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Vegetarismus : Alles auf Tofu

Alt das Rezept und nicht gerade aufregend der Geschmack: Tofu Bild: dpa

Wenn das Frühstücksei nicht mehr schmeckt und das Schnitzel im Hals steckenbleibt, hilft nur noch eines: der Umstieg auf Sojakost. Mit allen Konsequenzen. Eine Erkundung auf den Spuren der Sojabohne.

          Die Wahl fällt ausnahmsweise mal leicht. Das Kühlregal im Reformhaus um die Ecke führt ganze drei Produkte: Tofu pur, Tofu mild gewürzt oder pikant nach mexikanischer Art. Daneben noch Sojabratlinge und Sojawürstchen, die außer Tofu weitere vegetarische Zusätze enthalten. Aber wenn schon, dann bitte pur. Die Verkäuferin empfiehlt zwecks geschmacklicher Verfeinerung das Einlegen in Gemüsebrühe.

          Jörg Albrecht

          Verantwortlich für das Ressorts „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Da liegt er nun, als bleicher Quader von zweihundert Gramm. Sieht ein bisschen aus wie schmutziges Styropor. Wenn man draufdrückt, gibt er federnd nach. Viel ist nicht drin: Sojabohnen, Wasser, Salz. Dafür zitiert der Hersteller auf der Packung ein zweitausend Jahre altes chinesisches Sprichwort: "Weise Männer ernähren sich von Luft, Morgentau und Tofu." Für Tofu-Novizen trifft außerdem hoffentlich zu, was die Japaner sagen: Wer das unverhoffte Glück hat, etwas zu essen, was er vorher noch nie gegessen hat, lebt angeblich 75 Tage länger.

          Der erste Geschmackseindruck deckt sich mit dem optischen: blass und ausgelaugt. Von acht befragten Kollegen findet einer das "lecker", vier urteilen mit "o. k.", drei sind der Meinung "eklig" (die Mexiko-Variante schneidet kontroverser ab: viermal lecker, einmal o. k., dreimal eklig).

          Das Auge ist mit und Bohnenkäse ist geduldig

          Ein Lebensmittel?

          Nur in einschlägigen Kreisen kursiert der Glaube, man könne aus Tofu tausend Köstlichkeiten zaubern. Als der Autor und gelernte Koch Till Ehrlich im vergangenen Jahr in der tageszeitung bezweifelte, dass man dem Bohnenkäse durch etwaiges Räuchern, Aromatisieren oder Braten kulinarisch auf die Sprünge helfen könnte, meldeten sich mehr als vierhundert empörte Leserbriefschreiber. Die Redaktion schob eine Umfrage nach: Ein Drittel der Befragten war der Meinung, Tofu schmecke prima. Knapp die Hälfte sagte, das Zeug sei fad. Die Übrigen gaben an, sie würden genauso gern Fleisch essen. Besonders erbost waren die Tofu-Freunde über ein paar Anmerkungen, die darauf abzielten, dass der Einsatz von Soja als Nahrungsersatzstoff schon von den Nazis propagiert worden sei und der heutige Anbau auf gerodeten Regenwaldflächen, vorsichtig ausgedrückt, problematisch.

          Man kann Tofu als Lebensmittel betrachten. Aber soll man das auch? "Iss Tofu, Du Würstchen!" stand auf einem Plakat, das eine Demonstrantin vor einer Woche in Berlin in die Kameras hielt. Dort hatten mehr als zehntausend Teilnehmer gegen die Agrarindustrie protestiert. Sie lagen voll und ganz im Trend: Geschichten über fleischlose Ernährung schmücken inzwischen die Titelbilder, sämtliche Lesungen der Bestsellerautoren Karen Duve ("Anständig essen") und Jonathan Safran Foer ("Tiere essen") sind ausverkauft. Wer auf sein Schnitzel verzichtet und zum Vegetarismus konvertiert, gilt dieser Tage als der bessere Mensch. Er tut sich und der Umwelt viel Gutes.

          Wirklich?

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