krankheiten sowie auf Mütter und Kleinkinder stößt auch auf Kritik. Vikram Patel, Professor an der London School of Hygiene and Tropical Medicine, der sein Büro allerdings im indischen Goa hat, gehört zu den Mahnern. Er sagt, nachhaltige Erfolge könne es nur geben, wenn man Gesundheitssysteme als Ganzes angehe. Es gebe zwar in Sachen Müttergesundheit und Kindersterblichkeit klare Fortschritte. "Doch wir haben kaum Hinweise, dass es bei anderen Gesundheitsproblemen zu ähnlichen Verbesserungen kommt." Weitgehend vernachlässigt werde beispielsweise die psychische Gesundheit. Patel befürchtet, dass zu viel Wert auf kurzfristig messbare Indikatoren gelegt wird, während komplexe Probleme und langfristige Strategien vernachlässigt würden.

Insgesamt hätten sich die Möglichkeiten und Methoden, Entwicklungszusammenarbeit wissenschaftlich zu begleiten, deutlich verbessert, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Markus Loewe vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik in Bonn. "Doch generelle Lehren kann man nur selten ziehen, denn die Grundvoraussetzungen sind in einzelnen Ländern und Regionen häufig zu unterschiedlich."

Topmeldungen

Vorwürfe im Vorwahlkampf : Trumps zwielichtiges Telefonat

Donald Trump soll den ukrainischen Präsidenten aufgefordert haben, Ermittlungen gegen den Sohn seines möglichen Konkurrenten Joe Biden anzuschieben. Ging es auch um die Erpressung mit amerikanischen Finanzhilfen?
Wer mit Thomas Cook auf Reisen geht, macht womöglich Quartier in der Casa Cook

Touristik : Thomas Cook bemüht sich um Staatshilfe

Der älteste Touristikkonzern der Welt kämpft ums Überleben. An diesem Vormittag ist der Verwaltungsrat zusammengekommen, um nach Möglichkeiten zu suchen, die Insolvenz zu vermeiden. Auch Staatshilfen sind im Gespräch.
Kanzlerin Angela Merkel stellt mit ihrem Klimakabinett die Ergebnisse eines Kompromisses zum Klimapaket vor.

Klimakabinett : Das deutsche Klima-Experiment

Deutschland allein kann das Klima nicht retten. Aber andere Länder schauen genau darauf, wie Kanzlerin Merkel versucht, die Emissionen zu senken. Kann Deutschland Vorbild sein oder muss es über den Ärmelkanal schauen?