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Die Shuttles der Nasa : Houston, wir haben ein Problem

  • -Aktualisiert am

Die Space Shuttles wurden zum teuren Flop - 2011 läuft das Programm aus, ohne direkte Nachfolge. Bild: dpa

Amerikas stolze Shuttle-Flotte startet dieses Jahr zum letzten Mal in die Erdumlaufbahn. Bei der Nasa ist man inzwischen bescheiden geworden, vom Flug zum Mars ist vorerst keine Rede mehr. Was wird die Zukunft also bringen?

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          Greg Hale drosselt die Geschwindigkeit, als sein Kastenwagen an einem langgestreckten, zweistöckigen Gebäude vorbeifährt. "Dort habe ich 13 Jahre gearbeitet", sagt er, auf die Fensterreihen deutend. "Ich war zuständig für die Qualitätskontrolle beim Beladen der Ladebucht des Shuttles." Er erinnert sich an Module für die Internationale Raumstation, an einen Roboterarm, an geheime Frachten für das amerikanische Verteidigungsministerium, außerdem flogen Ratten, Mäuse und Mikroben in den Weltraum. "Vor vier Jahren bin ich in Rente gegangen. Aber die Menschen hier fehlten mir, und deshalb kehrte ich als Fremdenführer für Journalisten zurück."

          Hale kennt jeden Wächter und Pförtner am Kennedy Space Center in Cape Canaveral an der Ostküste Floridas. Amerikas Tor zum All ist ein 570 Quadratkilometer großes Gelände, das etliche Wassergräben samt Alligatoren, Kiefernwälder mit Weißkopfadlern, Grasflächen und Gestrüpp umfasst. Daraus ragen die Startrampen, Montagehallen und Verwaltungsgebäude empor. Das kathedralenartige Vehicle Assembly Building zum Beispiel, ein 160 Meter hoher Hangar, einst für die Mondrakete Saturn V gebaut - heute werden hier Treibstofftank und Feststoffraketen an das Space Shuttle montiert, an die Endeavour etwa, die nun am 29. April starten soll. Viele dieser Anlagen will die Nasa vermieten, sobald die Fähre Atlantis als letztes Shuttle ihre Abschiedsvorstellung im Sommer gegeben hat. Die amerikanische Raumfahrtorganisation mottet ihre kleine Flotte ein, das Kennedy Space Center droht zum Freilichtmuseum zu verkommen. "Meine Tochter", sagt der 62-jährige Hale, "war als Ingenieurin für die Hitzeisolierung der Shuttles zuständig. Heute arbeitet sie für Boeing an Verkehrsflugzeugen."

          Noch ist die Region um Cape Canaveral ganz auf Raumfahrt eingestellt. Fährt man über die Autobahn Interstate 4 durch Florida in Richtung Ostküste, kommt man im Bezirk Brevard County durch Städte, in denen Modellraketen in den Schaufenstern stehen. Fotogalerien mit Raketenstartbildern und die Embleme der verschiedenen Missionen schmücken die Schnellrestaurants. Selbst die Telefonvorwahl "3-2-1" erinnert an den Countdown, der das Leben aller Bewohner der Gegend prägt.

          Die Ladebucht des Shuttle
          Die Ladebucht des Shuttle : Bild: AFP

          Bei den Kosten verschätzt

          Hier begann in den 1950er Jahren unter Wernher von Braun Amerikas Weltraum-Zukunft. 1958 hob die Rakete mit dem Satelliten Explorer 1 ab, die heute fast vergessene Antwort der Vereinigten Staaten auf den Sputnik-Coup der Sowjetunion. Das Apollo-Programm brachte die ersten Menschen zum Mond, wurde 1972 aber nach elf Jahren aus Kostengründen eingestellt. Das dunkelgraue Startgerüst steht seit Jahren unbenutzt in der Nähe des Vehicle Assembly Building. 10 000 Menschen verloren damals ihre Arbeit auf dem Raumflughafen. Neue Hoffnung setzte man auf das Space Shuttle, den Weltraumpendler.

          Ursprünglich sollte unter Aufsicht von der Mission Control in Houston alle zwei Wochen ein Transporter in die erdnahe Umlaufbahn reisen, Satelliten aussetzen, eine Raumstation aufbauen, wissenschaftliche Experimente ermöglichen - und das für eine deutlich geringere Summe, als der Nutzlasttransport bis dahin gekostet hatte. Aber es kam anders: Statt 10,5 Millionen Dollar wie vorhergesagt schlägt inzwischen jeder Shuttle-Start mit rund einer halben Milliarde Dollar zu Buche. Seit dem Jungfernflug 1981 starteten die Raumfähren auch nicht im 14-Tage-Rhythmus in den Orbit, sondern höchstens alle drei Monate. Trotzdem gilt das Programm wenn schon nicht wirtschaftlich, so doch wissenschaftlich und in den Augen der Öffentlichkeit als Erfolg. Tausende Ingenieure, Techniker und Astronauten stemmten bislang 133 Missionen. Das Weltraumteleskop Hubble flog mit, die deutschen Spacelab-Missionen D1 und D2 sowie Fertigbauteile für die Internationale Raumstation (ISS), die durch den letzten Einsatz der Endeavour jetzt fertiggestellt wird - dreizehn Jahre nach Baubeginn, auch das insgesamt eine Erfolgsgeschichte.

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