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Vegetarismus : Alles auf Tofu

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Die Ökobilanz der Sojabohne sieht auf den ersten Blick tatsächlich beeindruckend aus. Pro Kilogramm Soja fallen nur hundert bis dreihundert Gramm Kohlendioxid an; im Vergleich dazu schlägt ein Kilo Rindfleisch mit 13 000 Gramm CO2 zu Buche. Rohe Sojabohnen allerdings sind nicht gerade für den menschlichen Verzehr geeignet. Um sie in ein Produkt wie Tofu zu verwandeln, müssen sie erst einmal eingeweicht, püriert, gekocht und ausgepresst werden. Der wässrige Überstand wird als Sojamilch bezeichnet. Deren feste Anteile werden abermals aufgekocht, mit Hilfe von Gips oder Magnesiumchlorid ausgeflockt, abgeseiht, erneut gepresst, geschnitten, verpackt und nach Möglichkeit pasteurisiert. So gesehen, bringt ein Kilo Tofu dann schon zwei bis drei Kilo Treibhausgas in den Umlauf, ungefähr so viel wie ein Kilo Hähnchenfleisch aus der Massentierhaltung.

Allerdings landen nur drei Prozent der Welternte in Form von Tofu oder Sojamilch direkt auf dem Teller des Verbrauchers. Soja ist aus dem Dasein eines Nischenprodukts für Reformhauskunden längst herausgewachsen. Jährlich werden mehr als zweihundert Millionen Tonnen angebaut. Dafür sind nicht nur in Brasilien Millionen Hektar von Regenwald unter den Pflug genommen worden. Schädlingsresistente Sorten aus den Genlabors von Monsanto und Co. sind unaufhaltsam auf dem Vormarsch. Mehr als neunzig Prozent der Ernte werden zu Öl verarbeitet, zunehmend auch zu Biodiesel. Was übrig bleibt, wird an Tiere verfüttert. Knapp die Hälfte davon geht in die Hähnchenmast, auch Schweine und Kühe bekommen das Kraftfutter vorgesetzt. Die globale Fleischproduktion wäre ohne Soja nicht denkbar.

Soja wird an den Rohstoffbörsen gehandelt und beschäftigt einen ganzen Industriezweig. Der einzige Weg, die Bohne zu vermeiden, bestände heute darin, sich konsequent von Sojasprossen zu ernähren; anders als der Name sagt, handelt es sich dabei um die Keime der verwandten Mungbohne. Ansonsten kann auch der Gemischtköstler keinen Bogen mehr um Soja machen.

Die Bohne als Gesundheitsquell

Sojalecithin steckt als Emulgator praktisch überall drin. Backwaren werden mit Sojamehl angereichert, "Pflanzenöl" heißt fast immer, dass es aus Sojabohnen gepresst wurde. Es blubbert nicht nur in der Fritteuse, sondern findet sich auch in Schokolade, Eiscreme, Margarine und so ziemlich jedem industriell verarbeiteten Lebensmittel. Hinzu kommen sogenannte texturierte Sojaproteine, aus denen sich fleischähnliche Gebilde formen lassen, die dem Vegetarier bei Bedarf das Geschnetzelte, das Steak oder das Gulasch ersetzen. Hydrolysiertes Sojaeiweiß schließlich kann er immer noch seinem Hund oder seiner Katze vorsetzen - in der Hoffnung, dass sie endlich mal was Gescheites in den Fressnapf bekommen.

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