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Spülkunde : Vom Tellerwäscher zum Vollautomaten

  • -Aktualisiert am

Eine volle Maschine verbessert die Energiebilanz - und Vorspülen muss nicht sein Bild: dpa

Beim Geschirrspülen ist Bequemlichkeit keine Sünde. Das zeigen Laborbefunde, die Spülforscher nun durch eine europaweite Feldstudie klar bestätigt haben.

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          Viel hilft viel, dachte sich der Spanier und öffnete den Hahn. Erst 447 Liter Wasser später legte er Schwamm und Spüliflasche beiseite und erklärte sein Werk für beendet. Ganz anders die Testperson von den Britischen Inseln: Ihr reichten 14 Liter, um die 140 schmutzigen Geschirrteile zu säubern, die ihr Forscher der Universität Bonn im Rahmen einer europaweiten Vergleichsstudie vorgesetzt hatten. Ziel der Haushalts- und Verfahrenstechniker um den Physiker Rainer Stamminger war es, einen Überblick über das Spülverhalten in Deutschland und neun anderen europäischen Nationen zu gewinnen. Und eine Antwort auf die vieldiskutierte Frage zu finden, wer effizienter spült: Mensch oder Maschine.

          Stammingers Ergebnisse fielen ziemlich eindeutig aus: Moderne Geschirrspülautomaten schaffen das gleiche Normgeschirr teilweise mit weniger als zehn Litern Wasser. Da konnten selbst die vergleichsweise sparsamen deutschen und britischen Handspüler nicht mithalten. Diese benötigten in Stammingers Studie durchschnittlich rund 50 Liter, im länderübergreifenden Mittel verbrauchten die 113 Probanden sogar doppelt so viel. Und da die zum Spülen benötigte Energie vor allem zum Aufheizen des Wassers gebraucht wird, fiel die Bilanz auch hier eindeutig aus: Handspüler verheizten durchschnittlich 2,5 Kilowattstunden, Stammingers Vergleichsspülmaschinen lagen trotz höherer Temperaturen je nach Programm bei etwa der Hälfte und spülten obendrein deutlich sauberer.

          Energiesparend

          Doch was sagen die unter den artifiziellen Bedingungen eines Spüllabors erhobenen Daten über die Verhältnisse im echten Leben aus? Verbrauchen Probanden mit einem Notizen machenden Weißkittel im Rücken nicht vielleicht mehr (weil sie besonders sauber spülen wollen) oder weniger (um nicht als Ökosünder dazustehen) Wasser und Energie? Wird eine Spülmaschine im normalen Küchenalltag je so ordentlich und voll beladen wie von den Bonner Experten? Die Bedingungen seiner ersten großen Studie vor sieben Jahren seien noch etwas artifiziell gewesen, gibt Stamminger zu. Also besuchte sein Doktorand Christian Paul Richter in den Jahren 2007 und 2008 zweihundert real existierende Haushalte in Deutschland, Italien, Schweden und Großbritannien, um die Spülgewohnheiten normaler Menschen an Becken und Maschine zu dokumentieren. Messgeräte ermittelten dabei 14 Tage lang den Wasser- und Energieverbrauch, eine kleine Kamera machte im Sekundentakt Bilder, die es später erlaubten, jede Aktivität in der Küche nach Spülrelevanz zu beurteilen.

          Die in der aktuellen Ausgabe des International Journal of Consumer Studies veröffentlichten Ergebnisse zeigen: Unterm Strich verbrauchten Haushalte mit einer Spülmaschine nur halb so viel Wasser und ein knappes Drittel weniger Energie als solche, in denen nur per Hand gespült wurde. Der Unterschied war also immer noch deutlich, wenn auch weit geringer als in den Laborstudien. Schuld daran war eine Reihe gängiger Fehler beim Gebrauch der Spülautomaten, so Stamminger. "Vor allem in Italien und Schweden wurde das Geschirr oft ausgiebig per Hand vorgespült, bevor es in die Maschine kam." Das verhagele natürlich die Bilanz und sei zumeist völlig überflüssig. Deutsche und Briten hielten sich beim Vorspülen zwar zurück, dafür verschleuderten sie Energie durch die Wahl unnötig heißer Spülprogramme.

          Weithin verbreitet sei auch der Fehler, unvollständig gefüllte Spülmaschinen zu starten, heißt es in der Studie. Das liegt aber auch an der Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis: Bei den 140 verschiedenen Geschirrteilen, die als optimale Füllung einer Maschine gelten, sind Töpfe oder Schüsseln, die deutlich mehr Platz beanspruchen, nämlich nicht berücksichtigt. Für solches Großstückgut hat auch Stamminger keinen klaren Rat. "Wenn sie noch gut hineinpassen und nicht extrem verkrustet sind, sollten sie ebenfalls in die Maschine."

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